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Kanucamp Sternberger Burg : Im Seenland neues Glück gefunden

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Andreas und Sabine Hennig gaben in Schwerin alles auf, übernahmen das Kanucamp in Sternberger Burg und beginnen nun ihre zweite Saison.

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erstellt am 09.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Ein Freund, der das Kanucamp kannte, hatte für alle mit Übernachtung gebucht. So kamen Andreas und Sabine Hennig, Freizeitpaddler und Naturfreunde, wie sie selbst sagen, 2014 das erste Mal nach Sternberger Burg. Gepaddelt hätten sie schon woanders, sich hier aber sofort in die Gegend verliebt. „Es war ein wunderschönes Wochenende“, schwärmt Sabine Hennig noch heute.

Auf dem Weg zum Einsetzen habe ihnen Eigentümer Wolfgang Klein beiläufig erzählt, dass er verkaufen wolle. „Wir haben zu Hause viel darüber gesprochen“, sagt Andreas Hennig. Sie hätten das jedoch für sich behalten und es „nochmal spannend gemacht“, mit den Kindern einfach ein Wochenende im September gebucht und erst da auf der Fahrt zur Einsetzstelle in Weitendorf Klein mitgeteilt, dass sie an dem Kanucamp interessiert seien. „Er fand das schön, weil wir zum Kanufahren und nicht nur vorbei gekommen sind, um das mit dem Kauf zu sagen“, erzählt Hennig. Dann sei alles schnell und das Anwesen zum 1. November 2014 in ihren Besitz gegangen.


Für Hauptsaison von Firma freigestellt


Die gebürtigen Schweriner machten einen Schnitt, verkauften ihr in der netten Altstadt gelegenes Fachwerkhaus mit kleinem Laden im Erdgeschoss. „Ich bin froh, dass wir alles aufgegeben haben“, sagt Sabine Hennig mir einer Zufriedenheit, die keine Zweifel lässt. „Hier habe ich einen Zwölf-Stunden-Tag, aber das ist was ganz anderes. Und man nimmt die Natur viel bewusster wahr als in der Stadt.“ Sie arbeitete in einem Discounter und kümmert sich nun mit Sohn Dave (23) um das Camp. Ihr Mann, Servicetechniker für Heizung und Sanitär in einem Schweriner Handwerksbetrieb, macht seinen Job weiter. „Das soll auch so bleiben.“ Er legt nach Feierabend und am Wochenende Hand an, in der Kanu-Hauptsaison von Juni bis August stellt ihn die Firma frei. „Nach langen Gesprächen“ habe sein Chef zugestimmt. Und „bei Alarm“ helfe auch die Tochter (27), die in Schwerin arbeitet, im Kanucamp, fügt Sabine Hennig an.

Die erste Saison sei gut gelaufen. Es habe „viel Lob von der alten Stammkundschaft“ gegeben, freut sich Andreas Hennig darüber ganz besonders. „Davor hatten wir etwas Putengang.“ Die neuen Besitzer führen das Camp weitgehend so weiter wie ihr Vorgänger, zu dem es weiter guten Kontakt gebe. „Er hat jahrelang alles so schön aufgebaut, warum sollten wir daran viel ändern“, meint Sabine Hennig. Derzeit werde lediglich manches aufgearbeitet.

Klein habe auch abgeraten, einen Fahrradverleih aufzumachen. Den hatte er selbst kurze Zeit, doch der habe Zeit und Geld gekostet, aber nichts eingebracht. Sie sollten sich lieber auf den Kanu-Verleih konzentrieren. Die Zahl der Boote, Zweier-Kanadier mit der Möglichkeit für einen zusätzlichen Sitz in der Mitte, stieg von 20 auf 26. Außerdem stehen zwei Schlauchboote für zehn bzw. acht Personen, zum Übernachten vier Drei- und zwei Vier-Mann-Hütten sowie eine Hochzeitssuite zur Verfügung. Neu ist Bogenschießen auf dem Gelände des Camps. Und ein Schild an der Straße soll es Gästen erleichtern, dorthin zu finden. Die Schrift hat der Hausherr selbst mit Hammer und Stechbeitel in das Eichenholz getrieben.

Hennigs gehen nun in ihre zweite Saison. Es sei ein Ganzjahresbetrieb, der auch Winterpaddeln anbiete, doch erst ab April steige die Gästezahl stetig an. Wobei die Vorsaison die schönste Zeit sei. Paddler seien fast allein auf dem Fluss und hätten das Glück, mehr Tiere zu sehen, weil diese noch die Ruhe im Winter gewöhnt seien. Zudem bereite der Wasserstand keinen Kummer. Hennigs gehören wie ihr Vorgänger zu den derzeit zwölf Kanuanbietern, die die freiwillige Vereinbarung unterschrieben haben, nach der die Flussabschnitte nicht befahren werden, wenn deren Pegel auf 30 Zentimeter oder weniger sinkt. Im Vorjahr sei das aber zum Glück nicht eingetreten.


Beim Anpaddeln wird Müll eingesammelt


Episoden kennen die Beiden allerdings schon aus der ersten Saison. Einem jungen Pärchen aus Chemnitz schlugen sie die Einsteigertour vor, doch es sollte die schwierigere Strecke sein von Sternberger Burg auf der Mildenitz und dann durch das Warnowdurchbruchstal. Nach zwei Stunden rief das Paar an, es sei gekentert und das Boot voll Wasser gelaufen. „Herauszufinden, wo sie sind, war schon schwierig“, sagt Andreas Hennig. „Etwa eine Viertelstunde vor Klein Raden waren sie, am Ufer in der Matsche stehend und vor Kälte zitternd.“ Auf dem Reststück gemeinsam bis zur Ausstiegsstelle habe sich dann gezeigt, dass die beiden Anfänger mit dem Steuern gar nicht zurecht kamen. „Ich glaube, das tat auch der Beziehung nicht gut, denn sie haben sich gegenseitig Vorwürfe gemacht“, so Hennig schmunzelnd.

Wenn beim Kentern etwa eine Tüte, in der Proviant war, von der Strömung mitgerissen wird und woanders am Ufer hängen bleibt, sei das verständlich. Die Paddler würden aber darauf hingewiesen, ihren Abfall mitzunehmen. Leider halte sich nicht jeder daran. Und so beteiligt sich sich Familie Hennig am 15. April wieder am Anpaddeln, wenn Naturparkverwaltung, Kanuanbieter und freiwillige Helfer Müll auf und an den Flüssen einsammeln.

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