Freimaurerloge Wismar : „Keine Sekte oder gar Weltverschwörer“

Der Sitz der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in der Lübschen Straße 50 mit Zirkel und Winkel oberhalb der Tür.
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Der Sitz der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in der Lübschen Straße 50 mit Zirkel und Winkel oberhalb der Tür.

Wolfgang Griese ist seit 2005 Mitglied der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“. Wariner outet sich als einer der ganz wenigen Logen-Mitglieder.

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06. Februar 2018, 05:00 Uhr

Passanten gehen häufig achtlos an dem Wismarer Haus in der Lübschen Straße 50 mit der Inschrift über dem Eingangsportal „Freimaurerloge Zur Vaterlandsliebe“ vorbei. Handelt es sich an dem restaurierten Gebäude um eine Inschrift aus vergangenen Zeiten?

„Andere fragen sich, was mag sich mit der Freimaurerei verbinden? Muss wohl was sehr Geheimnisvolles sein. Geheime Gesellschaft eventuell, eine Sekte gar. Weltverschwörer. Nichts dergleichen ist zutreffend“, verkündet Wolfgang Griese aus Warin.

Angelehnt an die Französische Revolution seien die fünf Grundideale der Freimaurerei Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese sollten durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden.

Der Wariner, der zu DDR-Zeiten Architektur und Bauwesen in Weimar studierte und danach in dem Bereich tätig war, wurde 2005 das erste neue Erstmitglied „nach der Wiederlichteinbringung“, so Griese. Seit dem 1. Oktober 2005 ist das Haus erneut Sitz der Wismarer Freimaurerloge – 71 Jahre nach dem Verbot aller deutschen Logen durch die Nazis. Und damit hatte die „Erste und erneute Wiederlichteinbringung“ im Oktober 2005 in Wismar etwas ganz Besonderes. Während des Dritten Reiches ist das „Licht der Loge nach Chile gekommen und von dort wieder hergebracht worden“, weiß Griese.

2003/04 wurde das Gebäude in der Lübschen Straße 50 umfangreich saniert. „Durch Freimaurer aus Hamburg, Berlin, Kiel und besonders aus Lübeck“, berichtet der Wariner, der bewusst an die Öffentlichkeit geht. „Ich bin einer der wenigen, der sich outet“, betont Wolfgang Griese, der nach der Wende jahrelang parallel im Wariner Stadtparlament sowie NWM-Kreistag saß und seit über 20 Jahren den Vorsitz des Behindertenbeirates im Nordwestkreis inne hat.

Freimaurer haben sich eigentlich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen. Dies solle intern den freien Ideen- und Meinungsaustausch ermöglichen.

Wolfgang Griese hingegen möchte, dass die Freimaurer mehr an die Öffentlichkeit gehen. Aber auch er verrät über seine Loge nur so viel: „Unsere Loge hat 23 Erst- und 18 Zweitmitglieder aus Lübeck, teils Hamburg. Die Mutterloge ist in Lübeck. Die Mitglieder sind bunt gemischt: vom Professor bis zum Maler und Schornsteinfeger.“ Und: Er sei nicht „der einzige aus dem Altkreis Sternberg“.

Griese: „Freimaurerei ist weder Religion, noch Religionsersatz, kennt keine Dogmen, lehrt keine Weltanschauung und verfolgt auch keine wirtschaftlichen und parteipolitischen Ziele. Das alles war die Freimaurerei auch zu keinem Zeitpunkt seit der Gründung der ersten Freimaurer-Großloge in England vor 300 Jahren.“ Was die Katholische Kirche freilich nicht davon abhielt, „gleich nach der Gründung im 19. Jahrhundert die Logen in Deutschland mit einem Bann zu belegen“, so Wolfgang Griese.

Während seines Studiums in Weimar entdeckte er „ein eigenartiges Haus in Marktnähe mit entsprechenden Symbolen an der Fassade“. Er habe sich damit aber „nicht weiter beschäftigt. In der DDR war die Freimaurerei nicht wie bei den Nazis verboten, aber auch nicht erwünscht. Man hat sie eingehen lassen“, sagt Griese.

Nach der Wende hat er sich mit der Sache der Freimaurerei „tief befasst“, bevor er dann – wie gesagt – 2005 in der Wismarer Loge nach der Wiederlichteinbringung „das erste neue Logen-Mitglied“ wurde. Griese verkündet das nicht ohne Stolz.



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