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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 06:55 Uhr

Sternberg : Jede Arbeit muss geachtet werden

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Soziales-Lernen-Projekt der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium „David Franck“ soll Berufe näher bringen.

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 17:44 Uhr

In ihrer Schulzeit hat Petra Langpap, die Leiterin der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium „David Franck“, die Möglichkeit bekommen, in viele Berufe hineinzuschnuppern. So im Holzbau, im Hoch- und Tiefbau, der Landwirtschaft mit Pflanzen- und Tierproduktion sowie der Holz- und Metallbearbeitung. Diese Erfahrungen will die 51-Jährige auch heute nicht missen, das hört man heraus, wenn sie mit Begeisterung davon berichtet. Zu ihrer Schulzeit wurden diese Projekte im Schulfach PA (Produktive Arbeit) ermöglicht.


Gute Erfahrungen weitergeben


In heutigen Schulen ist eine solch enge Verbindung zur Arbeitswelt allerdings nur noch selten der Fall. Umso stolzer ist Petra Langpap, ihren Schülern des regionalen und gymnasialen Bereiches seit knapp sieben Jahren einen tiefen Einblick in die Berufswelt ermöglichen zu können. Ihre Schule engagiert sich schon lange dafür, dass der Nachwuchs zum einen in die Praxis verschiedenster Berufe reinschnuppern kann. „Es ist ja etwas völlig anderes, wenn man von einem Beruf hört oder liest und wenn man diesen dann wirklich erlebt“, wie die Schulleiterin erklärt. Zum anderen soll eine frühe Berufsorientierung gewährleistet werden. Dafür gibt es spezielle Angebote in den Wahlpflichtkursen der neunten und zehnten Klassen. Sie können zwischen den Projekten „Energie Management“ mit Jens Quandt von Eco Motion, „Alternative Energien“ mit Andreas Jesse, der im Landesvorstand des Bundesverbandes für Windenergie (Bwe) tätig ist, sowie dem „Sozialen Lernen“ wählen. Kooperationspartner der „Soziales Lernen“-Projekte sind derzeit das DRK Seniorenzentrum, zwei Kindertagesstätten und der Hort in Sternberg.

Mit dem DRK Seniorenzentrum Am Berge wurde gerade der offizielle Kooperationsvertrag geschlossen, welcher das Projekt, das bereits seit einigen Jahren läuft, nun auf rechtliche Füße stellt. In den schriftlichen Ausführungen heißt es: „Schule und Betrieb streben eine Zusammenarbeit an, die die Schule in ihrer pädagogischen Arbeit durch stärkere Realitätsbezüge unterstützt“ und die Berufsvorbereitung der Schüler verbessert. „Nur das übliche Betriebspraktikum ist zu wenig“, weiß Petra Langpap, „was Schule leisten sollte, ist die Vorbereitung auf die persönliche und berufliche Zukunft. Schule ist nicht losgelöst von der realen Welt.“ Die Projekte müssen allerdings langsam wachsen, wie sie erklärt. Doch schon jetzt könne sich die Verbundene Regionale Schule und Gymnasium „David Franck“ über eine breite Unterstützung von Betrieben freuen, „die sehr offen sind und uns viel helfen“, freut sich die 51-Jährige. So sei gewährleistet, dass die Schüler sich nicht blauäugig in einen Beruf stürzen, ohne die realen Arbeitsbedingungen und Anforderungen zu kennen. Außerdem werde so vermieden, dass bestimmte Berufe fälschlicherweise von vorn herein verurteilt würden, wie die Schulleiterin sagt.


Berufliche Perspektiven entdecken


Zwei Schüler, die besonders viel Spaß an ihren neuen Wahlpflichtkursen haben, sind Martin Kadow (15) aus der zehnten und Anne-Marie Kaminski (15) aus der neunten Klasse. Beide haben sich bewusst für das soziale Lernen entschieden.

Martin ist seit Februar im DRK Seniorenzentrum beschäftigt und verbringt dort jeden Mittwoch seine siebte und achte Schulstunde. Von den Senioren wurde er sehr gut angenommen, wie Silvana Zutz, die zuständige Wohnbereichsleiterin, positiv zu berichten hatte. „Die Senioren freuen sich immer ganz Besonders auf den Mittwoch, wenn Martin wieder kommt“, sagt sie. Verständlich, denn der 15-Jährige ist für die Freizeitgestaltung der Bewohner zuständig. Außerdem, so betonte die Wohnbereichsleiterin, käme er immer mit guter Laune und ohne großen Termindruck. So sei er stets nur für die Senioren da und diese Aufmerksamkeit bräuchten sie. Im Umgang mit den älteren Herrschaften weiß der Holzendorfer schon jetzt, worauf es ankommt: „Auf jeden Fall sollte man laut sprechen, da die Senioren aufgrund ihres hohen Alters oft nicht mehr so gut hören.“ Außerdem, so sagt er, sei ein höflicher Umgang mit den Senioren wichtig. „Allein schon aus Respekt vor ihrem hohen Alter und dem, was sie bereits durchlebt haben“, wie der 15-Jährige weiß.


Wissen, worauf es ankommt


Er kann sich auf jeden Fall vorstellen, auch in Zukunft im sozialen Bereich tätig zu werden. „Ob nun aber direkt als Altenpfleger, weiß ich nicht“, gibt er zu.

Anne-Marie aus der 9. Klasse ist inzwischen seit fünf Wochen in der Kita und betreut vor allem die ein- bis zweijährigen Kinder. Ihre Mutter arbeitet als Erzieherin, daher hat sie schon früh das Interesse entwickelt, sich um die Kleineren zu kümmern. Sie hat auch einen jüngeren Bruder, aber um den braucht sie sich mit zwölf Jahren nicht mehr zu sorgen. Am meisten Spaß macht es ihr, mit den Kleinen zu reden und zu spielen. Vor allem, wenn sie versuchen, ihr etwas zu erzählen – meist einzelne Wörter oder wer sie heute von der Kita abholt. Bis vor kurzem war es ihr Wunsch, Erzieherin zu werden. Nun ist sie sich aber nicht mehr sicher, da sie auch gerne studieren möchte. Ihr Schulpraktikum wird die 15-Jährige aber trotzdem in der Kita absolvieren.


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