Personalgeschichte : „In Serie arbeiten mag ich nicht“

Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin repariert für junge Leute aus Rostock ein Erbstück – einen Wäschekorb aus den 60er/70ern..
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Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin repariert für junge Leute aus Rostock ein Erbstück – einen Wäschekorb aus den 60er/70ern..

Korbmachermeister Ralf Eggert aus Woserin liebt Vielfalt Individualität an seinem Beruf. „Meister-Dank“-Landessieger 2016.

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12. August 2016, 21:25 Uhr

Der 52-jährige Ralf Eggert aus dem 28-Seelen-Ort Woserin in der Gemeinde Borkow sitzt in seiner Werkstatt, Lindenstraße 6, an einem alten Wäschekorb. „Es ist ein Erbstück von jungen Leuten aus Rostock“, erzählt der Korbmachermeister. Eine Stunde Arbeit, sagt er beiläufig. „Für Laien ist es später nicht erkennbar, dass er repariert wurde“, so Eggert, der neben Neuem „auch viele Reparaturen macht“. Mit solch einer Reparatur könne man „kein Geld verdienen, ca. 20 bis 25 Euro wird’s sein“. Er sieht es als Kundenpflege. „Wenn dann einer was Neues gebraucht, wird er wissen, wo er es bekommen kann“, sagt der Flechtmeister, der in einem Sieben-Häuser-Flecken bei Kyritz aufwuchs. Jetzt wohnt er in Woserin – auch nicht viel größer, wenn überhaupt –, hat sich hier 2005 selbstständig gemacht.

Ralf Eggert hat in dem alten Handwerk seine Berufung gefunden. „In Serie arbeiten mag ich nicht“, bekennt er. Der Korbmacher liebt die Vielfalt und Individualität: Brotschalen, Gartenzäune, alte Möbel bis hin zu Lampen, Licht- und Kunstobjekte…

So hat er für einen Haflingerhof südlich von Parchim die Seitenwände einer Landauer-Kutsche komplett neu geflochten sowie fürs Warener Müritzeum 30x2-Meter große Zaungeflechte angefertigt. Eggert: „Es stehen dort bestimmt 100 Meter als Begrenzung zum Parkplatz. Und für ein Gasthaus in Thüringen habe ich 2008/09 eine 4,5 Meter hohe Stehlampen-Säule gemacht.“

Aktuell habe er eine „gute Auftragslage. Ich komme gar nicht hinterher. Manche warten ein Jahr. Aber das ist nicht die Regel“, betont Eggert, während er weiter am Wäschekorb arbeitet. Dabei hatte er lange nicht den Mut zum Sprung in die Selbstständigkeit. „Der Anfang war relativ leicht mit den Überbrückungsgeldern für ein Jahr. Doch dann wurde es schwer, kamen drei harte Jahre u.a. mit Hartz IV. Seit 2010/11 läuft’s“. Es brauche alles eben seine Zeit, meint der Meister rückblickend. Er habe fünf Jahre gesät, um jetzt zu ernten.

Im Herbst freut er sich auf „Hinterland“ in Mestlin, „das ist sehr hochwertig“. Zudem plant er 2017 das 1. Deutschland weite Flechtertreffen in Woserin. Und der 52-Jährige ist beim Umbau einer alten Scheune in der Woseriner Seestraße zu seinem Wohnhaus samt Schauwerkstatt und individueller Übernachtung für Kursteilnehmer. „Das ist mein Traum: eine Werkstatt in meinem Haus zu haben. Ende 2017, vielleicht ’18 wird’s fertig, keine Ahnung.“ Sagt’s und werkelt am Wäschekorb in seiner jetzigen Werkstatt, die gepachtet ist.  

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