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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Dezember 2017 | 21:39 Uhr

Sternberg : Im Einsatz – bevor was passiert

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Polizeioberkommissar Karsten Löwe ist der neue Kontaktbeamte für Sternberg, die Ortsteile und mehrere Gemeinden.

von
erstellt am 29.Feb.2016 | 22:13 Uhr

Erst Mitte voriger Woche wieder ein versuchter Enkeltrick in Brüel. Zwei, drei waren es in diesem Jahr schon hier in der Region, sagt Polizeioberkommissar Karsten Löwe. Zum Glück seien alle fehlgeschlagen, weil die Betroffenen umsichtig reagiert hätten. Die Stimme, aber auch der Grund, wofür der angebliche Enkel das Geld brauchte, seien ihnen fremd vorgekommen. Bei dem Fall, den er aufgenommen habe, sei es um sage und schreibe 25 000 Euro gegangen.

Heute auf den Tag genau zwei Monate hat Löwe einen neuen Posten im Polizeirevier Sternberg: Als Kontaktbeamter ist er direkter Ansprechpartner für Bürger, Gewerbetreibende, Vereine, Gemeinden und Amt, wenn im Alltag die Polizei gefragt ist, besonders in Sachen Prävention, bei Fragen zu Ordnung und Sicherheit, aber auch kleineren Delikten, die nicht als Straftaten gelten. Letztere wie auch Verkehrsunfälle oder -kontrollen werden in der Regel von den Beamten der vier im Schichtsystem tätigen Dienstgruppen aufgenommen und bearbeitet. Der Kontakt zu den Zuwanderern, so die polizeiliche Bezeichnung, in Sternberg und Dabel gehöre aktuell ebenfalls zu den Aufgaben. „Das läuft bisher gut.“


Von Verkehrserziehung bis zu Tipps für Senioren


Löwes Bereich umfasst Sternberg samt Ortsteile sowie die Gemeinden Borkow, Dabel, Hohen Pritz, Kobrow, Mustin und Witzin. Sein Kollege Wolfgang Rudat in Brüel deckt den anderen Teil des Amtsbereiches bis Weberin und dann bis an das Ostufer des Schweriner Sees mit Görslow, Flessenow und Rampe ab.

Es sei immer sein Ziel gewesen, Kontaktbeamter zu werden. Dieser sei noch näher dran an den Menschen in der Region, sagt der Polizeioberkommissar. Und er habe keinen Schichtdienst mehr. Löwe sei „der richtige Mann am richtigen Ort“, findet Revierleiterin Kathrin Mach.

Er betreut unter anderem Schulen und Kindertagesstätten etwa in Verkehrserziehung und Prävention. Letzteres sei auch für ältere Menschen immer ein Thema, wie das Verhalten beim Enkeltrick oder wenn Fremde an der Haustür klingeln. Darum gehe es, wenn Löwe zusammen mit seiner Chefin am 14. März um 9 Uhr auf Einladung des Sternberger Seniorenbeirates im Pfarrhaus zu Gast ist. Ansonsten ist der Kontaktbeamte wochentags von 7 bis 15.30 Uhr im Polizeirevier oder nach telefonischer Absprache erreichbar. Er sei viel lieber im Einsatz, bevor was passiert.

„Ein Kind der Region“, in Brüel aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat er 1986 seine Kochlehre im damaligen Sternberger Kreiskulturhaus, „das beste Haus am Platz“,abgeschlossen, erzählt der 48-Jährige. Er wäre gern geblieben, aber das Haus habe nur ausgebildet und die Absolventen dann auf die HO-Gaststätten verteilt. So kam der junge Koch in den Mecklenburger Hof in Brüel, blieb dort bis Ende 1987. Dann rief die Nationale Volksarmee (NVA). Löwe wurde Soldat auf Zeit, Küchenleiter im Wehrbezirkskommando in Rostock, nach der Wende von der Bundeswehr übernommen und nach Dabel versetzt. Inzwischen
hat er geheiratet (1988) und kamen beide Töchter zur Welt. Kuriosum: Beide am gleichen Datum und somit auf den Tag genau drei Jahre auseinander.

Als 2001 die zwölf Jahre als Soldat auf Zeit um waren, bewarb sich Löwe bei der Polizei. „Ich musste das Auswahlverfahren wie alle anderen durchlaufen, mit jungen Spunten zwischen 16 und 18 Jahren mithalten. Ich war da schon Mitte 30 und der Älteste.“ Zwei Jahre dauerte die Ausbildung im mittleren Dienst, dann machte der Brüeler bis 2008 Streifendienst, bevor er wiederum an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow ein Studium für den gehobenen Dienst absolvierte und dann Dienstgruppenleiter wurde. Nun im Vier-Schicht-Dienst, hängte Löwe die Fußballschuhe, die er jahrelang beim Brüeler SV geschnürt hatte, an den Nagel. „Es ging zeitlich einfach nicht mehr.“ Seine zweite Leidenschaft in der Freizeit, das Angeln, das er seit der Kindheit betreibt, hat er sich bis heute bewahrt. Löwe ist Vorsitzender des Angelvereins „Roter See“.

Sein schlimmster Einsatz als Polizist war ein Verkehrsunfall, bei dem die Tochter eines Bekannten im Auto verbrannte. „Man kennt die Leute gut, das war die Hölle. Damit hatte ich lange zu kämpfen“, sagt der 48-Jährige mit ernster Miene.

Schmunzelnd erinnert er sich dagegen an eine kuriose Hilfeleistung, „als wir zwei Betrunkene vom Sternberger See holten“. Deren Boot sei die ganze Zeit im Kreis gefahren, weil einer über Bord gegangen war und sich von außen festhielt, so dass der andere nicht klar kam. Er habe sich mit einem Kollegen Unterstützung beim Seglerverein geholt. „Wir sind mit einem Motorboot rausgefahren und haben die Beiden an Land gezogen. Die waren nicht aggressiv, sondern einfach angetrunken und lustig – und am Ende dankbar.“


In Einsatzgruppe für Hansa-Heimspiele


Schichtdienst hat Löwe nicht mehr, in der „Einsatzgruppe für besondere Lagen“ der Polizeiinspektion Ludwigslust ist er aber weiterhin und damit Gruppenführer der zehn Beamten aus dem Sternberger Revier. Sie werden für Heimspiele von Hansa Rostock oder etwa bei MVgida-Aufmärschen angefordert. Dass bei einem Fußballspiel so viel Polizeipräsenz nötig sei, finde er traurig, doch einige Unbelehrbare hätten mit dem Geschehen auf dem Rasen kaum was am Hut und wollten nur Stunk machen. Das ärgert ihn als ehemaligen Fußballer und als Polizisten gleichermaßen.

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