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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 20:36 Uhr

Wetterbiber : Keine Anzeichen für Kälteeinbruch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf den Wetterbiber war bislang Verlass – und er trifft derzeit keine Vorkehrungen zum Schutz der Burgen vor längerem strengen Frost

Die Temperaturen sollen laut Wetterprognose weiter fallen, sogar einige Zentimeter Schnee werden erwartet. Doch für einen Kälteeinbruch, der weit in den Keller geht und länger anhält, gibt es keine Anzeichen. Die Biber im Sternberger Seenland treffen jedenfalls keinerlei Vorkehrungen, ihre Behausungen vor starken Minusgraden zu schützen, das bestätigt Naturparkranger Mario Krüger gestern auf SVZ-Nachfrage.

Sonst haben die Nager zwei, drei Wochen vor anhaltender Eiseskälte eiligst Schlamm auf ihre Burgen gepackt. Dazu graben sie Erde und Schlamm vom Uferbereich ab, in Mooren auch Torf, schleppen alles mit den Vorderpfoten auf die Burg und hüllen die fast komplett ein. Der erfahrene Naturparkranger ist sich bei dieser Beobachtung „zu 99 Prozent“ sicher, dass wenig später eine Kaltfront heranzieht. Die Tiere müssten das spüren, meint Krüger, und seien deshalb zu Wetterbibern erklärt worden. Wie sie das mitbekommen, bleibe allerdings ein Rätsel. Auf einen bevorstehenden Temperaturrückgang wie jetzt nur wenig ins Minus oder Schnee reagiere der Biber
dagegen überhaupt nicht. „Was sich derzeit auf den Burgen abspielt, sind nur übliche
Reparaturarbeiten.“

Vor sieben Jahren haben die Naturparkranger begonnen, aus dem Verhalten der Nager Rückschlüsse auf das Winterwetter zu ziehen. Mit viel Ernsthaftigkeit, aber auch
einer Menge Spaß achten sie seitdem darauf, was in diesen Monaten mit den Biberburgen geschieht. Die laufen sie ohnehin regelmäßig ab. Denn die Ranger im Naturpark Sternberger Seenland sind längst dazu übergegangen, jedes Jahr den Bestand zu kontrollieren, um nicht die Übersicht zu verlieren. „Wir sind Pilotprojekt. In unserem Revier haben wir den Bestand von Anfang an
unter Kontrolle“, sagt Krüger.

Laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU ist alle drei Jahre ein Bericht über die streng geschützte Tierart in Brüssel fällig. Bei gravierenden Abweichungen müsse reagiert werden. Aber der Biber reguliere sich selbst nach dem Platz- und Nahrungsangebot. Sei beides reichlich vorhanden, schnelle der Bestand in die Höhe. Doch sobald die Nahrung spürbar abnehme, würde ein Teil der Tiere das Quartier aufgeben und weiterziehen. „Das erweckt manchmal den Eindruck, dass sich der Biber immer mehr verbreitet, aber in Wirklichkeit ist es nur ein Umzug“, sagt Jan Lippke, der stellvertretende Naturparkleiter. „Eine Dynamik steckt da immer drin.“ Doch der Bestand insgesamt im
Bereich der Warnow von der Quelle bei Grebbin bis zur Mündung in Rostock und allen Nebenarmen sei jetzt relativ konstant. „Die hohe Ausschlagskurve ist bei uns längst überschritten“, so Lippke.
Einige Nager seien über die Mildenitz und Nebel in den
benachbarten Naturpark Nossentiner-/Schwinzer Heide
abgewandert.

Das nächste große Monitoring für die EU stehe 2017 an. „Doch wir haben den
Anspruch, immer auskunftsfähig zu sein“, sagt Lippke. Alle Daten aus diesem Winter in MV würden bis März/April bei der Gesellschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie (GNL) Kratzeburg, im
Havelquellgebiet nördlich von Neustrelitz gelegen, erfasst und ausgewertet, um einen Landesüberblick zu erhalten. Mario Krüger informiert beim Bibertag MV im April in Alt
Necheln ausführlich.

Was strengen Frost betrifft, könne aber bis März noch viel passieren, warnt Krüger, den Winter schon abzuschreiben. Es müsse nicht wieder so sein wie im Vorjahr. „Da dachten wir schon, die Biber leben gar nicht mehr, so wenig passierte. Da haben sie überhaupt nichts auf die Burgen gepackt, sind nicht mal ins Holz gegangen, sondern fanden reichlich Grünes wie die Sumpfcalla, die nicht zurückgefroren war“,
erzählt Krüger. Davor sei es aber schon ganz anders gewesen. Aber dann würde der Wetterbiber das bestimmt vorher anzeigen.

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