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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

14. Dezember 2017 | 16:22 Uhr

Sternberg : Klein-Venedig kostet noch viel Geld

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Sternberg hat ein Sachvermögen von 20,9 Millionen Euro – doch allein der Erhalt der 21 Brücken stellt die Stadt vor große Herausforderungen.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 15:23 Uhr

Ein großes Ausrufezeichen für diese Zahl: Auf dem Territorium der Stadt und ihrer Ortsteile gibt es 21 Brücken! Ihr Wert beträgt beinahe 1,4 Millionen Euro, wie aus der Mitte Januar von der Stadtvertretung beschlossenen Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2012 hervorgeht. Bürgermeister Jochen Quandt spricht schmunzelnd von Klein-Venedig, ist sich allerdings auch bewusst, dass das noch ein schwerer Klotz am Bein der Stadt werden kann. Denn ein Teil der mehr oder weniger in die Jahre gekommenen Brücken ist zwar nicht so marode wie etwa in Schwerin, wo schon der Abriss des zweiten Bauwerks innerhalb eines halben Jahres bevor steht, doch in absehbarer Zeit gebe es Handlungsbedarf, so der Bürgermeister.


Haushalt 2015 würde nicht genehmigt


Insgesamt verfügt Sternberg über ein Anlagevermögen von 22,2 Millionen Euro. Das Sachvermögen schlägt mit 20,9 Millionen Euro zu Buche und hier wiederum die Infrastruktur mit über 60 Prozent. Die Straßen weisen einen Wert von 6,3 Millionen Euro aus, Rad- und Gehwege weitere 2,65 Millionen. Das setzt sich fort unter anderem mit Parkplätzen und Straßenbeleuchtung. Alles musste zu dem genannten Stichtag nach einem vom Gesetzgeber detailliert bestimmten System bewertet werden. „Das ist ähnlich wie 1990, als die DDR-Betriebe ihr Vermögen zum ersten Mal in D-Mark erfassen mussten“, vergleicht Reinhard Dally, Kämmerer im Amt Sternberger Seenlandschaft. Dieser riesige Aufwand erklärt, warum die Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2012 erst Anfang diesen Jahres auf der Tagesordnung der Sternberger Stadtvertretung stand. Zahlreichen anderen Kommunen sei das nicht anders ergangen, weiß Dally. Über ihnen schwebte gewissermaßen das Damoklesschwert, den Haushalt 2015 nicht genehmigt zu bekommen und damit nahezu handlungsunfähig zu sein. Als der vorige Woche in der Wariner Stadtvertretung beraten und beschlossen wurde, machte Bürgermeister Michael Ankermann genau auf dieses Problem aufmerksam. Warins Eröffnungsbilanz war jedoch längst in trockenen Tüchern.

Die für Sternberg erläuterte Stadtvertreter Pascal Winkler (SPD) als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses. Dieser hatte das Zahlenwerk gründlich unter die Lupe genommen und empfohlen, es zu beschließen. Da die Vermögens-, Kapital- und Ertragslage in den Jahresabschlüssen fortgeführt werde, sei ablesbar, ob die Stadt „zu Lasten der Substanz“ lebe oder es gelinge, „das Eigenkapital nicht nur zu erhalten, sondern zu erhöhen“, so Winkler. Sternberg stehe mit dem beachtlichen Infrastrukturvermögen vor großen Herausforderungen.

Die Straßen sollen eine Nutzungsdauer von 35 Jahren erreichen. Muss sie wegen ihres schlechten Zustands aber vorher komplett saniert werden, wird der Restwert mit einem Mal abgeschrieben, erläutert Kämmerer Dally. Das bringt den Haushalt ins Minus. Wird die Deckschicht erneuert und die Straße hat nur noch eine kurze Nutzungsdauer, verlängert sich die Abschreibungszeit.


Eisenbahnbrücke steht an erster Stelle


Bei Klein-Venedig steht keine Überquerung eines Flusses oder Bachs an erster Stelle bei der Sanierung, sondern die Eisenbahnbrücke bei Klein Görnow, die mit diesem Ortsteil in der Sternberger Gemarkung liegt. Das hätten Untersuchungen ergeben, die in regelmäßigen Abständen vorgeschrieben sind, sagt der Bürgermeister. „Es besteht keine Gefahr, doch in absehbarer Zeit müssen wir uns der Aufgabe stellen und tief in die Tasche greifen“, so Quandt. Die Bahn sei da außen vor. Und weitere Brücken würden folgen, so dass Klein-Venedig noch viel Geld kostet.

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