zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. November 2017 | 09:30 Uhr

Sternberg : Immer voll: Ewige Wartezeit im Bürgerbüro

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Ursprünglich waren vier Mitarbeiterinnen angedacht – doch es blieb bei drei. Weitere Aufgaben vom Landkreis verschärfen die Situation.

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 17:33 Uhr

Angesichts des vollen Warteraums gestern im Bürgerbüro überlegt Hildegard Brockmüller kurz, ob sie besser an einem anderen Tag wiederkommt. Doch sie braucht „unbedingt einen neuen Personalausweis, der jetzige läuft demnächst ab“. Und es habe sich herumgesprochen, dass es immer ziemlich voll sein soll. Die Sternbergerin bleibt und zieht um 10.40 Uhr die Nummer 34. Ein Sitzplatz wird hoffentlich gleich frei, denkt sie und stellt sich ans Fenster. Das ist angekippt und lässt etwas frische Luft hinein.

Eine halbe Stunde vorher hätten die Wartenden bis vorn zur Tür gestanden, wird in der Runde gesagt. Er sei hereingekommen und habe das erste Mal gleich wieder kehrt gemacht, erzählt Uwe Stoffer. Für ihn wäre es zu umständlich, unverrichteter Dinge nach Hause zu fahren und es irgendwann wieder zu versuchen. Der Zaschendorfer hat zwischendurch was anderes in der Stadt erledigt und sich beim zweiten Versuch auf „ewige Wartezeit“ eingestellt. Wobei die Schlange jetzt tatsächlich etwas kürzer sei.


Statt im Auto mindestens so lange im Warteraum


Gerade vor ihm hatte sich Olaf Baier eingereiht. So richtig gehe der Andrang allerdings nicht zurück, stellt er fest, „es kommen ständig Leute nach“. Der Neu-Sternberger nimmt das Warten noch gelassen. „Ich bin vor zwei Jahren von Berlin hergezogen, dort war es viel verrückter.“

Punkt 11 Uhr leuchtet an der Tafel die 29 auf. Die hatte eine Frau aus Langen Jarchow um 9.59 Uhr gezogen. „Ich sehe das nicht so dramatisch. Die Frauen machen nur ihre Arbeit, und alles braucht seine Zeit. Das ist wie beim Arzt.“ Dennoch wäre sie nach dem Blick in den Warteraum am liebsten wieder nach Hause gefahren. Doch ihre Tochter habe das Ganze auf sich nehmen wollen, um eine Aufenthaltsbescheinigung zu bekommen und im Anschluss noch vom Standesamt Crivitz einen Auszug aus dem Geburtenregister zu holen. „Ich möchte im Mai heiraten und brauche dafür beides“, erklärt Anika Manthei lächelnd.

Sibylle Breitling aus dem gleichen Dorf will nur ein Papier nachreichen und dafür möglichst keine Stunde warten. Sie hat eine Nummer gezogen, hofft aber, das Schriftstück vielleicht doch „zwischendurch loszuwerden“.

Die „zu langen Wartezeiten“ sind für Eckardt Meyer, Leiter des Bürgerbüros, ein wunder Punkt. „Wir unterstützen ganz und gar, dass die Wege für die Bürger kürzer werden sollen. Doch ihnen ist nicht geholfen, wenn sie zwar nicht nach Parchim fahren müssen, dafür aber mindestens genauso lange bei uns im Warteraum sitzen. Wir haben verärgerte Bürger, und das kann nicht Sinn der Sache sein.“

Ursprünglich sei angedacht gewesen, so Meyer, das Kooperative Bürgerbüro von Amt und Landkreis mit vier Mitarbeiterinnen zu besetzen. Dann sei auf einmal „die Hiobsbotschaft“ gekommen, dass drei ausreichend seien und der Landkreis nur eine Stelle bezahle. Und dabei sei es geblieben. „Vorher im Einwohnermeldeamt hatten wir anderthalb Stellen. Damit kamen wir aus. Das Bürgerbüro übernahm dann vieles vom Landkreis wie Kfz-Zulassung und Führerscheinwesen“, erklärt Meyer. Das Amt sei auf zwei Vollzeitstellen gegangen, habe aber von Anfang an auf mehr Unterstützung vom Landkreis gedrungen. Zumal der immer mehr Aufgaben „nach unten delegiert“ habe, was die Situation verschärfe. Anfang dieses Jahres sind die Anträge für Jagdscheine dazu gekommen und die Ausgabe von Wildursprungsnachweisen, die jeder Jäger für jedes geschossene Wild benötige. Zudem hätten sich anfangs Probleme mit der Technik gehäuft. Das sei besser geworden, so Meyer, aber jeder, der mit Computern umgehe, wisse, dass die öfter mal hacken würden, runter- und wieder hochgefahren werden müssten. „Und das kostet Zeit.“ Aktuelles Beispiel: Gestern brauchten die neu eingeführten Scanner ewig.

Dem Landkreis seien die Probleme in Sternberger Bürgerbüro bekannt, sagte Pressesprecher Andreas Bonin gestern auf SVZ-Anfrage, „sieht aber die Stadtverwaltung gefordert“. Günter Kremer, Fachdienstleiter Bürgerservice beim Landkreis Ludwigslust-Parchim und gestern Mittag turnusmäßig in Sternberg, wird deutlicher: Im Vertrag für das Kooperative Bürgerbüro sei geregelt, dass der Landkreis eine Stelle bezahle. „Wie viele Mitarbeiterinnen hier sitzen, ist Sache des Amtes.“ Lübz mache das vor. Da jetzt erstmals „Fallzahlen vorliegen“, werde geprüft, ob nachzubessern sei. Darum soll es auch in einem Gespräch von Landrat Rolf Christiansen mit Gudrun Stein und Jochen Quandt, den Verwaltungschefs von Lübz und Sternberg, gehen, das auf Anfang Februar verschoben worden ist.

Kommentar - Schwarzer Peter?


Die Verantwortlichen in Sternberg sehen täglich, was hier los ist. Dass sie vom Landkreis mehr Unterstützung für das gemeinsam geschaffene Kooperative Bürgerbüro erwarten, ist verständlich. Der Landkreis  beruft sich auf den Vertrag, einen Arbeitsplatz  zu bezahlen. Hoffentlich wird nicht der Schwarze Peter hin- und hergeschoben, sondern schnell eine Lösung im Interesse der Bürger gefunden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen