Witzin : Klasse, was die Gemeinde hinkriegt

Bürgermeister Hans Hüller (l.) nimmt die Auszeichnung für Witzin entgegen, von Dr. Thomas de Maizière (r.), Bundesinnenminister und Schirmherr für den Nachbarschaftspreis 2017, am Mittwochabend in Berlin überreicht.
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Bürgermeister Hans Hüller (l.) nimmt die Auszeichnung für Witzin entgegen, von Dr. Thomas de Maizière (r.), Bundesinnenminister und Schirmherr für den Nachbarschaftspreis 2017, am Mittwochabend in Berlin überreicht.

Die Witziner freuen sich über zweiten Platz beim bundesweiten Nachbarschaftspreis 2017 und sind stolz auf die ehrenamtlichen Macher in den Vereinen.

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14. September 2017, 21:00 Uhr

Auf den Straßen im Dorf ist es wie an jedem Vormittag – fast menschenleer. Nur auf der B 104 rollen Kolonnen von Autos in Richtung Güstrow, weil die MeLa in Mühlengeez beginnt. Vor der Kirche biegt Horst Wolff mit seinem Fahrrad ein. Er weiß schon, welchen Erfolg die  Gemeinde am Vorabend feiern konnte, hatte die Nachricht gleich früh in der SVZ gele-sen. Das Projekt aus Witzin, das beim Nachbarschaftspreis 2017 Landessieger geworden und damit auch für den Bundespreis nominiert worden war, kam hier auf den zweiten Platz. Nur die Bürgerinitiative Agora Köln mit ihrem Projekt „Tag des guten Lebens“ erhielt mehr Punkte. Witzin teilte sich Rang zwei mit dem Magdeburger Verein Spielwagen e.V. und seinen Partnern.

„Es ist klasse, was die Gemeinde hinkriegt“, sagt Horst Wolff anerkennend. „Weil hier so viel gemeinsam gemacht wird“, sieht er als Erfolgsrezept. Er sei seit 50 Jahren in der freiwilligen Feuerwehr, nicht mehr mit der aktiven Gruppe zu Einsätzen, aber soweit wie möglich dabei. Vor knapp zwei Monaten erhielten Heinz Westphal und er vom Landesfeuerwehrverband das Ehrenzeichen am Bande für 50 Jahre treue Mitgliedschaft. Auch im Angelverein sei er gewesen, beteilige sich jetzt aber nur noch am Angeln für Jedermann im Dorf. „Mein Sport ist das Fahrradfahren, morgens und nachmittags eine Runde, fast bei jedem Wetter. Ich muss raus“, sagt der 75-Jährige.

Eckehard Thomä schneidet an der Straße seine Thuja-Hecke. Es sei schön, dass Witzin wieder einen Preis gewonnen hat. Das hätten „die sehr aktiven Vereine“ verdient, sagt der 65-Jährige, von der Dörpschaft „als Vorreiter“ über Skater- und Angelverein oder freiwillige Feuerwehr bis zu den Sportgruppen der Frauen. Wo es die alle nicht gebe, sei in den Dörfern kaum was los. Er sei Ur-Witziner, „sogar hier geboren“, und freue sich, dass in der Gemeinde so viel Leben sei, auch wenn er keinem Verein angehöre und weniger eingebunden sei. „Mich zieht es mehr in die Natur, ich bin Jäger und damit ausgelastet. Haus und Hof brauchen auch viel Zeit.“ Seine Devise laute, „was ich mache, mache ich vernünftig“. Wie viel Zeit Ehrenämter beanspruchen, wisse er, sein Bruder Willfried Thomä ist Vorsitzender der Dörpschaft.

Dieser war mit Bürgermeister Hans Hüller und Wehrführer Edwin Schmied zur Auszeichnung nach Berlin gefahren. Letzterer übrigens als einziger im ganzen Saal in Feuerwehruniform, wie Willfried Thomä gestern gegenüber SVZ sagt. Die große Aufregung von Mittwochabend habe sich nun gelegt. Es sei eine „sehr interessante und schöne Veranstaltung“ gewesen, die verdeutlicht habe, welche unterschiedlichen Projekte bundesweit verwirklicht wurden. „Es waren nur zwei aus dem ländlichen Raum, wir und die Thüringer“, so Thomä. Schon bei der Auszeichnung der 16 Landessieger, „bei der eine großartige Stimmung war“, habe sich angedeutet, „dass wir Chancen beim Bundespreis haben, weil wir mit den Aktivitäten aller Vereine so breit aufgestellt sind“, sagt der Vorsitzende der Dörpschaft. Die Laudatio für Witzin habe der Leipziger Oberbürgermeister gehalten und Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Preise überreicht.

2000 Euro als Landessieger und 7000 Euro für den Bundespreis ergeben eine stolze Summe, freut sich Thomä. Wie es sinnvoll eingesetzt wird, werde in aller Ruhe gemeinsam überlegt.

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