warin : In kleinen Schritten durch 20 Jahre

Axel Holst ist stolz auf das Geschäftsjubiläum. Ein Techniker und eine Verkäuferin zur Vertretung stehen ihm zur Seite.
Axel Holst ist stolz auf das Geschäftsjubiläum. Ein Techniker und eine Verkäuferin zur Vertretung stehen ihm zur Seite.

Wariner Geschäft behauptet sich mit Verkauf und Service zwei Jahrzehnte auf hart umkämpftem Markt. Axel Holst denkt noch nicht ans Aufhören.

svz.de von
06. Dezember 2013, 16:38 Uhr

Die drei, vier fetten Jahre gleich nach der Wende, als hier beinahe überall mit Karacho die Heim- und Haustechnik auf Weststandard gebracht wurde und das Geschäft brummte, sind ihm entgangen. „Aber dadurch bin auch nicht verwöhnt worden“, sagt Axel Holst schmunzelnd. Als er in die Selbstständigkeit wechselte, „hatte sich alles ziemlich normalisiert“. Seit genau zwei Jahrzehnten besteht die Wariner Firma Grams & Holst. Gründungsdatum war der 3. Dezember 1993.

Siegfried Grams betrieb schon davor sein Fernsehgeschäft in der Langen Straße. Die Wariner kannten ihn, denn zu DDR-Zeiten erledigte er für die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) die Fernsehrepaturen in diesem Bereich. Dann blieb den Handwerkern kaum eine andere Wahl, als in den
Westen zu gehen oder sich selbstständig zu machen, blickt Holst zurück. Er arbeitete noch als Elektriker im Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL), habe aber genau zum richtigen Zeitpunkt
den Absprung geschafft. Etwa ein halbes Jahr später sei der Betrieb dicht
gemacht worden.

Grams und Holst, die sich längere Zeit kannten, wollten eine gemeinsame Firma gründen. Ihm habe zunächst der Mut gefehlt, in die Selbstständigkeit zu
gehen, gesteht Axel Holst. „Obwohl ich von Natur aus kein Problem damit hatte. Meine Vorfahren väter- und mütterlicherseits hatten Geschäfte. Als Steppke bin ich damit aufgewachsen und war oft im Laden. Aber mancher braucht eben einen kleinen Schubs“, so Holst.


Ladengeschäfte in guter Lage waren damals begehrt


Zu der Zeit seien allerdings Wariner Ladengeschäfte in guter Lage begehrt gewesen. „Wenn ein Laden frei war, konnte man gar nicht so schnell gucken, dann war der wieder belegt“, erinnert sich Holst. Kaum zu glauben für jemanden, der heute die Innenstadt sehe, die „leider recht trostlos“ geworden sei. Am Mühlentor habe es dann mit dem zweiten Geschäft geklappt. Das in der Langen Straße bot weiterhin braune Ware an. Damit sind Fernseher gemeint, vermutlich von der Farbe der früheren
Gehäuse. Holst etablierte am Mühlentor die weiße Ware – Kühlschränke, Waschmaschinen und dergleichen. Als sein Geschäftspartner erkrankte und nicht weitermachen konnte, nahm er im September 1999 auch die Fernseher in seine Obhut, der Firmenname blieb.

Der Laden am Mühlentor habe übrigens eine lange Geschichte. „Meines Wissens ist er unter Hof-Uhrmachermeister Schröder entstanden und wurde von ihm längere Zeit geführt“,
erzählt Holst. Danach hätten die Inhaber öfter gewechselt. Heute gehört ihm das Haus. „Der Kauf war eigentlich zu spät, aber die alte Dame, die hier wohnte, wollte das so.“ Inzwischen habe er
einiges umgebaut. „Es ist kein Nobelladen, doch für mich zählt mehr, wie ich mit den Kunden umgehe.“ Sein Motto laute, „alles mit Maß“ und nicht „klotzen statt kleckern“, betont der Geschäftsmann. Er sei in kleinen Schritten durch die 20 Jahre gegangen, und deshalb gebe es den Betrieb noch. So mancher habe sich an Krediten übernommen und musste aufgeben. Der Gedanke sei ihm nie gekommen. Wenn es mal weniger gut lief, habe ihm die Familie den Rücken gestärkt. Das sei eine große Hilfe gewesen. „Entweder mache ich was richtig mit Herzblut oder gar nicht“, lautet die Devise des gebürtigen Brüelers, der in seinem Elternhaus lebt.

So eine Firma sei jedoch „kein Selbstläufer“. Und reich werde er damit
bestimmt nicht, auch wenn manche Kunden das anscheinend glaubten. Diese fragten als erstes nach der Höhe des Rabatts, bevor sie überhaupt sagen, was sie kaufen wollen. Doch die Handelsspanne sei geringer als landläufig angenommen, versichert Holst. Dabei gäbe es auch kaum Unterschiede zu den Großen der Branche, die den Markt dominieren und mit den scheinbar günstigsten Preisen werben würden. Doch unter dem Strich werde es im kleinen Laden um die Ecke mitunter auch nicht teurer. „Ich kann den Kunden nur empfehlen, sich vor dem Kauf zu informieren. Hier bekommen sie den kompletten Service. Wir bringen die Ware ins Haus, schließen Fernseher oder Waschmaschine fachgerecht an und nehmen das Altgerät mit, das ist bei uns im Preis enthalten. Klar, wer sich das Gekaufte ins Auto lädt und zu Hause alles selbst macht, bekommt auch hier den Abholpreis“, sagt Axel Holst und bedauert, dass es häufig nur noch um den Preis gehe und kaum darum, was von einem Gerät erwartet werde und was es könne. Genauso gebe es aber Kunden, die sich nach 15 Jahren wieder eine Waschmaschine von dem gleichen Fabrikat kaufen und dafür gern etwas mehr Geld ausgeben, weil die vorherige stets gute Dienste geleistet habe. „Andere holen sich in der gleichen Zeit schon das dritte Gerät, weil sie nur billig gekauft haben. Ich berate gern, aber entscheiden muss natürlich der Kunde“, sagt der Wariner Geschäftsmann. „Viele wollen auch, dass ihnen geholfen wird. Sie freuen sich, dass es im Ort noch so einen Laden gibt.“ Jenen, die sich woanders ein teures Gerät gekauft haben und jetzt nur noch den vergessenen Stecker nachholen, gebe er allerdings freund-lich mit auf den Weg, dass sie den hier irgendwann nicht mehr bekommen, wenn das alle so machen würden. „Ich weiß, dass bei vielen das Geld knapp ist, aber niemand kann umsonst arbeiten“, so Holst.

Derzeit seien Fernseher etwas mehr gefragt. Mancher gönne sich zu Weihnachten ein neues Gerät. Zu anderer Zeit gehe weiße Ware besser, das sei saisonal ganz verschieden, erklärt Holst. In der zu Ende gehenden Jubiläumswoche gab es Sonderpreise und eine Tombola. Und heute zum Weihnachtsmarkt in Warin ist bis in den Nachmittag geöffnet. Axel Holst, Jahrgang 1950, hat noch viel Freude an seiner Arbeit und möchte den Kunden, „so lange es die Gesundheit erlaubt“, erhalten bleiben. Ans Aufhören denkt er jedenfalls noch nicht.

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