Chef des Polizeireviers Sternberg im Gespräch mit der SVZ : Kein Polizei-Radar hinter Hecken

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Wolfgang Klein, Chef des Polizeireviers Sternberg Archiv

„Wir gehören nicht zu den Kontrolleuren, die sich mit Radargeräten hinter irgendwelchen Büschen, Hecken verstecken“, sagt der Sternberger Polizeichef Wolfgang Klein im Gespräch mit der SVZ.

svz.de von
10. Januar 2013, 10:35 Uhr

Sternberg | Die Jahreswende ist Anlass für einen Rückblick auf 2012 und einen Ausblick auf 2013. Aus diesem Anlass veröffentlicht SVZ eine Interviewreihe.

Heute Fragen von SVZ-Redakteur Michael Beitien an Wolfgang Klein, Chef des Polizeireviers Sternberg.

Über tragische Unfälle mussten wir im Jahr 2012 berichten. So starb im November eine Seniorin bei einem Zusammenstoß in Dabel. Musste die Sternberger Polizei mehr schwere Unfälle aufnehmen als im Vorjahr? Oder sind die Straßen sogar sicherer geworden?

Wolfgang Klein: Mit Abschluss Monat November 2012 hatten wir im Revierbereich Sternberg acht schwere Verkehrsunfälle mit acht Verkehrstoten zu beklagen. Im gesamten Jahr 2011 mussten die Beamten fünf schreckliche Unfälle aufnehmen, wobei die Anzahl der Verkehrstoten bei elf lag. Ich möchte nur an die Unfälle auf der B 104 erinnern, am Gewerbegebiet Brüel zwei tote Frauen bzw. zwischen Brahlstorf und Kuhlen drei tote junge Männer. Insgesamt kann ich einschätzen, dass zwar die Anzahl der schweren Verkehrsunfälle 2012 zugenommen hat, wir uns aber dem bundesweiten Trend der Abnahme der Unfalltoten anschließen durften. Und dieses dank unserer zahlreichen Kontrollen auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, um so den Verkehrsteilnehmern zu vermitteln, dass wir jederzeit für die Sicherheit auf unseren Straßen sorgen.

Wildunfälle gibt es offenbar zuhauf im Sternberger Seenland. Das geht aus den täglichen Polizeimeldungen in unserer Zeitung hervor. Um wie viele Fälle muss sich die Sternberger Polizei im Schnitt kümmern?

Klein: Wir nehmen im Durchschnitt täglich ein bis zwei Wildunfälle auf, wobei wir eine stetige Zunahme in den dunklen Monaten Oktober und November hatten.

Rehe oder Wildschweine springen plötzlich über die Straße. Das hat wohl schon jeder Autofahrer erlebt. Gibt es Straßenabschnitte, auf denen es besonders gefährlich ist?

Klein: Zu dieser Frage muss ich sagen, dass Wildunfälle auf allen Straßen und Wegen in unserem Zuständigkeitsbereich zu verzeichnen waren. Wobei natürlich die Brisanz der Wildunfälle auf den Bundesstraßen höher zu bewerten ist als auf den anderen, hier sind mehr Fahrzeuge unterwegs und oft auch mit höheren Geschwindigkeiten. Aber auch die Wildunfälle auf den Landes- und Kreisstraßen haben ihre Ursachen, sie führen oft durch längere Waldabschnitte, haben keine oder weniger Schutzplanken an den Fahrbahnen und das Wild ist plötzlich und unvermittelt auf der Straße. Ein Streckenabschnitt, der als "besonders gefährlich" in Bezug auf Wildunfälle zu nennen wäre, ist meines Erachtens die B 104 zwischen den Ortschaften Cambs und Brüel, aber auch zwischen Weitendorf und Sternberg kam es zu etlichen Kollisionen mit Wild.

Was raten Sie Autofahrern, um Wildunfälle zu vermeiden?

Klein: Diese Frage ist ganz schwierig zu beantworten. Wir haben Abschnitte, die beschildert sind und auf die Wildwechsel hinweisen. Wir wissen aber auch, dass die Tiere sich nicht unbedingt daran halten. Ich kann nur empfehlen, gerade in bewaldeten Gebieten, aber nicht nur da, runter mit der Geschwindigkeit und vorausschauend fahren, aber auch das ist kein Allheilmittel. Genau so wenig wie die Versuche der Forsten und der Jäger, an den Leitpfosten bzw. den Bäumen direkt neben den Fahrbahnen verschiedenste Hilfsmittel zu befestigen, um die Tiere am Überqueren von Fahrbahnen zu hindern.

Der Winter ist traditionell auch die Hochzeit für Einbrüche in Garten- und Bootshäuser. Wie sieht das im Sternberger Seenland aus? Und gibt es überhaupt eine Möglichkeit, sich dagegen zu schützen?

Klein: Auch im Sternberger Seenland und im gesamten Revierbereich Sternberg hatten wir derartige Einbrüche zu verzeichnen. Von einer Straftatenhäufung möchte ich in diesem Zusammenhang für "meinen Bereich" nicht sprechen, aber diese Straftaten sind da. Mit Abschluss der Gartensaison haben viele Kleingartenbesitzer auf unsere alljährlichen Warnmeldungen ihre Gärten entsprechend gesichert, keine wertintensiven Gegenstände in den Lauben gelassen oder aber des Öfteren einen Spaziergang zum Garten genutzt, um nach dem Rechten zu sehen. Andere haben Klein- und Nutztiere in den Gärten und sind so angehalten jeden Tag zum Füttern in die Anlagen zu schauen. Trotzdem wird man es nie ganz verhindern können, dass es solche Straftaten gibt.

Im zurückliegenden Jahr haben wir oft Polizeikontrollen an den Straßenrändern oder mitten in den Kleinstädten beobachtet. Manchmal hatte man den Eindruck, da wird nicht gerade an Gefahrenstellen geblitzt, sondern eher dort, wo sich Radargeräte gut verstecken lassen. Aber das sieht ein Polizeichef sicher ganz anders, oder?

Klein: Ja, das sieht ein Polizeichef ganz anders. Wir gehören nicht zu den Kontrolleuren, die sich mit Radargeräten hinter irgendwelchen Büschen, Hecken verstecken. In der Regel stehen wir offen und wer aufmerksam und vorausschauend fährt, für jedermann sichtbar überwiegend an den Stellen, wo die meisten Ordnungswidrigkeiten zu verzeichnen sind. Wir wissen, dass auf unseren Straßen meist zu schnell gefahren wird, die Gurtmuffel ihre und fremde Sicherheit nicht so genau nehmen und auch die Handybesitzer sich selbst von den gegenwärtigen Sanktionen nicht davon abhalten lassen, während der Fahrt zu telefonieren. Diese Aufzählung könnte ich so fortsetzen, Überfahren von Sperrlinien und -flächen, Stoppschilder und und und. Zusammenfassend muss ich sagen, dass unsere Kontrollen unbedingt notwendig sind und dazu beitragen, die Sicherheit auf den Straßen und in den Ortschaften zu erhöhen.

Was wünschen Sie sich als Chef des Sternberger Polizeireviers für 2013?

Klein: Wünsche hätte ich viele, aber realistisch sollten sie sein und umsetzbar.

Zum Einen wünsche ich mir so viel Personal, dass ich ausgewogene Schichtstärken habe und so auch dem Druck Überstunden abbauen zu können nachkommen kann, denn jeder Schichtbeamte hat an mindestens zwei Wochenenden im Monat Dienst. Zum anderen wünsche ich mir eine intensivere Zusammenarbeit mit den vier Ämtern in meinem Revierbereich, denn schließlich haben wir viele Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Ich wünsche mir auch, dass sich das Vertrauensverhältnis zwischen Bürger und Polizei verbessert, auch im Hinblick auf die durch uns durchzuführenden Verkehrskontrollen.

Und weil wir vorhin das Thema Verkehrsunfälle hatten, wünsche ich mir, dass meine Beamten im Jahre 2013 noch weniger Unfälle mit Verkehrstoten aufzunehmen haben.

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