Gustävel : Im ersten Anlauf Einsatz verpasst

Beim Erstangriff unter schwerem Atemschutz René Buchholz und Tobias Wolf von der Freiwilligen Feuerwehr Wendorf. Vorsichtig nähern sie sich der innen völlig verrauchten Werkstatt, aus der eine vermisste Person zu retten ist.  Fotos: Rüdiger Rump
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Beim Erstangriff unter schwerem Atemschutz René Buchholz und Tobias Wolf von der Freiwilligen Feuerwehr Wendorf. Vorsichtig nähern sie sich der innen völlig verrauchten Werkstatt, aus der eine vermisste Person zu retten ist. Fotos: Rüdiger Rump

Vier freiwillige Feuerwehren rücken zur Übung in Gustävel aus. Lodernde Flammen irritieren zuerst, doch nach einem holprigen Start läuft alles wie am Schnürchen.

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19. November 2014, 17:41 Uhr

Um 17.55 Uhr ertönen am Dienstag die Sirenen. Die freiwilligen Feuerwehren (FFw) Gustävel, Wendorf, Brüel und Zahrensdorf-Langen Jarchow werden alarmiert: Brand in einem Werkstattgebäude der Agrargenossenschaft (SVZ berichtete). Eine Person soll sich darin aufgehalten haben und muss gerettet werden. Es ist eine Einsatzübung, erfahren die Feuerwehrleute, als sie ausrücken. Amtswehrführer Olaf Schröder aus Kobrow hat mehrere Rauchbomben gezündet, die den Raum rasch vernebeln. Ein Dummy war bereits platziert. Hinter der dunklen Halle steht ein Holzstapel in Flammen. Dann verständigt Schröder die Leitstelle.


Rettung der vermissten Person an erster Stelle


Nach wenigen Minuten taucht das erste Blaulicht auf, die FFw Gustävel, die den kürzesten Weg hat. Doch was passiert da? Das Fahrzeug rauscht vorbei. „Das geht ja gut los“, sagt der Amtswehrführer mehr zu sich selbst. „Die fahren bestimmt hinten herum zu dem Feuer“, vermutet sein Stellvertreter Horst Reimers aus Sternberg. Olaf Schröder, der die gelbe Weste des Einsatzleiters trägt, will den Gustäveler Gruppenführer über Funk erreichen. Der habe eine eigene Frequenz, meldet sich aber nicht. Über den so genannten Einsatzstellenfunk klappt es dann. Die Truppe wird auf den Werkstatthof beordert, denn die Rettung der vermissten Person steht an erster Stelle. „Wir haben das Feuer gesehen“, begründet Gruppenführer Patrick Heuer den Umweg. Das könne passieren, die lodernden Flammen draußen hätten natürlich irritiert, bleibt Olaf Schröder
gelassen. „Das ist eine Kopfsache. Sie haben das Feuer gesehen und wollen Menschen retten, das ist ganz normal. Zudem stellt sich heraus, dass der Einsatzort nicht präzise übermittelt wurde. Aber da Gustävel keine Atemschutzträger hat, hätte von der Truppe ohnehin niemand in die verrauchte Werkstatt gehen dürfen. Sonst wäre es kritisch gewesen, dass wertvolle Zeit verloren ging, räumt der Amtswehrführer nachdenklich ein.

Die heimische Wehr erhält den Befehl, vom Löschteich eine Schlauchleitung zu legen. „Eine B-Länge reicht, ihr müsst nicht komplett aufbauen, nur einmal Wasser holen, um zu prüfen, ob die Pumpe läuft“, wirft Reimers ein. „Wir haben auch eine Zisterne auf dem Berg, die ist bis oben voll und auch in der Nähe“, nennt der Gruppenführer eine weitere Möglichkeit. Doch es geht zum Löschteich.

Längst ist die FFw Wendorf eingetroffen. Sie stellt mit René Buchholz und Tobias Wolf den ersten Angriffstrupp unter schwerem Atemschutz. „Sind dort gefährliche Stoffe?“, fragt Wehrführer Mathias Hirsch kurz. „Nein, ein verrauchter Raum und eine vermisste Person“, kommt die ebenso knappe Antwort vom Einsatzleiter. Der Angriffstrupp arbeitet sich auf den Knien vorsichtig voran. „Völlig richtig, unten ist mehr Sauerstoff, weil der Rauch hoch zieht“, erklärt Hirsch. Brigitta Kornalewski protokolliert die Zeit, in der die Atemschutzträger im Gebäude sind, denn deren Sicherheit darf keinesfalls gefährdet werden.

Zur Unterstützung kleinerer Wehren wie Gustävel und Wendorf, die aus der gleichen Gemeinde kommen, wird stets eine größere alarmiert, das ist hier die FFw Brüel. Die FFw Zahrensdorf-Langen-Jarchow wird auf die andere Seite des Gebäudes geschickt, um dort das offene Feuer zu löschen. „Wir haben 600 Liter Wasser an Bord. Das ist zwar wenig im Vergleich, reicht hier aber völlig aus, auch bei Wohnungsbränden und anderen kleinen Dingen“, erklärt Wehrführer Horst Rausch. Er sei, als der Alarm kam, noch beruflich unterwegs gewesen. „Ich war beim zweiten Maschinisten und habe ihn gleich mitgenommen“, so der selbstständige Versicherungsmakler.


Mit Einsatzübungen dieses Jahr durch


Um 18.45 Uhr ist die Übung beendet. Nach dem holprigen Start sei es wie am Schnürchen gelaufen, meint der Amtswehrführer. Die anfänglichen Sorgenfalten haben sich sichtlich geglättet. „Wir wollen
Defizite feststellen. Es gab dieses Jahr nur wenige größere Einsätze. Umso wichtiger ist es zu üben. Das verlangen die Wehrführer immer wieder“, so Schröder. „Nach den Einsatzübungen in Bolz und Sternberg sind wir dieses Jahr im Amt durch.“ Er habe aber keine Illusionen: Wenn die Übung am nächsten Tag um 10 Uhr stattfinden würde, wäre nur die Hälfte der Leute vor Ort.

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