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Gesunde Ernährung Sternberg : Kita-Kinder lernen im echten Kaufmannsladen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Kinder der DRK-Kita „Am Berge“ in Sternberg üben im Rahmen der Erziehung zu gesunder Ernährung einmal in der Woche das reale Einkaufen

svz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 07:00 Uhr

„Wir brauchen Gurken, Weintrauben und Kohlrabi“, sagt  Janett Mallon in der Gemüseabteilung des Einkaufsmarktes, und vier Kinder  laufen eifrig los. Lara (4), Joana (6), Junku (4) und Jakob (5) aus der DRK-Kita „Am Berge“ durften  an diesem Donnerstagvormittag  in einem Sternberger Lebensmittelmarkt fast selbstständig einkaufen, nur mit ein ganz bisschen Hilfe von ihrer Erzieherin. „Das machen wir seit gut einem Jahr, seitdem ich hier Kitaleiterin bin“, erklärt die  Chefin  der Kindereinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes, Kerstin Ziebarth. „Das gehört zu unserem Programm für Erziehung zu gesunder Ernährung.“ So würden die Kinder spielerisch lernen, welche Lebensmittel gesund sind und was zu einem guten Frühstück gehört. „Den Einkaufszettel schreiben wir vorher zusammen mit den Kindern und beraten, was wir  für die nächste Woche brauchen.“ Außerdem gehöre das Einkaufen zur Vorbereitung auf den Lebensalltag, die sich der Kindergarten mit seinem Konzept auf die Fahnen geschrieben hat. „Denn die Kinder suchen  allein die Lebensmittel zusammen und bezahlen auch selbst. Dadurch lernen sie nebenbei noch das Geld kennen und üben praktische Mathematik.“ 

Heute darf die vierjährige Lara bezahlen. Das Einkaufsgeld bekommt sie vor dem Losgehen von Kerstin Ziebarth ausgehändigt - immerhin 50 Euro. Im Laden an der Kasse zückt die Vierjährige dann das Portemonnaie und reicht der lächelnden Kassiererin das Geld, die geduldig wartet, bis Lara mit ihren Handschuhen die Scheine aus der Geldbörse gezogen hat. Die Kassiererin gibt Wechselgeld und Kassenbon zurück, Lara steckt alles ein und rechnet in der Kita dann mit Kerstin Ziebarth ab, die ihr bei dieser Gelegenheit auch noch den Wert der einzelnen Geldmünzen erklärt. Auch Junku hat heute eine große Verantwortung, sie darf auf dem Hinweg allein den Handwagen für den Einkauf schieben, auf dem Rückweg übernimmt Jakob diese Aufgabe. „Das ist praktische Physik“, meint Janett Mallon. „Dabei lernen die Kinder etwas über Schwerkraft und Winkel.“

Zu den Einkaufstouren dürften sich alle Kinder melden, die das wollen, auch wenn sie erst zwei sind.  Hauptsache, sie können laufen. „Unseren Jonny, der nicht so lange Strecken laufen kann, nehmen wir natürlich auch im Rollstuhl mit“, erläutert die junge Erzieherin, die  erst seit  2016 in der Sternberger DRK-Kita arbeitet und vorher in Banzkow war. Es würden sich für den wöchentlichen Einkauf  immer viel mehr Kinder melden, als die vier oder fünf, die  mitkommen dürfen. „Vielleicht könnten wir ja auch für die Senioren einkaufen gehen“, überlegt die Sternbergerin laut. „Das werde ich mal in der Kita einbringen.“ Das DRK-Seniorenzentrum steht direkt neben der Einrichtung für 53 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren.

Der wöchentliche Einkauf wurde zusammen mit der generellen Umstellung des Erziehungskonzeptes in der Kita „Am Berge“ eingeführt, die von Kerstin Ziebarth initiiert wurde. „Wir haben uns von der Gruppenarbeit verabschiedet. Jede Erzieherin hat Bezugskinder, deren Entwicklung sie begleitet. Aber sonst  machen sie jeden Tag Angebote, unter denen sich die Kinder aussuchen können, wo sie hingehen.“ Mit dieser Entscheidungsfreiheit würde die Eigeninitiative der Kinder gefördert. „Wir wollen interessierte und engagierte Kinder,   die sich Herausforderungen stellen, mit Erfolgen und Misserfolgen umgehen können, die miteinander kommunizieren und bei Problemen gemeinsam nach Lösungen suchen. So wollen wir die Kinder auf das Leben vorbereiten“, erläutert Ziebarth. Eltern und Erzieher bei dieser Umstellung mitzunehmen, sei nicht immer ganz einfach gewesen. „Vier Elternhäuser haben sich verabschiedet, die hatten Angst, wir würden die Kinder nicht genügend auf die Schule   vorbereiten.“ Aber Schule im letzten Kitajahr zu spielen fände das Erzieherteam nicht genug. „Wir wollen Basiskompetenzen für das Leben lehren, das ist unsere Aufgabe.“

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