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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 03:11 Uhr

Brüel/Thurow : „Jetzt ist das Kapitel abgeschlossen“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Fotoausstellung von ehemaligem Kreisbetrieb für Landtechnik in Thurow berührt vor allem ehemalige Beschäftigte bis ins Herz.

von
erstellt am 01.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Im Flur des Brüeler Bürgerhauses hängen ältere Fotos und ein Luftbild vom ehemaligen Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) in Thurow. Die ergänzen die Ausstellung „Gegen das Vergessen“, die der Jülchendorfer Hobbyfotograf Egon Stöbe aus rund 100 Aufnahmen zusammengestellt hat. Er hat fotografiert, bevor die Gebäude, die durch jahrelangen Leerstand und Verfall zu Ruinen geworden waren, abgerissen wurden. Die Stadt hatte dazu das Gelände direkt an der

B 104 erworben und mit Fördermitteln beräumen lassen.

Wolfgang Ast tippt mit dem Finger immer wieder auf eine andere Stelle des Luftbildes, um sich gemeinsam mit Hans-Uwe Bartels zu erinnern, was wo einmal war. Beide sind in Brüel in eine Klasse gegangen. Ast wohnt seit langem in der Nähe von Güstrow, hat aber mal im KfL Thurow gearbeitet, wie er erzählt. Und deshalb sei er eigens zu der Ausstellung
gekommen. Bartels war gelegentlich am Unterrichtstag in der Produktion (UTP) in dem Betrieb und weil sein Vater dort beschäftigt war. „Diese hohen Pfeiler kennen wir gar nicht mehr“, sagt der Brüeler nach einem erneuten Blick.


Anblick der Ruinen tat richtig weh


Ganz tief berühren Willi Lemke, von 1969 bis 1990 Direktor des KfL, die Fotos im Sitzungssaal des Bürgerhauses. Sie zeigen die traurigen Überbleibsel des kurz nach der Wende geschlossenen Betriebes. „Wenn ich an den Ruinen vorbei fuhr, hat das richtig weh getan“, so Lemke. Stöbe hat zum Fotografieren nichts verändert, nur die Aufnahmen mit einer speziellen Software bearbeitet und so eine überraschende, faszinierende Farbigkeit hinein gebracht (wir berichteten).

„Ich hatte erst Bedenken, weil alles kaputt war“, räumt Lemke ein. „Doch wie das dargestellt ist, künstlerisch mit Farben und Objekten, beeindruckt.“ Er brachte ergänzend alte Fotos und Dokumente ein. Die Ausstellung zeichne bildnerisch einen großen Teil seines Lebenswegs und vieler anderer nach. „Eine gute Idee“, findet Ehefrau Christa Lemke. Sie habe auch von Anfang an im KfL gearbeitet, „als Kontingentverwalterin oder anders gesagt Materialwirtschaftlerin“, eingedenk des häufigen Mangels auch keine leichte Aufgabe. Für ihn sei die Ausstellung „sehr befriedigend“, sagt der damalige Direktor. Jetzt könne er damit, einem langen Kapitel seines Lebens, abschließen. Wobei es sicher nie ganz aus seinem Kopf verschwinden werde.

Das geht Werner Renke genauso. Der Holzendorfer hat jahrelang in Brüel gewohnt und war zuletzt Abteilungsleiter für Instandhaltung im KfL. Gelernt habe er im Heimatdorf ab 1957 in der Reparaturtechnischen Station (RTS), die später ein Betriebsteil des KfL wurde. „Wir haben die Technik für die Landwirtschaft repariert, aber auch Strohanhänger und Rationalisierungsmittel angefertigt, mit viel Mühe die Krananlage aufgebaut, die später auf einmal zerstört war“, erzählt der 74-Jährige. Die Ausstellung gehe ans Herz. Der Betrieb sei „Teil des Leben“ gewesen, „wir haben uns gestritten und wieder vertragen“. Von den Gebäuden habe er alles wiedererkannt, die Fotos seien gelungen.

Er habe nicht selbst im KfL gearbeitet, sagt Bürgermeister Jürgen Goldberg, aber so viele andere. Und mancher Unternehmer von heute habe einst in dem Betrieb gelernt.

Die Fotoausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Bürgerhauses besucht werden.

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