Warin : Kita-Alltag an ungewohntem Ort

In den einstigen Kindergarten von Klein Labenz sind  vorübergehend drei Gruppen aus der Wariner Kita „Kinderland“ eingezogen, weil dort das Obergeschoss wegen Schimmelbefalls gesperrt werden musste. Die Mädchen und Jungen fühlen sich im anderen Domizil wohl, nur den großen Spielplatz an der Einrichtung am Fritz-Reuter-Platz vermissen sie ein wenig.
In den einstigen Kindergarten von Klein Labenz sind vorübergehend drei Gruppen aus der Wariner Kita „Kinderland“ eingezogen, weil dort das Obergeschoss wegen Schimmelbefalls gesperrt werden musste. Die Mädchen und Jungen fühlen sich im anderen Domizil wohl, nur den großen Spielplatz an der Einrichtung am Fritz-Reuter-Platz vermissen sie ein wenig.

Mädchen und Jungen aus der Kita „Kinderland“ in Warin haben sich im jetzigen Domizil in Klein Labenz eingelebt. Das Obergeschoss der Einrichtung am Fritz-Reuter-Platz muss umfassend saniert werden.

svz.de von
21. März 2014, 16:35 Uhr

Erzieher bleibt Erzieher, sind sich Birgit Fischer und Roselie Merten einig. Beide lachen gut gelaunt. Die Arbeit in Klein
Labenz sei für sie überhaupt nicht ungewohnt; nur die Einrichtung sei eben anders und natürlich der Arbeitsort mit der täglichen Fahrerei. Die hätten die Eltern, deren Kinder sie betreuen, aber genauso.

Drei Kindergartengruppen sind vor einem Monat aus der Kita „Kinderland“ am Fritz-Reuter-Platz, in der das Obergeschoss wegen Schimmelbefalls unvermittelt gesperrt werden musste (SVZ berichtete), in den Ortsteil von Warin umgezogen, wo es bis vor etwa drei Jahren eine Einrichtung gab. Das Gebäude wurde zum Domizil für die städtische Musikschule, doch die kindgerechten Sanitäreinrichtungen blieben erhalten.

Ein Glücksfall angesichts der prekären Situation, wie Bürgermeister Michael Ankermann unlängst feststellte. Die Stadt bot der Volkssolidarität als Träger kurzfristig die Räumlichkeiten an, damit die Betreuung der Mädchen und Jungen weiterhin gewährleistet ist. Die Musikschule wechselte für die Übergangsperiode ins ehemalige Wariner Kino.


Umfassende Sanierung des Obergeschosses


Nach dem Gutachten von der Spezialfirma Ritter aus Rostock über das Ausmaß des Schimmelbefalls kommt nur eine umfassende Sanierung in Betracht. „Eine Renovierung würde nicht ausreichen“, hat der Bürgermeister in Erfahrung gebracht. Das Dach und die Außenhaut des Gebäudes müssten ebenfalls saniert werden, damit sich nach kurzer Zeit nicht erneut Schimmel bildet. Befürchtungen, dass die Einrichtung während der Bauarbeiten komplett geschlossen werden müsste, hätten sich dagegen nicht bestätigt, so Ankermann. Das Treppenhaus soll fachmännisch abgedichtet und Bauschutt über die Fenster entsorgt werden. Mit Lärm verbundene Tätigkeiten würden in Zeiten gelegt, in denen sie die Kinder nicht stören. Der zuständige Fachdienst beim Landkreis Nordwestmecklenburg macht zur Bedingung, dass die Betreuung in den Räumen des Erdgeschosses nur aufrecht erhalten werden kann, „so lange Lärm, Staub und Erschütterungen nicht zur unmittelbaren Gefahr für Kinder und Personal werden“, heißt es auf SVZ-Anfrage.

Im Keller sind drei Räume gesperrt. Weiter genutzt werden kann – neben dem Versammlungsraum für den Klub der Volkssolidarität – der Turnraum der Kita. Sport- und Spielgeräte werden von einer Spezialfirma gereinigt. Wenn die Volkssolidarität das „finanziell stemmt“, spreche wohl nichts gegen eine weitere Trägerschaft, schätzt der Bürgermeister die aktuelle Situation ein. „Es gibt den Bedarf für die Betreuungsplätze, und die müssen gesichert werden. Die Kapazität der Diakonie-Einrichtung reicht nicht aus.“ Zur nächsten Sitzung der Stadtvertretung am 24. April, so das Ziel, solle eine Beschlussvorlage auf dem Tisch liegen. Kündigungen von Betreuungsverträgen habe es nach ihm vorliegenden Informationen nicht gegeben.

Träger, Bürgermeister und Vertreter des Amtes Neukloster-Warin diskutierten am Donnerstagabend Finanzierungskonzepte. Der Gedanke an die Nutzung eines anderen Gebäudes als Kita sei verworfen worden, so Ankermann, weil der vor 20 Jahren abgeschlossene Erbbaupachtvertrag noch 40 Jahre Gültigkeit besitze und somit keine wirtschaftliche Lösung in Aussicht stehe. Dass die Stadt ein Darlehen bereit stellt oder sich gar finanziell an der Sanierung beteiligt, scheide aus rechtlichen Gründen aus. Aus jetziger Sicht sei der einzig gangbare Weg, dass die Volkssolidarität einen Antrag auf einvernehmliche Aufhebung des Erbbaupachtvertrages stelle und und das Grundstück erwerbe. Verhandlungen zur Finanzierung mit einer Bank sollen bereits aufgenommen worden sein. „Das sind allerdings erst Überlegungen, eine Lösung zu finden, mehr nicht“, dämpft der Bürgermeister Hoffnungen auf ganz schnelles Vorankommen. Am Dienstag, 25. März, um 18 Uhr findet in der Einrichtung ein Informationsabend statt.

Für Kinder und Erzieher hat sich zumindest der Alltag normalisiert, meint Kita-Leiterin Marion Burmeister, jetzt auf drei Häuser verteilt. „Die Vollverpflegung ist überall gesichert, das klappt gut.“ Die Krippe blieb in ihren Räumen im Erdgeschoss. Die beiden Hortgruppen, die sonst 14 Uhr von der Grundschule zum Fritz-Reuter-Platz gingen, bleiben jetzt in den Horträumen. „Die sind groß und hell. Spielzeug und anderes Material zur Beschäftigung haben wir hingebracht. Und die Kinder können den schönen Spielplatz auf dem Schulhof nutzen“, erklärt Burmeister. Drei Gruppen, immerhin 48 der insgesamt ca. 120 Kinder, werden in Klein Labenz betreut. „Für die drei Kolleginnen und manche Eltern ist es sicher nicht ganz einfach, dorthin zu kommen, vor allem für Eltern, die kein Auto haben“, räumt die Kita-Leiterin ein.


Große Unterstützung durch Eltern


„Es gibt aber große gegenseitige Unterstützung. Und wenn jemand das Fahren nicht organisiert bekommt, kann das Kind in Warin bleiben, nur mit dem Nachteil, dass es aus der Gruppe heraus ist. Ansonsten versuchen wir alles, dass die Kinder zusammen bleiben.“ Die erste, durchaus verständliche Aufregung bei den Eltern habe sich jedenfalls gelegt.

Auch Birgit Fischer und Roselie Merten erhalten zuweilen das Angebot, mitfahren zu können. Sonst nehmen die beiden Erzieherinnen bei Wind und Wetter das Fahrrad. Es gehe dem Sommer entgegen, und sie hoffen täglich auf schönes Wetter, meinen sie entspannt.

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