Brüel : Künftig Unterricht auf Maisfeld

Erste Absprachen auf dem Acker zwischen Lehrerin Elke Gahr, die im neuen Schuljahr den Wahlpflichtunterricht in der Landwirtschaft übernimmt, mit Johannes Ullrich, Betriebsleiter vom Agrarhof Brüel, und Bereichsleiter Andreas Ogorreck.
Erste Absprachen auf dem Acker zwischen Lehrerin Elke Gahr, die im neuen Schuljahr den Wahlpflichtunterricht in der Landwirtschaft übernimmt, mit Johannes Ullrich, Betriebsleiter vom Agrarhof Brüel, und Bereichsleiter Andreas Ogorreck.

Die Regionale Schule und der Agrarhof in Brüel starten ein gemeinsames Projekt. Landwirtschaft wird ein weiteres Wahlpflichtfach für die Siebtklässler.

svz.de von
03. Juli 2014, 22:00 Uhr

Das kleine Ackerstück liegt direkt am Golchener Weg,  von Kante zu Kante einen halben Hektar groß. Der Agrarhof Brüel hat hier vor einigen Wochen Mais gelegt. Viel zu spät, um reichlich zu ernten. Doch darauf kommt es diesmal nicht an. Die Landwirte überlassen das Feld    der Regionalen Schule für das Projekt „Maiscraft“. Das gibt den Auftakt für Wahlpflichtunterricht in der Landwirtschaft, der den Mädchen und Jungen der siebten Klasse ab dem kommenden Schuljahr angeboten wird.

Nicht zur Pflege, sondern als Versuchsfeld

Eine Imkerklasse gibt es bereits. Die startete mit sechs Schülern und zählt heute doppelt so viele, freut sich Schulleiterin Christina Schumann. „Wenn wir jetzt mit acht bis zehn Schülern wieder klein anfangen, wäre das gut.“ Es sei ein zusätzliches Angebot. Die beiden sechsten Klassen nahmen in dieser Woche „ihr“ Maisfeld in Augenschein. Ein Teil von ihnen wechselt zum Gymnasium; von denen, die nach den Sommerferien in die siebte Klasse der Regionalen Schule gehen, zeigten schon mehrere Interesse für das neue Wahlpflichtfach. Elke Gahr, Lehrerin für Biologie und Sport, die den Unterricht übernimmt, setzte sich  nach der Feldschau mit der Gruppe zusammen. Denn sie möchte, dass Schüler schon in den bevorstehenden Ferien einmal pro Woche nach dem Mais sehen und  Daten sammeln, vor allem über das Wachstum.

Denn die Fläche wurde der Schule nicht zur Pflege übergeben, sondern als Versuchsfeld.  „Wir haben die kleine Ecke und überlegt, was wir am besten damit machen. Denn maschinelle Bearbeitung lohnt sich kaum. Über Nacht kam mir der Gedanke, mit der Schule darüber zu sprechen“, erzählt Betriebsleiter Johannes Ullrich. Die Fläche liege schön  geschützt zwischen anderen Grundstücken und dicht an der Schule. „Und vielleicht macht es bei manchem klick“, springe der Funke über, sich für einen landwirtschaftlichen Beruf zu entscheiden, denkt Ullrich schon weiter. Gerade Jungs aus den umliegenden Dörfern zeigten Interesse, weiß die Schulleiterin.  Die Berufsorientierung sei auch Bestandteil des Projekts. 

Über dem steht  unter anderem: Wie aus Mais nicht nur Popcorn, sondern auch Milch und Folie wird.  Der Betriebsleiter vom Agrarhof findet es selbst faszinierend, wie aus einem  Korn, „das wir im April in die Erde drücken“,  eine  über zwei Meter hohe Pflanze werde. Mais wächst auf 180 Hektar heran,  er wird für die derzeit 250 Milchkühe gebraucht. Weizen nimmt die größte Anbaufläche ein (480 ha) vor Raps (425 ha) und Wintergerste (270 ha). Hinzu kommen 42 ha Zuckerrüben und  jeweils 15 ha Sommergerste als Futterkultur sowie Erbsen zur Vermehrung.

Über das Feld am Golchener Weg fuhr die Legemaschine, die sechs Reihen  schafft, ganze sechs Mal. „Das Gras auf den Randstreifen hat unser Kollege mit der Hand gesät, weil das schneller ging“, erzählt Ullrich schmunzelnd. Die Pflanzen seien kaum halb so hoch wie dort, wo der Mais rechtzeitig im April gelegt wurde. Die Schüler hätten somit genug Zeit zum Beobachten. „Jetzt hat es reichlich geregnet. Aber wenn es länger trocken bleibt, können die Schüler eine Reihe mit der Kanne gießen und dann sehen, was Wasser ausmacht“, erklärt der Landwirt. Auch eine Insel mit Unkräutern blieb absichtlich stehen.

So wie Elke Gahr und Mary Radtke, ebenfalls Biologielehrerin, freut sich auch die Schulleiterin auf das neue, Fächer übergreifende  Projekt. So gehe es zum Beispiel in Geografie um Bodenprofile oder in Geschichte um Mais als Kulturpflanze, seinen Ursprung und die Bedeutung als Nahrungsmittel.

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