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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. Dezember 2017 | 18:06 Uhr

Pennewitt : Kriegsdenkmal kontra Spielplatz

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Landesdenkmalbehörde sieht durch die angedachten fest installierten Spielgeräte „den Wirkraum des Denkmals erheblich eingeschränkt“.

von
erstellt am 14.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Der Wariner Ortsteil Pennewitt mit seinen 120 Einwohnern zieht junge Familien an. Zirka 20 Kinder und Jugendliche – davon bestimmt ein Dutzend im Alter bis zu zehn Jahren – wohnen hier. Aber einen Spielplatz sucht man vergeblich.

Vor gut einem Jahr beschloss die Wariner Stadtvertretung auf Antrag der CDU einstimmig den Bau. Angedacht waren zwei bis drei Spielgeräte, eine Sand- sowie zwei Sitzflächen. Doch daraus wird bisher nichts. Nach einem Anruf einer Bürgerin aus dem Ort legte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sein Veto ein. Hintergrund: Auf dem Areal steht an einer Ecke unter einer Eiche ein Kriegsdenkmal.

Auf SVZ-Nachfrage teilte nun die untere Denkmalbehörde des Nordwestkreises mit: „Nach der Einschätzung des Landesamtes besteht das Kriegerdenkmal in Pennewitt für die Gefallenen aus dem 1. Weltkrieg nicht nur aus dem Gedenkstein, sondern bezieht die Eiche und die freie Platzfläche mit ein.“ Spielgeräte seien in der Regel raumgreifende Elemente, „die aufgrund ihrer räumlichen Dominanz den offenen Platzcharakter der Freifläche beeinträchtigen, den historischen Zeugniswert der Anlage und den Wirkraum des Denkmals erheblich einschränken würden“. Vor dem Hintergrund einer solchen Einschätzung durch die Landesfachbehörde „darf die untere Denkmalbehörde beim Landkreis eine Genehmigung nicht erteilen“.

Eine Nutzung der Freifläche z.B. als Spiel- und Liegewiese, um hier etwa Fußball zu spielen, oder anlässlich eines Dorffestes wird hingegen „denkmalrechtlich für unproblematisch gehalten“. Die Behörde schlägt alternative Aufstellplätze außerhalb des Rondells vor. Doch die gibt es in Pennewitt schlichtweg nicht: Außer dem Rondell befindet sich lediglich noch eine Fläche in kommunalem Besitz – und die ist reserviert für den dringend benötigten Feuerlöschteich.

Als Reaktion auf die Ablehnung beschloss die Wariner Stadtvertretung am 20. Juli mehrheitlich einen Antrag auf Löschung des Baudenkmals aus der Denkmalliste bei der unteren Denkmalschutzbehörde. Dies wird jetzt durch das Landesamt als Fachbehörde geprüft. Eine Entscheidung liegt noch nicht vor.

Kommentar von Roland Güttler: Denk mal
Denkmalbehörden sind dazu da, über die Einhaltung der Schutzrichtlinien zu wachen. Aus gutem Grund. Doch alles verstehen muss man freilich nicht – wie etwa das Veto gegen einen Spielplatz in Pennewitt. In einer Ecke des Areals steht hier ein Kriegsdenkmal. Und ein Spielplatz würde laut Behörde „den Wirkraum des Denkmals erheblich einschränken“. Über Größe, Lage und dezente Art des Spielplatzes sollte (muss) geredet werden. Aber ein generelles Veto? Da kommt einem der Verdacht: Denkmale sind wichtiger als Kinder!
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