zur Navigation springen

Leser verwundert über Lagerung am Waldweg bei Nisbill : Kronenholz wird zu Hackschnitzeln

vom

Es ist doch schade um solches Holz, meinte unser Leser Jürgen Schildt aus Warin bei seinem Anruf. Meterhoch und -weit liege es mit vollem Ast- und Zweigwerk im Wald bei Nisbill. So was habe er noch nicht gesehen.

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2012 | 09:27 Uhr

Nisbill | Es ist doch schade um solches Holz, meinte unser Leser Jürgen Schildt aus Warin bei seinem Anruf. Meterhoch und -weit liege es mit vollem Ast- und Zweigwerk im Wald bei Nisbill. So was habe er noch nicht gesehen.

Spaziergänger oder Touristen verirren sich kaum dorthin, jetzt vielleicht gelegentlich Pilzsammler. Früher benutzten die Leute den Waldweg als kürzeste Verbindung zwischen Nisbill und Büschow, bis die Volksarmee hier Raketen in Stellung brachte und das Gebiet absperrte, erzählt Schildt. Erst nach der Wende wurde das Waldstück wieder zugänglich. Ihn zog es vor einigen Tagen erstmals seit gut

20 Jahren dorthin. Damals hatte er sich wie viele andere die außer Dienst gestellten Raketenstellungen angeschaut, heute ist von denen nichts mehr zu erkennen. "Nun hörte ich von einem Bekannten, dass an dem Waldweg schon eine ganze Weile große Berge Holz mit allem Geäst aufgetürmt sind. Deshalb bin ich hingefahren, um mich selbst zu überzeugen. Ich konnte das kaum glauben; das Holz verrottet doch, wenn es da lange liegt." Inzwischen habe er aber von jemandem, der in der Forstwirtschaft arbeitet, erfahren, "dass dieses Holz wohl an Ort und Stelle geschreddert wird", sagt der Wariner.

Das stimmt, bestätigt Robert Berger, stellvertretender Leiter des Forstamtes Schlemmin, zu dem Warin und weitere sechs Reviere gehören. Es handele sich um Energieholz. Dessen Anteil liege allerdings unter zwei Prozent. "Die stoffliche Nutzung hat immer Vorrang vor der energetischen", bekräftigt der 29-jährige Assessor des Forstdienstes, der seine Ausbildung gerade beendet hat.

Der Holzeinschlag im Forstamt Schlemmin beträgt 45 000 Festmeter im Jahr. Knapp zwei Drittel waren bereits

Anfang August geschafft. Bei den Erlösen liege das Forstamt dank eines überdurchschnittlichen Anteils an hochwertigem Holz noch besser im Rennen. Von den 14 300 Hektar Wald seien 8300 Hektar im Besitz der Landesforst MV, die weiteren Flächen in privater oder kommunaler Hand, einige wenige gehörten der Kirche.

Kronenholz, das bei der Bestandspflege anfalle, bleibe aus ökologischen Gründen im Wald. Zum einen als Lebensraum für unterschiedlichstes Getiers, zum anderen, damit die Nährstoffe auf der Fläche bleiben. Rinde, Nadeln, Laub hätten einen weit höheren Gehalt als das Holz. Über die Ästhetik gäbe es freilich unterschiedliche Auffassungen. Manche Spaziergänger wünschten sich einen aufgeräumten Wald, in dem kein Ast liege, andere seien froh über Totholz, das kleinen Tieren wie Insekten Unterschlupf biete.

Sei der Nutzen größer, Kronenholz herauszuholen, wie jetzt bei Nisbill, werde das gemacht. Vor allem, wo eine Neuaufforstung ansteht. Schon das Pflanzen des Baumnachwuchses wäre schwierig, wenn überall Äste und Zweige liegen, das Mähen zwischen den Reihen, das danach zweimal im Jahr erfolgen müsse, wäre gar

unmöglich, erklärt der Forstmann. Es sei jedoch Vorschrift, das Kronenholz mindestens drei Monate liegen zu lassen, damit dünne Zweige und Nadeln abfallen. Sie versorgen den Boden am besten mit Nahrung, denn gedüngt werde nicht. Erst dann gelangen die Baumkronen auf Lagerplätze an den Wegen. Meist sei das Holz dann schon verkauft und der weitere Werdegang mit Häckseln und Transport zu

Bioheizkraftwerken in der Hand des Erwerbers. "Oft bleibt dieses Kronenholz länger im Wald liegen, damit es schon ein bisschen trocknet und sich mehr Hackschnitzel auf einmal transportieren lassen", weiß Berger. Er finde solche Energieholzpolter im Wald immer noch ansehnlicher als Müllsäcke oder anderen Unrat.

Das Schreddern im Wald erledigen so genannte Hacker. Das sind 200 bis 300 PS starke Traktoren mit einem Anbaugerät, die das zerkleinerte Holz gleich auf einen Hänger blasen. Der Heizwert eines Schüttraummeters (SRM), der Rinde und Luft enthalte, entspreche etwa 100 Litern Heizöl. Bei Massivholz, das in Festmetern gemessen wird, sei er doppelt so hoch.

Baumkronen für Selbstwerber von Brennholz frei zu geben, mache wenig Sinn, sagt der Forstmann. Hinterher sähe es wie in der Pralinenschachtel aus - das Beste sei heraus. Und der Rest habe kaum noch Heizwert und lohne selbst für Hackschnitzel nicht mehr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen