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Rechnung über fast 180 Euro geprellt : Krimireif: Wariner stellt Tankbetrüger

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Nach einer Verfolgungsjagd von Warin über Neukloster und Bützow stellte Tankstellenbesitzer Mirko Prehn in Rühn einen Autofahrer, der für 180 Euro Superbenzin getankt, aber nicht bezahlt hatte. Wir sprachen mit ihm.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 05:38 Uhr

Warin | Nach einer Verfolgungsjagd von Warin über Neukloster und Bützow stellte Tankstellenbesitzer Mirko Prehn in Rühn einen Autofahrer, der für beinahe 180 Euro Superbenzin getankt, aber nicht bezahlt hatte (wir berichteten). Prehn gehört nach 18 Jahren Selbstständigkeit auf dem Bau seit dem 1. Februar 2012 die Tankstelle in Warin. Redakteur Rüdiger Rump sprach gestern mit ihm über den spektakulären Vorfall am Gründonnerstag und das Problem Tankbetrug.

Welches Ausmaß hat Tankbetrug an Ihren Zapfsäulen?

Mirko Prehn: Im vorigen Jahr konnte jemand nicht bezahlen, seine Karte ging nicht. Deshalb ließ er seinen Personalausweis hier, hat den aber nie abgeholt und auch auf Rechnung und Mahnung nicht reagiert. An sein Geld zu kommen, kostet Zeit und Nerven, man hat einen Haufen Laufereien. Und ich weiß nicht, ob ich dieses Geld jemals sehe. Das jetzt war der erste richtige Dieb.

Das hört sich wenig dramatisch an?

Es liegt wohl daran, dass wir etwa 90 Prozent Stammkunden haben, die wir kennen. Unsere Tankstelle liegt an keiner Hauptstraße, Laufkundschaft kommt mehr in der Urlaubssaison im Sommer. Wenn Fremde beim Tanken über 100 Euro liegen, schauen die Verkäuferinnen an der Kasse schon genauer hin.

Also fiel der Autofahrer rechtzeitig auf, als er den Pkw und noch zwei Kanister volltankte?

Ich war vorn im Laden. Meine Mitarbeiterin Ilona Posch, die sonst die Buchhaltung erledigt und an dem Tag an der Kasse Vertretung machte, rief mir zu, dass einer ohne zu bezahlen weggefahren ist. Ich bin nach draußen gerannt um zu sehen, welche Richtung er nimmt, und dann mit meinem Auto hinterher. Er bog rechts nach Mankmoos ab. Nach etwa drei Kilometern war ich dran, überholte ihn und hielt schräg vor dem Auto des Flüchtenden. Wir stiegen beide aus, und ich sagte ihm, er habe wohl vergessen, seine Tankrechnung zu bezahlen. Der Benzindieb wollte dann an sein Auto, um Geld zu holen. Er stieg aber schnell ein, gab Gas und raste an meinem Auto vorbei davon. Dann begann die Verfolgungsjagd so richtig.

Hatten Sie dabei oder schon vorher, als Sie ihn anhielten, keine Angst, dass Ihnen etwas passieren könnte?

In dem Moment habe ich nur gedacht, den greif ich mir, der darf nicht entkommen. Fast 180 Euro einzubüßen, ist für eine kleine Tankstelle ziemlich hart bei durchschnittlich zwei bis drei Cent Verdienst pro Liter Kraftstoff.

Sie verständigten über Handy die Polizei und gaben durch, wo Sie gerade sind. Bekamen Sie schnell Hilfe?

So richtig nicht. Es ging wohl darum, wer wo zuständig ist. Ich verfolgte den Tankbetrüger bis Neukloster, quer durch die ganze Stadt und dann über Bützow nach Rühn. Dort kam er in einer scharfen Linkskurve von der Straße ab und durchbrach einen Zaun. Auf dem Grundstück war Endstation. Ich habe mir den Verfolgten geschnappt, zwei Zeugen aus der Nachbarschaft kamen gleich hinzu. Der Mann klingelte an der Haustür, weil er angeblich telefonieren wollte. Aber ich habe die Besitzer gewarnt, ihn besser nicht hineinzulassen. Als die Polizei kam, haben wir den Mann übergeben.

Wie lange hat es bis dahin gedauert?

Zehn, vielleicht 15 Minuten, genau weiß ich das nicht. In so einer Situation geht einem das Zeitgefühl verloren.

Der Tankbetrüger hatte gestohlene Kennzeichen an seinem roten Ford. Da nützt selbst eine Videoüberwachung der Tankstelle wenig. Sie haben den Täter gestellt. Würden Sie noch einmal so eine Verfolgungsjagd machen?

Auf jeden Fall. Denn genauso wenig wie eine Videoaufzeichnung hätte gebracht, dass meine Mitarbeiterin sich ein Nummernschild gemerkt hat. Vorn war ein Schweriner Kennzeichen dran und hinten ein Ludwigsluster. Für mich war das vorsätzlicher Tankbetrug. 100 Liter Benzin nimmt man nicht einfach so mit.

Hat der Dieb inzwischen bezahlt?

Nein. Das Benzin aus den beiden 20-Liter-Kanistern durfte ich nach telefonischer Rücksprache der Polizisten vor Ort mit dem Dienst habenden Richter in den Tank meines Autos füllen. Auf das Geld für die anderen 60 Liter werde ich wohl lange warten müssen. Der Pkw wurde zwar von einem Abschleppdienst abgeholt, doch der Besitzer kann jederzeit darüber ver fügen. Anzeige ist natürlich erstattet.

Wagen Sie eine Prognose über die Entwicklung der Kraftstoffpreise?

Ich denke, dass sie jetzt wieder zurück gehen, kann das aber nicht genau sagen. Das hängt von vielen Dingen ab. Ich stecke da auch nicht drin. Wenn zum Beispiel die Zypern-Krise anhält und der Euro stark fällt, ziehen die Preise sofort an.

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