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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 08:48 Uhr

Kälber halten sich an ihre Termine

vom

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erstellt am 18.Apr.2013 | 10:23 Uhr

Gustävel | Es wurde ziemlich eng in den Ställen der Agrargenossenschaft Gustävel. Der Rindernachwuchs stellte sich seit Anfang Januar wie geplant ein. Die Kälber halten sich an ihre Termine, ob der Winter kurz oder lang ist. Der Gang auf die Frühweide aber, der eigentlich schon im Februar beginnt, musste wegen des langen Winters um Wochen verschoben werden. Rund 400 Kalbungen gab es bis gestern, weitere 80 stehen aus.

Als kein Platz mehr war, ging es für die ersten beiden Herden, Mutterkühe mit ihren Kälbern, im März nach draußen, obwohl noch Schnee lag, jetzt sind es vier. "Die Tiere leben nirgends gesünder. Kälte macht ihnen nichts aus, doch sie müssen mit Futter und Wasser versorgt werden", sagt Vorstandsvorsitzender Roland Ohlendorf.

Die Herde mit 75 weiblichen Kälbern kam auf eine Koppel bei Wendorf. Hier ist der Stall mit beheizter Tränke gleich nebenan. Auf die Fläche an der Landesstraße nach Crivitz, die zwar geschützt liegt, wo das Wasser über Nacht dennoch gefror, wurde es zweimal am Tag in Tanks angefahren. 75 Kühe mit männlichem Nachwuchs, die längst draußen wären, aber bislang im ehemaligen Schafstall untergebracht sind, weil die Weide nicht genug Futter hergibt, kommen nächste Woche ins Freie.

Die Herden werden gleich nach Rassen und Geschlechtern sortiert. "Dadurch brauchen wir nicht in jede Herde rein, wenn wir ab Juli die männlichen Kälber an Mastbetriebe verkaufen", erklärt Ohlendorf. Diese erreichen schneller ihr Verkaufsgewicht, wiegen dann um die 250 Kilogramm. Sind sie schwerer, verdient der Betrieb weniger. Die Herden mit weiblichen Kälbern bleiben bis September zusammen, dann werden ca. 80 für die eigene Nachzucht ausgewählt und alle weiteren verkauft. Zwischen sechs und neun Monate alt sind die Tiere, wenn sie den Besitzer wechseln.

Die Genossenschaft hält drei Rassen sowie Kreuzungen daraus. Mäster sehen beim Rind gern helle Farben, weiß der Agrarchef aus Gustävel. Das Charolais ist weiß und umgänglich, das Fleisch jedoch grobfaseriger, was beim Verbraucher

weniger ankomme. Steak oder Bratenstück vom rotbunten Fleckvieh, das ebenfalls gute bis sehr gute Zunahmen erreiche und dazu mehr Milch habe, seien dagegen sehr feinfaserig. Das Uckermärker, zu DDR-Zeiten aus diesen beiden Rassen gekreuzt und seit 1992 auch im bundesdeutschen Herdbuch, liege dazwischen. Es sei leichtkalbig und das Fleisch wohlschmeckend. Das sei ein guter Mix, findet Ohlendorf.

Vom 1. Januar bis 8. Mai kalben die Kühe im Stall, um sie jederzeit beaufsichtigen zu können, danach bis Ende Mai auf der Weide. Fangstand und alles, was noch dazu gehöre, bis zur Geburtshilfe seien auch dort vorhanden, sagt Ohlendorf. Bei den bislang 400 Kalbungen war ein Kaiserschnitt dabei, ein Jahr seien es mal um die 20 gewesen. Ein Kaiserschnitt wäre ihm jedoch allemal lieber als eine kaputte Kuh. Kommt ein Bulle ab dem 25. März zu den Mutterkühen, kalben diese ab dem 1. Januar, geschieht Ersteres Ende Juni, kommt der Nachwuchs ab 1. April. Ein großer Brunstkalender im Büro an der Wand gibt genau Auskunft. Jährlich gehen etwa 80 weibliche Kälber in die Nachzucht. Frühestens nach zwei Jahren sollen sie das erste Mal selbst kalben. Bei Rindern sei das nicht wie im Hühnerstall, sagt der Agrarchef schmunzelnd.

Im Durchschnitt werden die Mutter kühe sechs bis acht Jahre alt, manche auch 13 oder 14 Jahre. "Ein Bauer freut sich über alte Kühe", so Ohlendorf. Doch erst am Dienstag sei eine mit 13 Jahren zum Schlachten geliefert worden. "Sie hatte immer Top-Kälber, aber einmal ist damit Schluss." Jedes Mal werde jedoch gründlich nachgedacht, bevor ein Tier, ob Färse oder ältere Kuh, zum Schlachten geht. "Denn es kostet viel Geld, bis aus dem Kalb eine Kuh wird", begründet Ohlendorf.

Derzeit sind es in Gustävel 480 Mutterkühe. Da der Betrieb bei der Gründung keine Milchquote erhielt, sei die Fleischproduktion am wirtschaftlichsten, um die mehr als 500 Hektar natürliches Grünland effektiv zu nutzen. Über 400 Hektar sind Moorfläche, die oft nicht nutzbar ist. Ihr Vorteil: Wenn es lange trocken bleibt, finden die Rinder dort immer noch ihr Futter.

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