Warin : Kosmetik für das Mauerwerk

Das Gerüst gehört der Wariner Kirchengemeinde. Thomas Fauska, Dieter Habl und Wolfgang Maatz (v.l.) erledigen auch das Aufbauen selbst, um Kosten zu sparen.  Fotos: Rüdiger Rump
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Das Gerüst gehört der Wariner Kirchengemeinde. Thomas Fauska, Dieter Habl und Wolfgang Maatz (v.l.) erledigen auch das Aufbauen selbst, um Kosten zu sparen. Fotos: Rüdiger Rump

Drei verbliebene Mitglieder des Wariner Kirchenbauvereins arbeiten weiter jeden Sonnabend unentgeltlich. Dringend wird Nachwuchs gesucht.

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22. Juni 2015, 20:52 Uhr

Bevor es staubt, klebt Wolfgang Maatz das Bleiglasfenster ab, damit es keinen Schaden nimmt. Dieter Habl und Thomas Fauska haben
Schutzanzüge an. Mit einer Flex machen sie die Fugen im Mauerwerk drei bis fünf Zentimeter tief frei. An manchen Stellen müssen auch brüchige Steine herausgenommen werden. „Das ist von unten gar nicht zu sehen, erst wenn man auf dem Gerüst genau davor steht“, sagt Habl. Eine Firma zu beauftragen, wäre zu teuer. Sind die Vorarbeiten erledigt, wird wieder sauber verfugt.

Allein im Altarbereich der Wariner Stiftskirche gibt es sechs solcher Flächen. Das Mauerwerk benötigt dringend eine tief gehende Kosmetik. Arbeit etwa für sechs Jahre, rechnen die Mitglieder des Kirchenbauvereins. Sie sind nur noch zu dritt, nachdem im Frühjahr vier langjährige, verdienstvolle Mitstreiter, inzwischen Mitte bis Ende 70, ausgeschieden sind. Jeden Sonnabendvormittag – bis auf wenige Ausnahmen – arbeiten sie unentgeltlich in oder an der Kirche. Habl (68) ist seit 1992 dabei. Er hat den Verein mit gegründet, als das Bauwerk in einem erbärmlichen Zustand und nach Auffassung von Architekten nicht mehr zu retten war. Die Kirche abzureißen, sei für die Wariner aber nie in Frage gekommen. So entstand 1993 der Kirchenbauverein.


In den 20 Jahren viel Handwerkliches gelernt


Maatz (63) stieß etwa ein Jahr nach Habl dazu. Handwerker sind beide nicht, haben studiert und dabei Bekanntschaft mit Werkstoffkunde gemacht, doch in der Praxis sei alles irgendwie anders. „Ich hatte mal eine Ausbildung als Schlosser, aber nie in dem Beruf gearbeitet, und von Holzarbeiten überhaupt keine Ahnung. Das habe ich in den Jahren alles vom Tischler in unserem Verein gelernt“, so Habl. Das Eigenheim der Familie habe er Anfang der 1990er-Jahre mit einem älteren, erfahrenen Maurer hochgezogen. „Die Klinker hier bei der Kirche sind aber was ganz anderes. Die Feinarbeiten musste ich mir auch erst nach und nach annehmen.“


Kirchturmuhr einmal pro Woche aufziehen


Fauska (34) ist der Jüngste und der einzige mit einem Handwerksberuf. „Ich habe mal Elektriker gelernt.“ Er sei nach einer Pause seit 2007 wieder regelmäßig dabei. Die Familie habe schon vor 20 Jahren mitgewirkt und helfe auch jetzt bei größeren Einsätzen, sei inzwischen jedoch weit verstreut, fügen Habl und Maatz hinzu. Sie suchen dringend mehr solchen Nachwuchs für ihre ehrenamtliche Handwerkertruppe. Neben allem, was anfällt, habe Fauska sich inzwischen auch bestens mit der Kirchturmuhr eingefuchst. Und das sei nicht so einfach. Sie habe ein großes Werk, das sei jedoch filigran gebaut. Hinzu kam eine Automatik mit E-Motor, damit die Uhr nachts nicht schlägt. Der 34-Jährige steigt jeden Sonnabend hoch und zieht sie auf. Das Werk halte genau für eine Woche und gewinne in der Zeit drei, vier Minuten. Deshalb werde die Uhr am besten so eingestellt, dass sie zunächst etwa zwei Minuten nachgeht.

Draußen arbeiten die Männer von März bis Ende Oktober/Anfang November. So sind schon die 15 Pfeiler nach und nach gemacht worden. Manches Jahr hätten sie nur einen geschafft, wenn der stark ausgebröckelt war, es seien aber auch schon zwei geworden. Erst brauche es Zeit, das Baugerüst aufzubauen und zu sichern. Alles in Eigenregie, die Kirchengemeinde habe es in der Anfangszeit des Vereins angeschafft. Eine einmalige Investition, die vielfach wieder hereingekommen sei. Allein die Standzeiten hätten Unsummen gekostet und wären nicht bezahlbar gewesen, ist Maatz überzeugt.

Im letzten Winter hat der Kirchenbauverein Stühle und Bänke aufgearbeitet, auch die vor dem Eingang der Kirche, und neue Holzgitter vor den Fenstern links und rechts der Empore angefertigt. „Das sah vorher wie in einem Hühnerschlag aus“, meint Habl. „Wir haben die Bretter selbst zugeschnitten und gefräst.“ Zum Glück sei noch Tischler Jürgen Friedrich dabei gewesen. Als Vorbild diente das Mittelteil der Empore, denn alte Aufzeichnungen gab es nicht. „Auf einer Seite haben wir geübt und mindestens acht Sonnabende gebraucht. Gegenüber ging es dann fast in der Hälfte der Zeit“, so Habl.

Pastor Andreas Kunert sieht den Kirchenbauverein als „großen Segen“, der seines Wissens „einzigartig“ sei. Alle Generationen hätten was an der Kirche gemacht, doch nun werde sie immer schöner.

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