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Schnupperpilgern Güstrow-Sternberg : Katholisches Pfarrhaus wird zur Pilgerherberge

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Der Güstrower Wilhelm Reichel lädt am 15./16. März zum Schnupperpilgern von Güstrow nach Sternberg ein - Das sind rund 44 Kilometer. Das katholische Pfarrhaus soll dann eine Pilgerherberge werden.

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 10:03 Uhr

Sternberg | Sternbergs Katholisches Pfarrhaus erhält eine neue Bestimmung. Es wird Pilgerherberge. Mitte März soll die Unterkunft eingeweiht werden, sagte gestern Wilhelm Reichel aus Güstrow. Der 68-jährige Katholik ist einer der bekanntesten Pilger im Land. Umbauten bedarf es nicht im Pfarrhaus, so Reichel. Denn die Pilger benötigen nur einen Platz, wo sie ihre Iso-Matten ausrollen können, einen Wasseranschluss und ein WC.

"Auch die Barlachstadt Güstrow sowie Sternberg waren einst Pilgerstädte und sollen es wieder werden", erklärte Reichel. Seit einigen Monaten führe eine Variante des Baltisch-Mitteldeutschen-Jakobuswegs durch diese beiden Orte. Ein alter Weg geht in der Region von Rostock über Schwaan und Tempzin Richtung Demen. Ein zweiter, neu ausgeschilderter Abzweig führt von Schwaan über Güstrow und Sternberg Richtung Demen.

Interessierte können den 44 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Sternberg und Güstrow am 15./16. März bei einem Schnupperpilgern kennenlernen, so Reichel. Dabei wird am Samstag (16.) mit einem Gottesdienst um 17 Uhr zugleich die Pilgerunterkunft in Sternberg eingeweiht. "Pilgern, das geht übrigens auch mit Hilfsmitteln - zum Beispiel mit dem Rad", erklärt der 68-Jährige. Am Karsamstag, 30. März, bestehe die Möglichkeit, gemeinsam ein Stück des Baltisch-Mitteldeutschen-Wegs von Schwaan, über Güstrow, Witzin, Sternberg nach Demen mit dem Rad zurückzulegen.

Wer beim Pilgern mit Wilhelm Reichel dabei sein will, muss eigentlich nur zwei Voraussetzungen erfüllen: Einigermaßen gut zu Fuß sein und seinen Rucksack selbst tragen können. Ob jemand Christ ist oder nicht, ist für den Mann, der seit vielen Jahren ehrenamtlich Pilger auf den Wegen begleitet, nicht entscheidend.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, sagt Reichel. Beim klassischen Pilgern durch Mecklenburg-Vorpommern, das der Güstrower ebenfalls regelmäßig anbietet, auf zehn Personen. Dabei melden sich immer wieder weit mehr Intereressierte.

Wilhelm Reichel offeriert ein solches Angebot für Mitte April. Gepilgert wird von Sassnitz über Stralsund, Tribsees und Bad Sülze bis nach Rostock. "Von dort sind es dann nur noch 3300 Kilometer bis nach Santiago de Compostela, dem Ziel vieler Pilgerreisen", erklärt der Güstrower. Er selbst hat einen großen Teil auf dem letzten Abschnitt vom französischen Burgund bis in den berühmten spanischen Pilgerort schon bestritten. Das war im Jahr 2000. Reichel war damals 14 Wochen unterwegs. Später pilgerte er neun Wochen lang auf dem letzten großen Abschnitt eines Wegs nach Rom.

Vom 11. bis 20. April wird Wilhelm Reichel mit der kleinen Gruppe auf dem historischen Pilgerpfad, dem "Birgitta-Weg", unterwegs sein. "Birgitta von Schweden, die Schutzpatronin der Pilger aber auch die Patronin Europas, war 1341 bis 1343 n. Chr. auf ihrer Pilgerreise nach Santiago nachweislich in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs", so Reichel. 199 Kilometer ihres Weges will die Pilgergruppe zurücklegen. Der tägliche Fußweg ist etwa 25 Kilometer. Rucksack, Isomatte und Schlafsack trägt jeder selbst. Übernachtet wird in einfachen Pilgerunterkünften mit gemeinsamer Selbstverpflegung.

"Beim Pilgern geht es um Entschleunigung im Gegensatz zum alltäglichen Leben, um das Eintauchen in die Stille der vorpommerschen und mecklenburgischen Landschaft und in den alten Kirchen", so Reichel. "Pilgern ist kein Wandern. Es ist ein Dreiklang aus loslassen und aufbrechen, unterwegs innehalten und ankommen - nicht nur mit den Füßen. Das Loslassen beginnt dabei bereits beim Packen des Rucksacks und beim Verzicht auf den teils selbstverständlichen, alltäglichen Luxus. Doch: Je weniger man trägt, desto leichter ist der Weg. Wir erleben das Schweigen - Zuhören und Sprechen."

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