Warin : Kaufhaus wird zur Wohnresidenz

Auf dem Ziegelberg in Warin wird aus dem seit Jahren leer stehenden top-Markt eine Wohnresidenz für Mieter 55+, die sich unmittelbar an die Eigenheime anschließt. In dem winkligen Flachbau entstehen 17 komfortable und barrierefreie Wohnungen.
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Auf dem Ziegelberg in Warin wird aus dem seit Jahren leer stehenden top-Markt eine Wohnresidenz für Mieter 55+, die sich unmittelbar an die Eigenheime anschließt. In dem winkligen Flachbau entstehen 17 komfortable und barrierefreie Wohnungen.

Jahrelang stand der ehemalige top-Markt auf dem Wariner Ziegelberg leer – jetzt kommen 17 komfortable, barrierefreie Wohnungen hinein.

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24. April 2017, 20:45 Uhr

Im Sommer sollen die Mieter einziehen können, wahrscheinlich in zwei Etappen Anfang Juli und August, rechnet Bauherr Gregor-
Johannes Winkler. Er verwandelt den seit 2009 leer stehenden top-Markt auf dem Wariner Ziegelberg in eine Wohnresidenz, die für Menschen „55+“ gedacht ist. Diese wird 17 barrierefreie, völlig modern ausgestattete Wohnungen in Größen zwischen 48 und 84 Quadratmetern umfassen. Zwölf davon werden über einen gemeinsamen Hausflur erreichbar sein, fünf erhalten einen separaten Eingang von außen.

Winklers Vater Hartmut Möller hatte sich gemeinsam mit seinem Bruder Rüdiger gleich nach der Wende selbstständig gemacht und in dem neu errichteten Flachbau, „das erste Gebäude, das dort stand“, wie er sagt, ein kleines Kaufhaus eröffnet, der Bruder in Sternberg in der Kütiner Straße.

Ideen von Fischzucht bis Lagersystem


Mit den Jahren sei es immer schwerer geworden, sich zu behaupten, erzählt der gebürtige Wariner. Nach der Schließung 2009 habe es Überlegungen gegeben, umzuplanen und kleine Geschäfte einzurichten. „Doch ich war gerade schuldenfrei und hatte dazu keine Traute“, sagt Hartmut Möller. Aber nun Sohn Gregor-Johannes, in Warin aufgewachsen, inzwischen 31, und als Immobilienkaufmann, der sich mit Projektsteuerung befasst, in Wiesbaden tätig. Er steht kurz vor Beendigung eines Studiums für Bauingenieurwesen. Beinahe wie zugeschnitten auf das Vorhaben in Warin, das Thema der Abschlussarbeit: sinnvolle Umnutzung von leer stehenden Discountmärkten.

Er kocht selbst gern, deshalb legt Bauherr Gregor-Johannes Winkler großen Wert auf die Ausstattung der Küche.
Foto: Rüdiger Rump
Er kocht selbst gern, deshalb legt Bauherr Gregor-Johannes Winkler großen Wert auf die Ausstattung der Küche.

Das ehemalige Kaufhaus auf dem Ziegelberg sei nur ein Beispiel unter vielen. 160 habe er im Norden und Nordosten Deutschlands ausgemacht, in der für die Nachwendezeit typischen Bauweise mit Satteldach und einer Tiefe von 20 Metern. Bis zu diesem Ausmaß mache es noch Sinn, die Gebäude wie in Warin umzunutzen, meint Winkler, darüber hinaus kaum, weil etwa die Flure zu dunkel würden. Hartmut Möller freut sich über das Projekt und hilft tatkräftig. Mit der Planung sei 2014 begonnen worden. Zuvor habe es „wilde Ideen“ für die Nutzung des Gebäudes gegeben, „von Fischzucht bis zu
einem Lagersystem“, sagt Winkler. Baubeginn war Ende 2015. Der Anteil von Eigenleistungen sei hoch – nach der Planung die Bauüberwachung, Rohbauarbeiten wie Dämmung, selbst der mit einem 60-Zentimeter-Blatt geschnittene Streifen im Betonfußboden für die Kanalisation oder teilweise beim Trockenbau. „Nach hinten heraus sind es mehr Fachfirmen geworden“, so der Bauherr.

Alle Außenwände seien stehen geblieben; dank des dort aufliegenden, frei tragenden Daches „konnten wir uns drinnen bei den Wohnungsschnitten frei entfalten“. Nach Vorgabe des Statikers mussten jedoch Stahlträger in die Fensterstürze. „Vorher hatte die eine Seite drei Fenster für Büros, jetzt sind es mit den Terrassentüren 15“, erklärt Winkler.

Fördergeld fließe für diese Privatinvestition kaum. Es gebe geringe Zuschüsse für Energie sparende Maßnahmen und „einige Prozente für Barrierefreiheit“, wie breitere Türen oder in bestimmter Höhe angebrachte Steckdosen. Eine Förderung im Ganzen als altersgerechtes, barrierefreies Haus verlange, dass jeder Wohnraum mindestens 14 Quadratmeter groß sein müsse. Das sei zu viel fürs Schlafzimmer eines Ein-Personen-Haushaltes und damit verschenkter Raum, für den unnötig Miete zu bezahlen sei, findet der Investor. Das Schlafzimmer für eine Person sei zehn, für zwei 12 bis 14 Quadratmeter groß. Die Baukosten würden extra möglichst niedrig gehalten, damit die Miete bezahlbar bleibe. Über die solle sich das Vorhaben refinanzieren. Und da sei etwa an Hamburger Preise nicht einmal zu denken.

Am Komfort spare er jedoch nicht, sagt Winkler und nennt als „Raffinesse die kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung“ oder die Ausstattung der Küche. Weil er selbst gern koche, sei die auf dem modernsten Stand, „auch mit kleinen Spielereien“ zur Erleichterung und für zusätzliche Sicherheit. Geräumig sei auch das zeitgemäß ausgestattete Bad. Zusätzlich gebe es einen öffentlichen Waschraum, der gegen einen kleinen Obolus benutzt werden könne, und einen Gemeinschaftsraum, der sich für Familienfeiern der Bewohner eigne.

Die künftige Wohnresidenz solle weniger wie ein Neubau wirken, sondern als Reihenhaus, passend zum Ziegelberg mit roten Riemchen als Fassade. Erste Reservierungen würden vorliegen, aus der Region, aber auch aus Sachsen und dem Ruhrgebiet. Letztere seien Menschen, die hier Urlaub gemacht oder mal gewohnt haben, erklärt Winkler.

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