Sternberger Retter in der Not : Junge Mutter kann nach Unglück wieder lächeln

Der Polo  rutschte nach  einem Zusammenstoß mit einem Baum die Böschung hinunter und blieb auf der Seite im eiskalten Wasser des Serrahnsbachs liegen. Michael Beitien
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Der Polo rutschte nach einem Zusammenstoß mit einem Baum die Böschung hinunter und blieb auf der Seite im eiskalten Wasser des Serrahnsbachs liegen. Michael Beitien

Eine junge Mutter aus Groß Raden bedankt sich bei dem Sternberger Uwe Richter, der ihr und ihrer Tochter aus dem Auto half, das am Sonntag in einen Bach gerutscht war.

svz.de von
30. Januar 2013, 06:20 Uhr

Sternberg | Was Julia Grüning (26) am späten Sonntagnachmittag passiert ist, möchte keiner erleben: Die Groß Radenerin hatte ihre fünfjährige Tochter von der Oma abgeholt. Die beiden waren mit dem Auto auf dem Weg nach Hause, als das Unglück geschah: Der Polo kam auf der schneeglatten Fahrbahn kurz vor dem Ortsausgang in Sternberg Richtung Groß Raden ins Schleudern (SVZ berichtete über den Unfall). "Ich habe noch versucht, gegen zu steuern", erinnert sich Julia Grüning. Doch die 26-Jährige bekam das Auto nicht mehr unter ihre Kontrolle. Der Wagen stieß frontal mit einem Baum am Straßenrand zusammen und rutschte anschließend die Böschung hinunter in den Serrahnsbach. "Nach dem Zusammenstoß kann ich mich an nichts mehr erinnern", erzählt die Groß Radenerin. Erst im eiskalten Wasser sei sie wieder zu sich gekommen. Da der Wagen auf der Seite liegen geblieben war, drang Flusswasser ins Innere.

"Ich hatte Angst, dass wir weiter absacken oder umkippen", erinnert sich Julia Grüning. Am größten sei ihre Angst um ihre Tochter gewesen. "Ich wollte sie bloß aus dem Auto raus haben" erzählt sie. Doch aus eigener Kraft konnte die junge Mutter ihr Kind und sich nicht befreien. Die Fahrerseite - und damit auch die Fahrerin - hätten im Wasser gelegen. Ihre Tochter habe auf dem Beifahrersitz gesessen, so die Groß Radenerin. Sie habe aus ihrer Position versucht, die Beifahrertür zu öffnen, um ihr Kind selbst rauszubugsieren. Allerdings konnte sie die Tür kaum aufstemmen.

Doch Julia Grüning und ihre Tochter hatten Glück im Unglück: Ein Anwohner, der den Unfall beobachtete, stieg ins eiskalte Wasser, um behilflich zu sein. Der Sternberger Uwe Richter half zunächst dem Kind und danach der Mutter aus dem Wagen. "Ich möchte mich für seine Hilfe bedanken", sagt die 26-Jährige drei Tage nach dem Unfall. Für sie sei es nicht selbstverständlich, dass er in den eisigen Fluss gesprungen war. "Vor allem ein ganz großes Dankeschön dafür, dass er meine Tochter aus dem Auto rausgezogen hat", fügt die Groß Radenerin hinzu. Sie habe sich bei Uwe Richter auch schon persönlich bedankt. "Ich habe ihm einen Präsentkorb vorbeigebracht", erzählt sie. Der Helfer in der Not habe sich zwar über ihren Besuch gefreut, aber auf keinen Fall damit gerechnet. "Er hat gesagt, dass das nicht nötig gewesen sei", so Julia Grüning

Besonders danken will die Groß Radenerin auch einer Frau, die am Unfallort ihrer Tochter trockene Anziehsachen und ihr eine Decke gegen die Kälte gegeben habe. "Ich habe versucht, ihren Namen rauszubekommen, aber ich weiß leider nicht, wer das war", sagt sie. Sie würde sich freuen, wenn sie die Frau finden könnte, um sich bei ihr persönlich bedanken. Dankbar sei Julia Grüning auch für die Hilfe der Rettungskräfte vor Ort.

Die Altenpflegerin ist zwar froh über den glimpflichen Ausgang des Unfalls. Denn ihre Tochter blieb unverletzt und sie selbst holte sich nur ein paar blaue Flecken. Dennoch macht sie das Verhalten einiger Menschen während und nach dem Unfall traurig. "Am Ufer standen Anwohner und haben uns zugerufen, dass wir im Auto bleiben sollen, die Feuerwehr würde kommen, um uns zu helfen", sagt sie. Von denen wäre keiner bereit gewesen, in den kalten Fluss zu steigen, um Mutter und Tochter zu befreien. Auch habe sich nach dem Unfall eine Diskussion über das Internetforum Facebook entwickelt. "Einige haben mich persönlich angegriffen, obwohl sie nichts über den Unfall oder mich wissen" bedauert sie. Zudem seien im Internet Fotos und Videos vom Unfall aufgetaucht. "Ich kann nicht verstehen, wie Leute bei einer Unfallstelle stehen bleiben und mit dem Handy filmen können", bemängelt sie. Das mache sie traurig.

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