Woserin : Korbmacher-Premiere in Woserin

Das hängende Bett, „eine Schlaf- und Lesehöhle“, hat der Woseriner Korbmachermeister Ralf Eggert für die 1. Biennale des Kunsthandwerks MV auf dem Rothener Hof gefertigt. Die wird heute Abend eröffnet. Beim Flechtertreffen zu Hause zeigt er eine Auswahl seiner Arbeiten und führt das Schälen von Weiden vor.
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Das hängende Bett, „eine Schlaf- und Lesehöhle“, hat der Woseriner Korbmachermeister Ralf Eggert für die 1. Biennale des Kunsthandwerks MV auf dem Rothener Hof gefertigt. Die wird heute Abend eröffnet. Beim Flechtertreffen zu Hause zeigt er eine Auswahl seiner Arbeiten und führt das Schälen von Weiden vor.

Ralf Eggert erwartet Pfingsten sechs Berufskollegen aus dem Land und von weither zu seinem ersten Flechtertreffen mit Markt.

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31. Mai 2017, 21:00 Uhr

Den Gedanken trägt er schon länger mit sich herum, nun verwirklicht er ihn: Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin veranstaltet an den drei Pfingsttagen das erste Flechtertreffen in dem kleinen Dorf der Gemeinde Borkow. Dazu erwartet er sechs Berufskollegen, drei aus dem Land und jeweils einen aus Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg.

„Jeder bringt das mit, was er anfertigt, und stellt auf seine Weise unser Handwerk vor“, kündigt der Organisator an. „Jeder hat eine andere Herangehensweise. Einer arbeitet besonders filigran, ein anderer mehr künstlerisch, ein Dritter stellt hauptsächlich Gebrauchswaren her.“ Die
Bandbreite reiche von Körben unterschiedlichster Art über Taschen bis hin zu Schmuck, zum Beispiel geflochtene Ohrringe. „Wer Interesse hat, kann jede Menge über die Vielfalt dieses Handwerks erfahren. Ich denke, für alle Besucher ist was dabei“, so Eggert. Jeder Korbmacher arbeite an seinem Stand und führe Techniken vor. „Ich selbst werde das Schälen von Weidenstöcken zeigen“, sagt der Gastgeber.


Flechtweiden in drei Sorten angebaut


Er hat drei kleine Kulturen angelegt, drei Sorten von Flechtweiden. Die meisten Leute würden denken, das Material werde von Kopfweiden geschnitten. Doch er baue die Weiden auf einem Feld selbst an und schneide – oder ernte – sie jedes Jahr. „Ein Weidenfeld, das ist nachhaltig“, bekräftigt der 53-Jährige.

Ein Treffen von Korbmachern habe zehn Jahre lang Renate Derstappen in Neu Dragun, zwischen Schwerin und Gadebusch gelegen, organisiert. Und sie komme jetzt auch nach Woserin. Er sei von Kollegen angesprochen worden, dass es gut wäre, wenn im Norden wieder so eine Veranstaltung, ein Erfahrungsaustausch der Korbmacher und Markt zugleich, stattfinden würde. „Und weil ich tendenziell selbst Interesse hatte,
mache ich das nun zum ersten Mal.“ Obwohl er, so Eggert, in diesem Jahr „eigentlich noch gar nicht so weit“ sei, sondern „mitten im Umbau einer alten Scheune“. Die soll Schauwerkstatt und Verkaufsausstellung Raum geben. Einen Termin der Fertigstellung will der Woseriner nicht nennen. „Zehn Jahre habe ich mir gegeben“, sagt er lächelnd. 2016 sei er umgezogen, arbeite und wohne in einem Raum. Das in den 1950er-Jahren entstandene Gebäude mit Stall und Heuboden, so lange aber ohne Strom, Wasser und Schornstein, dafür mit gepflastertem Boden, sei vielseitig genutzt worden, auch als Kutschenremise und zuletzt als Lagerraum. Es habe der Gemeinde gehört, sei von ihm gepachtet und dann gekauft worden.

Die statische Sicherung des Daches habe er von Zimmerleuten vornehmen lassen, alles andere selbst und „mit Hilfe von Freunden“ erledigt, wie Lehmputz, Dielenboden aus Holz, Einsetzen der Fenster.

Für die Korbmacher-Premiere in Woserin habe er im Vorfeld den Außenbereich mit Objekten aus Weide gestaltet. „Das lebende Haus“ sei ein Langzeitexperiment, das eine Zweitauflage erlebe, weil der erste Versuch nicht geglückt sei. Rund 90 zweijährige Stöcke habe er oval etwa sechs mal vier Meter in den Boden gesteckt, um sie als Kopfweiden zu ziehen. In zehn bis 15 Jahren, so der Plan, soll daraus eine dichte Wand entstanden sein und eine separate Decke eingezogen werden, als Gründach auf Stützen oder eingehängt, sagt Eggert. Sonst würden Kopfweiden oben zusammengebunden, sie bildeten dann aber lediglich einen Sonnen- und keinen Wetterschutz, wie für Ausstellungen oder
andere kleinere Veranstaltungen nötig.


„Kunst: Offen“ und Konzert in der Dorfkirche


Jeder Korbmacher, der Pfingsten teilnehme, sei angehalten, ein oder zwei Exponate für eine Sonderausstellung „Das Huhn im Garten“ beizusteuern. Eines hat Ralf Eggert schon im Außenbereich aufgestellt.

Besucher werden Pfingstsonnabend bis -montag von jeweils 10 bis 18 Uhr erwartet. Es gebe Kaffee und Kuchen sowie kalte Getränke.

Die Woseriner Töpferin Kathrin Otolski beteiligt sich zugleich bei „Kunst: Offen“. Auch die Kirche ist geöffnet, und am Sonntag findet dort um 19 Uhr in der Reihe „Musik in alten Mauern“ ein Konzert mit World Jazz statt.

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