Beitragserhöhung von teilweise mehr als 100 Prozent : Jäger laufen Sturm gegen Berufsgenossenschaft

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MVs Jäger sind verärgert. Ihre Empörung richtet sich gegen die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft, die in jüngerer Vergangenheit nicht zum ersten Mal die Beiträge kräftig angezogen hat.

svz.de von
04. März 2013, 08:51 Uhr

Parchim | "Ich fühle mich behandelt wie das Schaf einer Herde, die den Wölfen ausgeliefert ist. Gnadenlos wird zugeschlagen." Das ist ein ziemlich starker Spruch, den Günter Markstein vom Hegering Parchim da vom Stapel lässt. Er bringt die Stimmung auf den Punkt, die derzeit unter den Weidleuten nicht nur im Parchimer Land herrscht. Ihre Welle der Empörung richtet sich gegen die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft, die in jüngerer Vergangenheit nicht zum ersten Mal die Beiträge kräftig angezogen hat.

Zur Erinnerung: Genau vor einem Jahr bezeichnete der Plauer Weidmann Dr. Jürgen Gebert auf der Kreisjagdkonferenz den damals aktuellen Beitragsbescheid als unanständig und forderte seinen Landesverband zum Handeln auf. Er stellte sogar das System der Pflichtmitgliedschaft generell in Frage, u. a. mit dem Argument, dass sich heute jeder allein versichern und absichern könne, und forderte eine politische Lösung (SVZ berichtete). Doch nun kommt es für die Weidmänner und -frauen noch dicker: Die Berufsgenossenschaft hat die Beiträge im Vergleich zum Vorjahr in der Regel verdoppelt. "Das ist nicht nur unanständig, das ist sittenwidrig", reagiert Günter Markstein maßlos empört.

Wie viele andere Weidleute hat er sich sofort das Musterformular für den Widerspruch von der Internetseite seines Landesjagdverbandes heruntergeladen und unterschrieben an die Berufsgenossenschaft geschickt. Ein Entrinnen gibt es für die Jäger nicht, ein Versicherungswechsel sei nicht möglich: Für Jagdausübungsberechtigte bzw. Jagdpächter gilt eine Pflichtmitgliedschaft, die Berechnungsgrundlage für die Beiträge bildet die Hektarzahl der Jagdfläche. Absolut nicht nachvollziehen kann Markstein, warum Pächter nach Auslegung der Berufsgenossenschaft als landwirtschaftliche Unternehmer mit allen Konsequenzen eingestuft werden. "Wir üben unsere Passion aus, sind nächtelang als Feldhüter unterwegs, um die Bauern vor Wildschäden auf den Kulturen zu bewahren, zahlen für eingetretene Wildschäden, sollen das Fallwild von der Straße sammeln, müssen uns teilweise enormen Pachterhöhungen beugen, sorgen uns um gesunde und verträgliche Wildbestände, aber unternehmerisch sind wir auf keinen Fall tätig", hält er entgegen.

"Im Unterschied zu ’normalen’ Unternehmen leisten wir unsere Tätigkeiten in der Freizeit", stellt auch Jürgen Katzmann, Vorsitzender des Kreisjagdverband Parchim e. V., klar. Unabhängig davon, dass jeder Pflichtversicherte für sich selbst tätig werden müsse, wenn er mit dem Bescheid nicht einverstanden sei, habe der Kreisjagdverband bereits Widerspruch eingelegt. Dieser ist mit dem Vorstand und dem Personal des Schießplatzes in der Berufsgenossenschaft pflichtversichert. Während der Verband für 2009 noch 170 Euro hinblättern musste, stieg der Betrag für 2010 und 2011 auf jeweils 211 Euro. Für das zurückliegende Jahr soll der Parchimer Verband nun mit 552 Euro mehr als einen halben Tausender zahlen.

"Wir werden versuchen, gegen die aus unserer Sicht unverhältnismäßig hohen Belastungen der Jägdausübungsberechtigten/Jagdpächter vorzugehen", kündigte Katzmann auf der Delegiertenkonzerenz des Kreisjagdverbandes an. Der Landesjagdverband (LJV) und der Deutsche Jagdschutzverband prüfen unterdessen Musterklagen. Ein energisches Vorgehen und Kampf bis zur letzten Instanz wünscht sich auch Markstein von seinem Landesverband: "Ich hoffe, dass er über den Bundesjagdverband die sittenwidrige Praxis beträchtlicher ständiger Beitragserhöhungen höchstrichterlich prüfen lässt."

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