1. Biennale des Kunsthandwerks : Im Garten der Kostbarkeiten

Biennale-Besucher vor markant gebrannter Töpferware. Im Hintergrund: „Zeitzeugen“ von Johannes Mann aus Wessin. Fotos: Horst Kamke
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Biennale-Besucher vor markant gebrannter Töpferware. Im Hintergrund: „Zeitzeugen“ von Johannes Mann aus Wessin. Fotos: Horst Kamke

1. Biennale des Kunsthandwerks im Rothener Hof eröffnet. Werkschau im Dachgeschoss des Rothener Hofes bis 2. Juli zu sehen

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02. Juni 2017, 21:00 Uhr

„Det betyden meget for mig, at opleve den indre ro, nå” jeg arbejden.“ Svend Holst – Pedersen bringt es auf den Punkt: „Es bedeutet viel für mich, die innere Ruhe zu erleben, wenn ich arbeite.“ Der dänische Kunsthandwerker lässt für seine Arbeiten auf der Insel Bornholm geschmolzenes Glas in Sandformen versickern. Eine Auswahl seiner Arbeiten präsentiert er seit gestern bei der 1. Biennale des Kunsthandwerks im Rothener Hof. Acht weitere Mitglieder der Bornholmer „Arts & Craft Association“ sind dort zu Gast, zusammen mit 15 deutschen Mitgliedern aus dem MV-Landesverband Kunsthandwerk. Über die Pfingsttage während „Kunst Offen“ ist die Werkschau im Dachgeschoss zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet, danach bis einschließlich 2. Juli von 14 bis 18 Uhr.


„Es ist heute noch wie vor 200 Jahren“


„Kunsthandwerker – selbst und ständig.“ Darauf steuerte der Schweriner Kunsthistoriker Dr. Nico Janke in seiner Einführung zur Ausstellung hin, die er als „Garten der Kostbarkeiten“ einstufte. Materialbeschaffung, Werkstattbetrieb, Präsentation, Verkauf: „Es ist heute noch wie vor 200 Jahren“. Damals seien praktische Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch wie Tassen oder Krüge künstlerisch gestaltet worden, um sich aus industriell gefertigter Massenware herauszuheben. Dekor und Design seien eingesetzt worden, um auch ästhetische Ansprüche zu befriedigen. Es wurden Kunstakademien gegründet, zuerst für Architekten, dann für Innenausstatter. Porzellanhersteller, Glasmacher, Keramiker, Maler, Korbflechter oder Schmiede hatten Hochkonjunktur. Dann habe sich der Begriff des Kunsthandwerks etwas verschlissen, sei aber über Länder wie Japan wieder zu neuer Bedeutung gelangt.


Alte Techniken und neue Wege


Mit der Biennale greift der Landesverband Kunsthandwerk eine Veranstaltungsreihe auf, die zuvor in dreijähriger Abfolge erfolgreich war. Kurzerhand wurde die Ausstellung zur Jubiläumsfeier anlässlich seines 25-jährigen Bestehens erklärt. Mit der Emaille von Stefan Albrecht (Eickhof) und den para-poetischen Unikatbüchern von Heidrun Klimmey (Bad Doberan) sind die Arbeiten von zwei frisch gebackenen Verbandsmitgliedern zu sehen. Auch von ihnen hatte die Landesvorsitzende Takwe Kaenders (Rothen) Stellungnahmen über ihr Dasein als Kunsthandwerker erbeten. Reine Freude sei es, so Heidrun Klimmey, in sich künstlerische Kraft zu entwickeln. Ihn fasziniere es, ergänzte Stefan Albrecht, alte Techniken zu meistern und dabei neue Wege zu gehen. Sämtliche Teilnehmer der 1. Biennale werden ausführlich in einem Katalog vorgestellt, den Burkhard Dube gestaltet hat.

Die nächste Biennale soll in zwei Jahren laut Takwe Kaenders im Holstein-Haus in Schwerin stattfinden – in der Hoffnung, dafür weitere Aussteller aus dem Kunsthandwerk des norddeutschen Raums zu gewinnen.

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