Brüel : In 3D durch virtuelle Gebäude

Geleitet von Schüco-Techniker Frank Müllerskowski (r.) geht der 13-jährige Schüler Dario Schnellenkamp durch virtuelle Häuser; links Ralf Schumacher, Geschäftsführer der K&S Fassaden Technik GmbH Brüel.
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Geleitet von Schüco-Techniker Frank Müllerskowski (r.) geht der 13-jährige Schüler Dario Schnellenkamp durch virtuelle Häuser; links Ralf Schumacher, Geschäftsführer der K&S Fassaden Technik GmbH Brüel.

Der dritte Berufswandertag der Regionalen Schule Brüel gibt anschaulich Einblicke in Metallbau, Gastronomie, Pflege, Land- und Forstwirtschaft.

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26. September 2017, 21:00 Uhr

Die einfache Variante führt durch einen Messestand, der Mensch mit der 3D-Brille geht jedoch keinen Schritt. Danach wird es noch spannender, als er virtuelle Gebäude betritt, darunter ein Mehrfamilienhaus. Vom Wohnungsflur geht der Blick in die Küche. Über ein Steuerungsgerät in der Hand lassen sich der Standort oder das, was die 3D-Brille vor die Augen zaubert, verändern, ohne den Fuß von der Stelle zu rühren. Per Daumen springt man in einen anderen Raum, der Zeigefinger ist zum Beispiel zuständig, dass sich das Fenster öffnet. Dann eine Schrecksekunde, unwillkürlich will man ein, zwei Schritte zurücktreten, um nicht über die Balkonbrüstung zu fallen. Das denkt man, passiert aber nicht, weil es virtuell ist – jedoch allemal täuschend echt.


Kein Bewerber für neues Ausbildungsjahr


Mit diesem so genannten Showroom soll gestern beim dritten Berufswandertag der Regionalen Schule Brüel das Interesse der Siebt- bis Zehntklässler an handwerklichen Berufen geweckt werden. „Wir sind das dritte Mal dabei und wollten es nun mal anders aufziehen, interessanter gestalten. Computer, 3D und solche Technik spricht die Jugend mehr an“, meint Ralf Schumacher, Geschäftsführer von K&S Fassaden Technik GmbH im Gewerbegebiet Brüel an der B 104. Die Metallbaufirma, die Fenster, Türen und Elemente für Glasfassaden herstellt, derzeit für ein Hotel in Travemünde und das Nordhafenquartier in Schwerin, hat 30 Mitarbeiter – und braucht Nachwuchs, wie der Chef sagt. „Wir haben drei Lehrlinge, mangels Bewerber aber keinen im
neuen Ausbildungsjahr“, so Schumacher.

Die Schüco International KG mit Hauptsitz in Bielefeld, Systemgeber und Hauptlieferant von Sechs-Meter-Aluminiumprofilen, Maschinen und Know how, unterstützt daher das Brüeler Unternehmen an diesem Aktionstag. „Wir wissen, dass der Nachwuchsmangel im deutschen Handwerk extrem hoch ist“, so Frank Müllerskowski. Er und Oliver Steinigke führen die Brüeler Schüler in die virtuelle Welt. Der Showroom zeige, dass modernste Technik und Technologie auch im Handwerk
immer mehr Einzug hielten und „nicht mehr in der dunklen Werkstatt“ stattfinde, wie Müllerskowski unterstreicht.

„Das hat mir gut gefallen, hat richtig Spaß gemacht“, sagt Dario Schnellenkamp (13) aus der 7. Klasse mit strahlenden Augen, als er die D3-Brille absetzt. Er wolle zur Bundeswehr, habe jedoch auch „am Handwerk schon Interesse“.

Partner für diesen Tag hat sich auch Gabriele Schumacher-Poschmann, Chefin vom Mecklenburger Hof, ins Haus geholt: Bauer Fruchtsaft GmbH Bad Liebenwerda und Schlossquell Güstrow. Es geht um Wasser, das „als Lebensmittel nicht wegzudenken“ sei, sagt Helmut Schwertner. Der Mensch bestehe zu 80 Prozent aus Wasser, und das müsse ständig aufgefüllt werden, „am besten mit Wasser“. Die Palette reiche von Quell- und Leitungs- bzw. Tafelwasser über Mineral- bis Heilwasser. Die Schüler erfahren auch den Unterschied von Direktsaft, Konzentrat und Nektar und können den schmecken. Ersterer liege zunehmend im Trend, sagt Bauer-Regionalverkaufsleiter Ingo Harthun. Zu Rennern hätten sich Rhabarber-, Maracuja- und Ingwer-Limetten-Schorle entwickelt. Die mit Rhabarber „geht durch die
Decke“, sagt Harthun.

Hauptziel sei, die Schüler für Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe zu interessieren, so Schumacher-Poschmann, doch gleichzeitig sollten sie Wissen für sich persönlich mitnehmen, denn ihr sei klar, „dass nicht alle in der Gastronomie anfangen“. Doch sie würde gern ausbilden, nennt den Beruf „traumhaft schön“. Er biete so viele Perspektiven, könne ins Ausland oder auf ein Kreuzfahrtschiff führen. Auch wer derzeit keine so guten Leistungen in der Schule habe und zunächst eine Ausbildung „als Teilfacharbeiter“ absolviere, habe solche Möglichkeiten, wenn er fleißig sei und weiter lerne. Lea Krause aus der 8. Klasse hat sich schon
entschieden, weil „meine Oma in der Gastronomie gearbeitet hat und ich gern Umgang mit Menschen habe“.


Bei der Warenkunde „total begeistert“


„Total begeistert war ich von der ersten Gruppe bei der Warenkunde“, sagt die Hotelchefin. Fenchel, Zucchini, Rosmarin, Süßkartoffel, Lorbeer und anderes waren auszumachen, insgesamt 15 Waren. Und bis zu 14 hätten die Schüler erkannt.

Weitere Stationen von Brüeler Schülern sind das Diakonie-Pflegeheim Am Glammsee in Warin, die Wariner Pflanzenbau eG und Ökobauer Arne Jöhnk, das Forstrevier von Frank Pfeiffer, die freiwillige Feuerwehr Brüel und der Reitverein St. Georg e.V. „Schade, dass sich diesmal nicht mehr Firmen aus Brüel beteiligten“, bedauert die stellvertretende Schulleiterin Sylke Völzow und hofft schon auf das nächste Jahr.

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