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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

14. Dezember 2017 | 14:03 Uhr

Weitendorf : Kaarzer Holz erhält neues Gesicht

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Das kompakte Waldgebiet wird als Teil des Nationalen Naturerbes behutsam zu einem Mischbestand umgebaut. Besucher bleiben willkommen.

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 17:25 Uhr

Eingefasst von Weitendorf, Kaarz und Kobrow im Norden sowie Venzkow und Demen im Süden zieht sich das Waldgebiet. Keine Straße,
Eisenbahnlinie oder Erdgasleitung zerschneidet es. Einige wenige Flächen offenes Land sind wie Inseln umschlossen, etwa der Jülchendorfer Meiereiacker. Jahrzehntelang durften weder Spaziergänger noch Pilzsammler ihren Fuß in das Kaarzer Holz setzen. Ab 1972 verfügte das DDR-Verteidigungsministerium darüber, blieb der Wald Raketenbrigade, Artillerie, Geschosswerfern oder Panzerjägern vorbehalten, von 1990 bis 2008 der Bundeswehr.


Lebensräume für viele geschützte Arten


Seit Mitte November vorigen Jahres gehören die 2 805 Hektar der DBU Naturerbe GmbH, einer 2007 gegründeten gemeinnützigen Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (wir berichteten). Das Waldgebiet soll als Nationales Naturerbe entwickelt werden. Es bietet mit seinem hohen Totholzanteil vielen geschützten Arten Lebensräume, die erhalten bleiben sollen. Dazu gehören u. a. Sonnentau, See- und Fischadler. Die Nadelwälder werden behutsam zu Mischwäldern umgebaut.

Über erste Schritte informierten in Kaarz Dr. H. Otto Denstorf, verantwortlich für Betriebsmanagement bei der Naturerbe GmbH, sowie Matthias Weber, DBU-Koordinator und Betriebsbereichsleiter im Bundesforstbetrieb Trave, dem Dienstleister für bundeseigene Flächen in Schleswig-Holstein und hier zu Lande bis zur A 19. Verantwortliche aus der Region, von Forstamtsleiter Ingo Nadler aus Gädebehn bis zu den Revierförstern, standen Interessierten ebenso Rede und Antwort. Im Kaarzer Holz gibt es mit Kurt und Verena Bastian (Kobrow bzw. Venzkow) sowie Ulrich Dohle (Kaarz) drei Revierleiter.

Zunächst sei ein Leitbild entwickelt worden, das die Naturschutzziele für die Fläche vorgibt. „Jetzt sind wir in der Phase der Naturerbe-Entwicklungsplanung, allerdings erst am Anfang“, sagte Denstorf. Es werde kartiert und bewertet, um einen ausführlichen Ist-Stand zu erhalten. Der Naturerbe-Entwicklungsplan werde dann die Vorhaben der folgenden zehn Jahre festschreiben. Erste Maßnahmen würden derzeit mit den zuständigen Stellen abgestimmt, Verträge mit Landwirten über die Bewirtschaftung des Offenlandes geschlossen. Zudem müsse der Rückbau von Gebäuden erfolgen sowie ein Jahreswirtschaftsplan erarbeitet werden mit dem Schwerpunkt Holzeinschlag.

Als oberstes Ziel nannte Weber jedoch, die Wälder aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Bei Kiefernbeständen ab einem Alter von 101 Jahren geschehe das sofort ebenso wie beim Laubwald, egal wie alt er ist. Daher gibt es bereits Einschränkungen bei der Eigenwerbung von Brennholz. Buche darf gar nicht mehr eingeschlagen werden, Birke und Roteiche nur auf bestimmten Flächen. Bei Kiefernbeständen ab 81 Jahre endet die forstwirtschaftliche Nutzung in zwei Jahrzehnten, bei den jüngeren durch langfristige Steuerung. Das heißt, heimische Baumarten zu fördern, die natürlich nachwachsen, vor allem die Buche. Damit einher geht ein zielgerichtetes Wildmanagement, ohne das der noch zarte Baumnachwuchs kaum Chancen hätte. Ein Monitoring als Vergleich zwischen eingezäunten und nicht eingezäunten Flächen soll das Ausmaß von Wildverbiss ermitteln.

Für Ulrich Dohle, seit 15 Jahren Leiter des Kaarzer Bundesforstreviers, ändert sich damit so gut wie nichts. „Wir arbeiten schon länger nach diesem Konzept am Waldumbau.“ Auch Totholz sei reichlich vorhanden, das Kleingetier Nahrung und Unterschlupf biete. Ältere Menschen, die aus der Vergangenheit bis auf den letzten Ast aufgeräumte Wälder kennen, hätten in der Beziehung jedoch manchmal Klärungsbedarf, so Dohle.

Die Erfassung der Wege soll Grundlage für eine Besucherlenkung sein. Er hoffe, warf Axel Stein aus Kobrow ein, dass die Besucher nicht am Kaarzer Holz vorbei gelenkt werden sollen. Im Gegenteil, sie seien willkommen, Artenreichtum und Erholung die Ziele, betonte der Naturerbe-Manager. Und auf eine Frage von Volker Brandt, Leiter des Naturparks Sternberger Seenland, von dem allerdings nur sechs Hektar zum Kaarzer Holz gehören: „Wir sind nicht so weit, Wanderwege auszuschildern, freuen uns aber über Tipps dafür.“

Vielleicht münde die erste Informationsveranstaltung in einen Beirat, regte der Kobrower Stein an. Er erwarte beim weiteren Vorgehen Transparenz und dass die Gemeinde eine Stimme bekomme. Über einen Beirat sei noch nicht entschieden, hieß es, Basisdemokratie werde es aber nicht geben.

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