zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. November 2017 | 18:04 Uhr

warin : Ist Warin eine Lindenstadt?

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Beratung zum Erhalt städtischer Anlagen anno 1919.

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 17:42 Uhr

Einst säumten viele Wariner Straßen Bäume, wo sie heute einfach undenkbar wären. Oft waren es Linden. Sie gehörten zum alten Stadtbild und die Einwohner nahmen sie als solche an, mitsamt ihren fallenden Blättern und den Schatten, die sie warfen. Baumabnahmen riefen Entrüstung hervor, 1919 ganz intensiv.

So sah sich der gemeinnützige Verein genötigt, den Erhalt der städtischen Anlagen auf Punkt eins der Tagungsordnung für die Dezembersitzung 1919 zu setzen. Noch war der Ärger in der Stadt über die umfangreichen Baumfällungen 1917 auf dem Friedhof nicht verklungen, da lärmten schon wieder die Äxte, sangen die Sägen. Diesmal fiel die Lindenallee, die vor dem Mankmooser Tor (auch als Landtor bezeichnet) den Weg nach Mankmoos verschönte.

In scharfen Worten verfasste der gemeinnützige Verein eine Protestnote gegen die Abnahme von Bäumen ohne zwingenden Grund. Das rief eine Rechtfertigung der Friedhofskommission im Vorfeld der Dezembersitzung hervor. Es hätte Platz geschaffen werden müssen und man versprach Nachpflanzungen mit Flieder und die Schaffung einer schönen Anlage, die dem Muster größerer und künstlerisch angelegten Friedhöfen entsprechend solle. Das akzeptierten die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins.

Blieb die Abnahme der schönen Linden. Es schien genug Unmut zu herrschen, dass selbst der Bürgermeister als Gast zur Sitzung erschien. Bürgermeister war damals ein gewisser Sellin, der sich Doktor nannte, ohne es zu sein und auch sonst den Warinern hochgradig mehr versprach als die allgemeine Lage ermöglichte und letztlich für Warin wenig Gutes geleistet hat.

Tatsächlich waren die Angriffe der Baumfreunde scharf. Der „Dr.“ Sellin konterte geschickt. Auch er sei ein Naturfreund und die Baumabnahme habe Stadtrat Grälert unabgestimmt angeordnet. Grälert und Sellin verband wenig. Sie schienen keinen Draht zueinander zu finden. Und Grälert machte sowieso gerade eine berufliche Talfahrt durch, war als Statdtrat zwar nicht entlassen aber unbefristet beurlaubt. So taugte er als Bauernopfer. Bürgermeister Sellin versprach eine umgehende Neupflanzung von Kastanien und Linden. Und einmal in Fahrt geraten sprach Sellin von Plänen in Warin eine Waldschule zu begründen und möglichst noch eine Spielschule daran anzuschließen, um die noch nicht schulpflichtige Jugend zur Naturliebe zu erziehen. Die Bäume wurden gesetzt, stehen heute 100-jährig immer noch. Die Waldschule aber blieb eine Vision. Vielleicht gar für heute?

Auch der Amtmann von Bülow beehrte den gemeinnützigen Verein mit seinen Gedanken aus übergeordneter Sicht zum Erhalt städtischer Anlagen. Ein Bebauungsplan müsse vorgegeben werden, damit Häuser dort möglichst im „geschmackvollen Stil“ gebaut werden können. Dabei müssen die Naturschönheiten bewahrt werden, so dürfe „der schöne Blick über die Amtwiese nach dem Glammsee durch Neubauten nicht beeinträchtigt werden.“
Den schönen Blick über die Amtwiese (heute Sportplatz) gibt es heute noch, verstellt nur durch die 1927 gebaute Post. Sozusagen als Ersatz pflanzten die Wariner eine Allee zum neuen Strandbad am Großen Wariner See. Eben jene Linden, deren enge Allee und der Schlängelpfad durch sie hindurch heute eine Wariner Sehenswürdigkeit sind.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen