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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 08:07 Uhr

Brüel : Improvisationsmusiker im Spielrausch

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Konzert im Brüeler „Kulturknastfenster“ war einmalig gut und im Original nur einmal erlebbar.

In der Einladung hatte Theo Jörgensmann ein Konzert mit fünf Jazzmusikern, die ihre Kräfte frei fließen lassen werden, angekündigt. Bei der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer des Konzertes am vergangenem Freitag im Brüeler „Kulturknastfenster“ zauberte er noch drei Gäste aus dem Hut. Es sollte ein außerordentliches Hörerlebnis werden. Ein Abend mit Improvisationsmusikern, die sich förmlich in den Rausch spielten.

„Heute Abend“, so Theo Jörgensmann, „gebe es Improvisationsmusik zumeist in neuen Formationen, die so noch nie zusammen musiziert haben“.

Was es dann zu hören gab, war einmalig, in der ganzen Bandbreite des Wortes. Einmalig gut und im Original nur einmal erlebbar. Improvisationsmusik kommt ja ohne Noten, ohne festgeschriebenen Vorgaben daher und lebt vom Können, von den Stimmungen der Musiker, von den Inspirationen, die sie aufeinander übertragen. Bernd Oezsevim spielte sein Schlagzeugpart sehr modern, schnell, taktfest und in erstaunlicher Klangvielfalt. Nikolaus Neuser entlockte seiner Trompete neben den hoch aufsteigenden Jubeltönen auch Klangfarben, die für dieses Instrument eher ungewöhnlich sind. Bassist Hagen Stüdemann setzte in bester Spiellaune besondere Akzente. In gewohnter musikalischer Klasse und starker Präsenz gab der Kölner Geiger Albrecht Maurer seinen Spielwitz weiter. Und wie immer brillant die Klarinette der musikalischen Ordnungsmacht Theo Jörgensmann. Die Musiker spielten gemeinsam, dann Schlagzeug – Streicher – Trompete mit einem interessanten musikalischen Dialog von Geige und Trompete, so als unterhielten sie sich über das Schlagzeug, steigerten sich dabei in furiose Tempi.

Im dritten Stück musizierten Stüdemann und Jörgensmann, vertraut, gediegen und ungeheuer spannend miteinander.

Nach dem vierten gemeinsamen Stück, das von Solis der Trompete und einem fantastischen Zusammenspiel Trompete und Klarinette gekennzeichnet war, kamen die angekündigten Gäste hinzu. Ernst U. Deuker / Bassklarinette, Vollblutmusiker Reinhard Lippert / Bratsche und Regina Schulte-Amhülse / Stimme. Und was da abging, war faszinierend, war mitreißend. Ekstatisch spielten sich die Musiker in einen Rausch. War es diese unglaubliche Stimme, die scheinbar alles kann, vielleicht gar Gläser zersingen, die laut und leise modulierte und tremolierte, schrill, klar, hoch, tief, schnell, langsam war, die mit ihrem Temperament die Musik vorantrieb? Oder die hochintensive Spielweise Lipperts, der Musik lebt? Das Publikum jedenfalls war begeistert, gab lange stehende Ovationen. Noch in der nachfolgenden Gesprächsrunde, bei Wein und Knabberzeug, herrschte eine besondere Stimmung. „Wenn Improvisationsmusiker das erste Mal zusammen spielen, wird es oft besonders intensiv und gut“, meinte ein mit dem Konzert zufriedener Albrecht Maurer. Das bestätigte Theo Jörgensmann: „Die Konzentration ist einfach höher.“

Und Trompeter Nikolaus Neuser erklärte das Entstehen von Improvisationsmusik als Gespräch unter Musikern. Ach, als zum musikalischen Dialog nicht Befähigter muss man es nicht verstehen.

Es genügt das Ergebnis zu genießen, so wie es ein Zugereister bekannte: „Das war Musik für die ganz große Bühne, großartig das im kleinen Brüel zu erleben.“ Theo Jörgensmann sei gedankt.

 









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