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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. August 2017 | 09:30 Uhr

Jesendorf : Kommune hat kein Geld für Strandfest

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Heutige Veranstaltung am Tramser See wurde abgesagt.

Das für heute geplante Strandfest am Tramser See ist abgesagt. „Aus organisatorischen Gründen“ heißt es dazu im Schaukasten der Gemeinde Jesendorf.

Auf der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend nannte Bürgermeister Arne Jöhnk den konkreten Grund. Die seit dem Vorjahr unter Haushaltskonsolidierung stehende Kommune hat schlichtweg kein Geld, um Beleuchtung, Rettungsschwimmer etc. bezahlen zu können. Stattdessen lädt man an gleicher Stelle für den 16. Juli als Ersatz zu einer kleinen Mitbringparty ein.

Das Strandfest am Tramser See war über Jahre ein beliebten Treffpunkt für Alt und Jung. So feierte man 2010 zum 775. Jubiläum der Gemeinde Jesendorf eine Riesenparty mit Cocktailbar, weißem Sand und Drachenbootrennen der Landwirte sowie Bootskorso, Feuerwerk, Musik und Tanz...

Diese Zeiten, als man sich eine größere Party leisten konnte, sind vorbei. 2014 waren die kommunalen Reserven endgültig aufgebraucht. Seitdem hängt man am finanziellen Tropf. Im Vorjahr betrug der erstmalige Kassenkredit 180 900 Euro, im aktuellen Haushalt stehen bereits 352 800 Euro. Das Schriftstück mit dem Titel „Haushaltssatzung und Haushaltsplan 2016“ erhält auch die (Schulden-)Prognose: 2017 werden es demnach 491 000 Euro Kassenkredit sein; dann 626 200 und für 2019 stehen 710 200 an Miesen drin. Bei jährlich neuen 180 000 Euro kann sich jedermann ausrechnen, wann die Gemeinde Schulden-Millionär sein wird.

Dennoch will man im Interesse der Bürger die Jalousien nicht ganz runter lassen. Jesendorf leistet sich aktuell keine 10 000 Euro im Jahr an freiwilligen Leistungen. Zehn Euro für einen Blumenstrauß und eine Flasche Sekt zum Geburtstag für jeden der 30 Senioren sollen laut Bürgermeister Jöhnk „auf alle Fälle weiterhin drin sein“, wie dieser zu Jahresbeginn gegenüber SVZ erklärte. Zudem lebt die Gemeinde vom Engagement der Bürger und Vereine, sodass in Jesendorf und seinen Ortsteilen Trams, Büschow und Neperstorf nach wie vor einiges auf die Beine gestellt wird. Doch fürs Tramser Strandfest ist eben kein Geld mehr da.


„Antrag auf Fehlbetragszuweisung“


Auf der Sitzung brachten die Abgeordneten vorgestern einen „Antrag auf Fehlbetragszuweisung“ beim Land auf den Weg, erst einmal geht er zur Rechtsaufsicht des Nordwestkreises. „Wir wollen es einmal probieren“, so Jöhnk. Marion Beilfuß von der Bilanzbuchhaltung des Amtes Neukloster-Warin machte den Jesendorfern keine große Hoffnung: „Es wird eine Absage kommen.“ Daraufhin der Bürgermeister: „Dann müssen wir uns eben was anderes überlegen.“

Nur was? Am Ende bliebe im Grunde genommen nur der Rücktritt, da man auf der untersten Stufe – im von Bund und Land vorgegebenen Finanzkorsett gefesselt – kaum noch was bewegen kann. Doch ein Rücktritt kommt nicht in Frage, Jöhnk & Co sehen sich in der Verantwortung gegenüber den Wählern.

Den „Antrag auf Fehlbetragszuweisung“ begründet die Gemeinde im Anhang mit besonderen Faktoren. So hatte die Kommune Jesendorf mit Stichtag 31. Dezember 2015 insgesamt 469 Einwohner, darunter ca. 100 Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren. Das sind so viele Kinder wie in keiner anderen vergleichbaren Gemeinde im Amt. Allein für Schullastenausgleich und Kita waren im Vorjahreshaushalt 126 700 Euro eingestellt. Hinzu kamen 154 900 Euro Kreis- und fast 70 000 Euro Amtsumlage. Die gemeindlichen Einnahmen, Steuern, Schlüsselzuweisung etc., beliefen sich demgegenüber auf 402 780 Euro. Somit blieben unterm Strich 50 000 Euro für alles andere. Als Marion Beilfuß diese Zahlen aus dem Antrag ausführte, herrschte bei den Abgeordneten beredtes Schulterzucken.  

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erstellt am 09.Jul.2016 | 05:22 Uhr

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