Sternberg : Klein-Brüder gehen in letzte Saison

Wolfgang Klein hat sein Kanucamp in Sternberger Burg verkauft, hört Ende Oktober auf und freut sich über Nachfolger, „die gut hineinpassen“.

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14. März 2014, 17:16 Uhr

Das Kanucamp liegt idyllisch leicht oberhalb der Mildenitz, bevor die ein Stück weiter in die Warnow mündet. Wolfgang Klein geht hier in seine 20. Saison. Und mit der nehmen er und sein Bruder Klaus-Dieter, der bei ihm von Frühjahr bis Herbst angestellt ist, wie auf Raten Abschied. Für die Beiden ist am 31. Oktober Feierabend, genau am 63. Geburtstag von Wolfgang Klein. Sein Bruder, zwei Jahre älter und von Kindesbeinen an „Dietel“ gerufen, geht in dem Monat in Rente. Klein hat das Anwesen bereits verkauft und zieht dann nach Lübeck, wo seine Tochter lebt und auch der Bruder seit kurz nach der Wende seinen Lebensmittelpunkt hat, wie Neudeutsch gesagt wird, allerdings so richtig nur den Winter über.


Mit sechs Kanus im Nebenerwerb begonnen


Das Kanucamp mit derzeit 20 Paddel- und zwei Schlauchbooten für acht bzw. zehn Personen sowie sechs Hütten, in denen 20 Gäste schlafen können, führt ein Ehepaar aus Schwerin weiter. „Vom Gefühl her passen die Beiden, die noch einen Sohn im Haus haben, gut hier rein“, freut sich Klein. „Die neuen Besitzer übernehmen alles, wollen die Preise beibehalten und herziehen. Auch die heimliche Chefin Heike, die Mischlingshündin, die hier jeder kannte, hätte bei ihnen ein Zuhause gehabt, ist aber inzwischen gestorben. Möglich, dass sich nun manches verändert, wenn eine Frau ins Haus kommt“, fügt er hinzu. Doch beim Verkauf sei ihm wichtig gewesen, die Arbeit von zwei Jahrzehnten „in die richtigen Hände zu legen“. Und davon sei er überzeugt. „Das Ehepaar kam im September zum Paddeln und hat gesehen, dass das Kanucamp zum Verkauf steht. Es überlegte zwei Wochen, und kurz vor Weihnachten waren wir beim Notar. Auch mit den Behörden hat das wie am Schnürchen geklappt. So schnell hätte ich das gar nicht gedacht“, erzählt der gebürtige Schweriner.

Zum Kanu-Verleih sei er als gelernter Rohrleitungsmonteur und Schlossermeister wie die Jungfrau zum Kind gekommen, so Klein schmunzelnd. „Na ja, vielleicht nicht ganz.“ Er sei bei einem Freund in der Nähe von Hamburg gewesen. „An einem kleinen Fluss um die Ecke war eine alte Wassermühle zur Gaststätte ausgebaut. Die Wirtsleute hatten sich Boote gekauft und wollten die zehn Kilometer oberhalb einsetzen lassen. Da dachte ich, wir haben die Warnow und Mildenitz vor der Tür, also kann ich das hier auch probieren.“ Wolfgang Klein arbeitete zu der Zeit in der Gaststätte in Sternberger Burg und begann im Nebenerwerb sechs Kanus und auch Fahrräder zu verleihen. Letzteres habe nicht funktioniert. „Da muss ein Fahrradladen um die Ecke sein. Es geht zu viel kaputt“, so die Erfahrung.

Im November 1994 begann Klein, das Kanucamp aufzubauen, am 1. Mai 1995 war Eröffnung mit einem Dutzend von Booten und zwei Hängern für den Transport von oder zu den Einsetzstellen. Seine damalige Lebenspartnerin, die in Schwerin wohnte, habe an den Wochenenden nach besten Kräften geholfen, sei zuweilen sogar „die treibende Kraft“ gewesen. „Dafür bin ich ihr heute noch dankbar.“ Das
ganze Jahr vom Kanuverleih leben, klappte anfangs aber nicht. Handwerkliche Gelegenheitsjobs hätten ihm über den Winter geholfen. „Das war eine harte Zeit“, sagt Klein.

Als die Beziehung nach sieben Jahren auseinander ging, kam „Dietel“ zu Hilfe. Da sei es richtig losgegangen, weil nun zwei Mann die ganze Woche die Kanuten und Boote fahren konnten. Sie hätten aber stets darauf geachtet, dass es nicht zu viele Paddler werden, stellt Wolfgang Klein klar. Und bis 18 Uhr sollten die Boote vom Fluss sein, damit dämmerungs- und nachtaktive Tiere ihre Ruhe bekommen. „Wenn man den Leuten das richtig erklärt, sehen sie es auch ein“, hat der Kanuverleiher seine Erfahrungen gemacht.


Ohne Schnee kann man kein Ski fahren


Nachdem Wolfgang Klein 2007 schwer erkrankte, kam ihm zum ersten Mal die Idee, das Camp abzugeben. Obwohl die Krankheit „hoffentlich“ überwunden ist und er sich wieder wohl fühlt, habe sich der Gedanke an den Verkauf festgesetzt, ein entsprechender Eintrag im Internet sei
jedoch erfolglos geblieben.

Immer mehr ärgert Klein „die leidige Diskussion“ um den Kanu-Tourismus. Er habe oft den Eindruck, dass Leute in Naturschutzbehörden und -verbänden glaubten, sich profilieren und „ihre Daseinsberechtigung“ nachweisen zu müssen, aber kaum diejenigen fragten, die täglich auf diesem Gebiet arbeiten. „Wir wissen selbst, wenn zu wenig Wasser ist, kann man nicht Kanu fahren, genauso wenig wie Ski, wenn kein Schnee liegt. Alle wollen mit der Warnow werben, dann muss es auch eine Einigung im gegenseitigen Interesse geben“, so Wolfgang Klein.

Doch nun gehen er und sein Bruder noch einmal einer schönen Saison entgegen – bis zum Abschied, bei dem sicher auch Wehmut aufkommen werde. Man müsse jedoch loslassen können, so Klein, zumal er wisse, dass er in kein tiefes Loch fällt.

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