Jülchendorf : Jülchendorfer finden Wir-Gefühl

Bei diesen Zehn liegt die Hauptarbeit, wenn das Dorffest für Jülchendorf und die Meierei vorbereitet wird. Und Revierförster Rainer Wagner (3.v.r.) hat sich vor den Karren gespannt, wie er sagt. Alle bringen sich aber auch bei der Verschönerung des Dorfes ein.  Fotos: Rüdiger Rump
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Bei diesen Zehn liegt die Hauptarbeit, wenn das Dorffest für Jülchendorf und die Meierei vorbereitet wird. Und Revierförster Rainer Wagner (3.v.r.) hat sich vor den Karren gespannt, wie er sagt. Alle bringen sich aber auch bei der Verschönerung des Dorfes ein. Fotos: Rüdiger Rump

Was aus einer Bierlaune hervorging, hat sich in dem kleinen Dorf verwurzelt und die Einwohner einander näher gebracht.

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20. Juni 2016, 20:30 Uhr

Bei jedem, der ankommt, malt Moni mit dem Farbstift eine Sieben auf den Handrücken. Selbst dem, der eine Schüssel trägt, um das Büfett zu bestücken, bleibt das nicht erspart, denn Ordnung muss sein. Die Aufschrift bedeutet, es ist das siebente Fest hier am Dorfrand. Die Koseform von Monika steht übrigens in Pink auf ihrem schwarzen T-Shirt und hebt sich leuchtend von dem Untergrund ab.

Monika Scheel gehört zum Organisationsteam, das in Jülchendorf das Einwohnerfest für das kleine Dorf samt Meierei vorbereitet. Revierförster Rainer Wagner hat sich vor den Karren gespannt, wie er sagt, und um die zehn Leute ziehen kräftig mit. Bei der Eröffnung nennt er alle Namen: Frank Wiechmann, Eckhard Preuß, Heiko Prosch, Eckhard Liedke, Bernd Hoppe, Reinhard Mackus, Reinhard und Bert Kamenz von der Meierei sowie die einzige Frau – Moni.


Windböen hatten zweimal alles zerfleddert


Die Idee kam in einer Bierlaune am Osterfeuer. Das muss 2009 gewesen sein, sagen Wagner und Prosch nach kurzem Überlegen. Früher kannte jeder jeden im Dorf, das war überall so. Doch von den rund 80 Einwohnern in Jülchendorf und Meierei waren viele erst zugezogen. Zu den meisten habe kaum Kontakt bestanden, erzählen die beiden Männer. Und das sollte sich ändern.

Der Anfang wurde auf dem Jagdhüttenberg gemacht, von dem sich eine herrliche Aussicht bietet, bei klarer Sicht bis Schwerin und den Homberg bei Brahlstorf. Beim zweiten Mal fand das Fest auch noch dort statt, allerdings erneut unter widrigen Umständen im wahrsten Sinne des Wortes. „Wir hatten alles aufgebaut und sind zum Duschen nach Hause gegangen, als Gewitter mit kräftigen Windböen drüber zogen. Die haben alles zerfleddert“, denkt Wagner mit Grausen zurück. „Und es waren nur noch ein, zwei Stunden bis zum Fest. Wir haben alles noch mal gemacht und sind gerade so fertig geworden“, ergänzt Prosch, der auch Gemeindevertreter ist.

Das sei die Initialzündung gewesen, im Jahr darauf nach unten auf den Platz an der Revierförsterei zu ziehen. Erst improvisiert mit Zelt, steht dort nun sogar eine Holzhütte, die zehn Tage vor dem diesjährigen Einwohnerfest fertig wurde, natürlich wieder in Eigeninitiative, so wie sich Wagner & Co. auch selbst um Sponsoren kümmern, damit zum Beispiel eine Hüpfburg aufgebaut werden kann. Die Gemeinde Weitendorf, von der Jülchendorf ein Ortsteil ist, hatte von der Treuhand die Fläche gekauft, die Landesforst den Weg, der dort in den Wald führt, und beide hatten sich an der Vermessung beteiligt, erklärt Wagner.

Ohne dass dieser es wusste, schoben Prosch und einige Vertraute eine „kleine Kasse“ zur Finanzierung des Materials für die Holzhütte an. Sie wollten heimlich den Revierförster entlasten. „Mancher meint, im Wald wächst doch genug Holz. Das sind aber keine geschnittenen Bretter, und Schrauben haben wir auch gebraucht“, begründet Prosch die gute Absicht, bei der nur der Zeitpunkt etwas unglücklich gewesen sei.

Mit den Festen hat sich in Jülchendorf ein völlig neues Wir-Gefühl eingestellt, freut sich Organisationschef Wagner, Jahrgang 1958, seit 1983 in dem Dorf und seit 1990 Revierförster. Die Einwohner würden sich inzwischen kennen, stehen bleiben und ins Gespräch kommen, so wie früher auf dem Dorf. Nicht mehr wortlos aneinander vorbei-, sondern aufeinander zuzugehen, habe auch dazu geführt, sich gegenseitig zu helfen oder im Dorf gemeinsam anzupacken.

Die Meierei ist fast vollzählig, von Jülchendorf fehlt auch kaum jemand, stellt Wagner nach kurzem Blick in die Runde fest. Das sei „sensationell“, meint Willy Harder aus Wohltorf bei Hamburg. Er ist beim Schwager zu Besuch und fühlt sich in dieser Dorfrunde „überhaupt nicht fremd“. Er sei das dritte Mal bei dem Fest, sagt Harder, und kenne inzwischen schon viele Leute. Besuch im Dorf sei herzlich willkommen, so die Organisatoren, doch ansonsten sei es für die Einwohner gedacht.

Lothar Kastrau ist hier aufgewachsen. Seine Großeltern lebten in Jülchendorf, die Eltern wohnen in Weitendorf. Er ist nun Schweriner, kümmert sich aber als gelernter Fleischer, der nun Möbel ausfährt, um die beiden Schweine am Spieß – wieder dieses Wir-Gefühl.

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