Brüel : Kochen für barrierefreien Pfarrhof

In der Küche im Mehrgenerationenhaus kochten Heinz Blumenschein und Gabriele Schumacher-Poschmann gemeinsam.
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In der Küche im Mehrgenerationenhaus kochten Heinz Blumenschein und Gabriele Schumacher-Poschmann gemeinsam.

Heinz Blumenschein initiierte ungewöhnliche Aktion und überraschte damit auch die Besucher im Brüeler Mehrgenerationenhaus.

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13. November 2014, 20:06 Uhr

Die Tische sind wieder eingedeckt. In der Küche brutzelt es. So wie an fast jedem Freitag in den vergangenen siebeneinhalb Jahren wird im Mehrgenerationenhaus in der Brüeler Ernst-Thälmann-Straße heute wieder zusammen gekocht und gegessen. Immer mitten drin ist Heinz Blumenschein. Bislang sei er zum Essen gekommen und gebe mit einem Tischlied sozusagen musikalisch den Startschuss dafür, sagt der 87-jährige Pastor i. R. Das sei seine Aufgabe. Andere würden sich um den Einkauf und das Kochen kümmern und aufgeräumt werden müsse hinterher natürlich auch.

Am vergangenen Kochtag wartete allerdings eine Überraschung auf die Mittagsgäste. Die Tische waren festlich eingedeckt und in der Küche stand Heinz Blumenschein persönlich. Es gab auch kein finanzielles Limit, das beim Einkauf der Zutaten nicht überschritten werden durfte.

Wie SVZ berichtete, hatte der Senior vor mehr als sieben Jahren zu den Teilnehmern eines Seminars im Mecklenburger Hof in Brüel gehört. Deren Eigentümerin Gabriele Schumacher-Poschmann hatte mit interessierten Frauen und Männern geübt, mit einfachen Mitteln 20 bis 25 Mahlzeiten zuzubereiten. „Einige Tipps habe ich behalten, beispielsweise, dass über Blumenkohl ein bisschen Muskat kommt oder Rindfleisch zarter wird, wenn es kurz angebraten und dann mit reichlich Weinbrand abgelöst wird“, sagt Blumenschein. Allein zu kochen traue er sich aber doch nicht. Als er nun seinen 87. Geburtstag im Mecklenburger Hof feierte, war im Gespräch mit Gabriele Schumacher-Poschmann auch der Kochkurs wieder Thema. Der Jubilar erfuhr, dass sie noch nie im Mehrgenerationenhaus gewesen ist. „Sie bot mir eine private Weiterbildungsstunde an. Zusammen mit ihr sollte es mir gelingen, eines meiner Lieblingsgerichte auf den Tisch zu bringen“, sagt er.

Gekocht wurde Putengeschnetzeltes in Frischkäsesoße mit Reis. „Die Leute waren total überrascht. Alle haben gestaunt, dass ich die Kochjacke anhatte“, sagt Heinz Blumenschein. Wenn sonst jeder einen Obolus von mindestens zwei Euro für die Zutaten entrichtet, wurde dieses Mal um eine Spende für die barrierefreie Neugestaltung des Pfarrhofes gebeten. „100 Euro sind zusammen gekommen. Vielleicht konnte ich so auch einen kleinen Anstoß dafür gegeben, welche Möglichkeiten es gibt, um Geld für die Neugestaltung einzuwerben“, sagt der Senior.

Der 87-Jährige freut sich über die gute Resonanz an diesem Freitagsangebot im Mehrgenerationenhaus, das noch nie ausfallen musste, weil ehrenamtliche Köche gefehlt haben. Und er verweist auch auf die anderen Veranstaltungen im Haus. „Hier kann man etwas zusammen machen. Es gibt nicht mehr viele Begegnungsmöglichkeiten. Noch zu wenig klappt aber, dass sich Jung und Alt hier treffen, was auch ein Anliegen im Mehrgenerationenhaus ist“, so Heinz Blumenschein.

Elke Neumann gehört zu den regelmäßigen Besuchern im Haus. „Nach dem Essen am Freitag helfe ich beim Aufräumen. Ich mag die schöne Atmosphäre hier, wir sitzen zusammen und quatschen. Wenn Veranstaltungen sind wie der Flohmarkt oder das Gartenfest, helfe ich auch“, sagt sie. Zu den fleißigen Helfern gehört auch Christa Meier, die an diesem Tag von Enkel Franz begleitet wurde und beim Tischdecken half. Wenn er bei der Oma zu Besuch sei, dürfe er manches Mal mit her kommen, was etwas Besonderes sei, so der Vierjährige.


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