zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

11. Dezember 2017 | 20:07 Uhr

Dabel : Kirche bekommt neue Glocken

vom

Bald werden neue harmonischen Klänge in der Kirche in Dabel zu hören sein. Denn sie bekommt neue Glocken. Über die Anzahl wurde noch nicht entschieden, aber der Sachverständiger gibt die Empfehlung für fünf Glocken.

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 09:34 Uhr

Dabel | In Gedanken hört Hansherbert Lange schon den harmonischen Klang aus mehreren Schlagtönen. Drei große und darüber drei kleine Glocken. Das wäre die Maximallösung und sein Traum. Doch der Pastor in Dabel sagt, er könne auch mit der Variante des Sachverständigen Claus Peter leben, der fünf Glocken vorschlägt, drei nebeneinander und zwei seitlich, etwa ein Kreuz bildend. Davor würden einige kleine Glocken passen, das gesamte Ensemble sinnvoll gestaltet. Darauf lege er, sagt der Pastor, genauso wie der Sachverständige großen Wert.

Doch bis die Glocken das erste Mal geläutet werden können, ob sechs oder fünf, vergehe sicher viel Zeit. Am liebsten wäre ihm das zwar noch in diesem Jahr, in dem Dabel sein 750. Dorfjubiläum feiert, "aber so schnell kriegen wir das Geld wohl nicht zusammen", bleibt Lange realistisch. Die Kirchgemeinde müsse die gesamte Summe durch Spenden aufbringen, die Landeskirche fördere keine Glocken. Im Kostenvoranschlag einer Gießerei stünden unter dem Strich 70 000 Euro. "Doch ich denke, selbst das wird nicht reichen", sinniert der Pastor. Doch er sei stets Optimist. "Wir haben schon manche Idee umgesetzt, und das wird uns auch diesmal gelingen." Lange nennt als Beispiel, dass jetzt alle vier Kirchen seiner Gemeinde eine Orgel haben, Dabel und Woserin seit 1995, Borkow etwas später, und alle mit einem hübschen Glockenspiel. Vorher besaß nur das altehrwürdige Gotteshaus in Gägelow eine Orgel, die wurde restauriert. Die Dabeler nahmen zuvor mit einem Harmonium vorlieb.

Dass die Gemeinde ein neues Geläut für ihre Kirche haben wolle, komme nicht von ungefähr. "Wir haben es hier mit den Glocken", erklärt der Pastor schmunzelnd. So bestehe der über die Region hinaus bekannte Dabeler Handglockenchor schon 25 Jahre. Vor der Kirche wurde ihm sogar ein Denkmal gesetzt - in der Gestalt einer Handglockenspielerin. Dann das Glockenspiel in der Orgel; und wenn jemand als Spende eine Münze in die alte, in einem Stück aus einem Eichenstamm gefertigte Truhe wirft, erklingt der helle Ton eines Glöckchen als Dankeschön.

Gegenwärtig werden in Dabel nur die beiden Glocken aus Harteisenguss geläutet. Sie wurden 1968 gegossen, doch wie in anderen Kirchen auch erweist sich das Material als wenig langlebig. Das Kleinod in dem Turm, eine Bronzeglocke etwa von 1400, wird geschont, nur ganz selten bei besonderem Anlass mit der Hand angestoßen. Sie war einst zersprungen, den Zeitpunkt kennt allerdings niemand, und von einer Lübecker Firma repariert worden. Claus Peter, offizieller Glockensachverständiger für das westfälische Amt für Denkmalpflege und die evangelische Kirche von West falen, nach der Wende auch zunehmend für die Mecklenburgische Landeskirche tätig, hat das wertvolle Stück gründlich untersucht, den Schlagton neu bestimmt und ein Gutachten erstellt. Danach wurde die Glocke bei der Reparatur mit einer x-förmigen Eisenklammer umgeben und der ausgearbeitete Riss ausgegossen. Ein Verfahren, das sich vielerorts bewährt habe; auf diese Weise instand gesetzte Glocken seien bis heute voll betriebsfähig, sagt der Fachmann. Bei der in Dabel sei allerdings die Oberfläche an einigen Stellen aufgeplatzt, so dass die darunter liegende Eisenklammer frei liegt und rosten kann, heißt es im Gutachten. Wobei die seinerzeit verwendeten Eisensorten weit weniger rostanfällig seien als die heutigen gewöhn lichen Stähle. Werde die Glocke maßvoll genutzt, etwa nur zu besonderen Anlässen, leiste sie durchaus ihre Dienste. Müsse sie dennoch irgendwann geschweißt werden, wäre das Risiko gering, weil die Glocke keinerlei Inschrift oder sonstige Zier trägt, so der Sachverständige. Es bestehe jedoch die Gefahr, räumt er ein, dass sich bei einer späteren Reparatur der Schlagton verändere und sich Unstimmigkeiten mit den neuen Glocken ergeben. Dem möchte Pastor Lange von vornherein aus dem Weg gehen und plädiert dafür, dass zeitgleich mit der Neuanschaffung das historische Exemplar repariert wird.

Wie eine zweite Besichtigung der Anlage in diesem Monat ergab, seien der Ausbau der zwei Eisenglocken und die Montage der neuen, die aus Bronze bestehen werden, ohne nennenswerten Eingriff in den denkmalgeschützten Glockenturm möglich, stellt Claus Peter fest. Für die Weiterplanung des Geläutes samt Schlagton-Disposition seien erst einmal bauliche Fragen zu klären. Pastor Lange hält bereits Ausschau nach einem in dieser Sache erfahrenen Statiker. Und selbst wenn die erneuerten Dabeler Glocken nicht mehr im Jubiläumsjahr des Dorfes zum ersten Mal läuten, sondern erst in zwei, drei Jahren, höre er sie in Gedanken schon jetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen