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Bungalowsiedlung in Sternberg : Idyllisches Ferienhaus vor dem Abriss

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Streit zwischen Grundstückspächter und Besitzer eines Ferienhauses in Sternberg. Das steht nach einem Gerichtsbeschluss vor dem Abriss.

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erstellt am 06.Okt.2012 | 03:35 Uhr

Sternberg | Bewohnt war das idyllisch gelegene Ferienhaus in der Siedlung am Luckower See dem Anschein nach länger nicht. Fensterrollos sind heruntergezogen, die Gehölze auf dem Grundstück konnten offenbar ungehindert wachsen und verbergen zu einem großen Teil den sichtlich vergrößerten und mit Holz verkleideten Bungalow. So wirkt das ganze Anwesen weniger freundlich als zu seiner besten Zeit. Dem vor Jahren modernisierten Urlaubsdomizil droht der Abriss. Dabei sei das Bad im Haus vom Feinsten eingerichtet, wissen Bungalow-Besitzer aus der Nachbarschaft, die einmal hin einäugen durften. Dagegen wirkten ihre Häuschen überaus bescheiden, sagen sie. Entstanden sind alle zu DDR-Zeiten in dieser kleinen Siedlung auf dem Campingplatz. Unterschiedlichste Betriebe ermöglichten hier ihren Beschäftigten schöne Urlaubstage im Grünen und gleich am Wasser.

Nach der Wende gab es manche Betriebe nicht mehr, andere wurden zur GmbH. An diese oder an die Treuhand fielen die Ferienunterkünfte, erinnert sich Bürgermeister Jochen Quandt. Meist nur einfach ausgestattet, schwand das Interesse daran, für eine Reihe von Bungalows fanden sich jedoch private Kaufinteressenten. Die Stadt, die den Campingplatz betrieben hatte, vergab Fläche und Gebäude, darunter auch die eigenen Bungalows, 1992 an zwei Pächter, erklärt der Bürgermeister. Ausgenommen waren 30 Bungalows, die "ohne Zutun der Stadt" den Besitzer gewechselt hatten, später einige auch mehrmals. 1995 sei der heutige Betreiber Heiko Thomä Alleinpächter geworden. Die

Untervermietung war von Anfang an geregelt, betont Quandt.

Zu den damaligen Käufern eines Bungalows gehörte 1993 der Sternberger Thomas Gerhardt. Den hat er in den Jahren darauf "zu einem zeitgemäßen Ferienhaus umgebaut", um ihn an Urlaubsgäste zu vermieten. Er sei deshalb an einer möglichst langen Laufzeit des Vertrages interessiert gewesen. Nach seinem Bekunden sei ihm die auch zugesagt worden. Und die im Vertrag enthaltene Räumungsklausel solle lediglich für Dauercamper gelten, nicht aber für Bungalowbesitzer, habe es damals geheißen, beteuert Gerhardt. Nur - belegen konnte er das nie. Die Zahlung eines höheren Pachtzinses wie bei Dauercampern verweigerte er. Die gegenteiligen Positionen verhärteten sich offenbar zunehmend.

Führende Vertreter der Stadt hätten versucht zu vermitteln, sagt der Bürgermeister, "weniger aus rechtlicher Posi tion, sondern aus menschlicher Sicht". Das Grundstück gehöre zwar weiterhin der Stadt, doch hier gehe es um das Rechtsverhältnis zwischen dem langfristigen Pächter des Campingplatzes und den Dauercampern. Er selbst sehe übrigens heute wie damals keinen Unterschied zwischen Bungalowbesitzern und Dauercampern. "Ich bedaure, dass solche Situation entstanden ist. Ein Abriss des Ferienhauses wäre meiner Meinung nach unverhältnismäßig", sagt Jochen Quandt noch. Doch damit scheint sich Thomas Gerhardt halbwegs abgefunden zu haben, selbst wenn es innerlich noch mächtig weh tue. Der Besitzer des Ferienhauses räumt ein, vor Gericht verloren zu haben, so dass am Abriss wohl nichts mehr zu ändern wäre. Die Räumungsklausel in dem von ihm damals unterschriebenen Vertrag habe aus seiner Sicht den Ausschlag gegeben.

Dass der Ausbau des alten Bungalows seinerzeit ohne Genehmigung erfolgt sei, spiele keinerlei Rolle mehr, sagt Gerhardt auf Nachfrage. In der damaligen Aufbruchstimmung sei er sicher nicht der Einzige gewesen, der so vorgegangen sei. Natürlich habe es im Nachhinein Ärger mit der Baubehörde gegeben. Er musste die gesamten Unterlagen, die für so ein Vorhaben verlangt werden, nachreichen, erzählt der Sternberger. Er habe zwar keine nachträgliche Genehmigung erhalten, weil die Arbeiten bereits abgeschlossen waren, doch auf diese Weise sei die Sache erledigt gewesen.

Der Pächter des Campingplatzes will sich zu diesem "Reizthema" nicht öffentlich äußern. Das sei eine privatrechtliche Angelegenheit zwischen ihm und dem Besitzer des Ferienhauses, sagt Heiko Thomä.

Der Gerichtsbeschluss zur Räumung der Parzelle sollte nach Angaben von Thomas Gerhardt im März diesen Jahres vollstreckt werden. Da die Abbrucharbeiten dann aber in die Campingplatzsaison gefallen wären, sei die Vollstreckung in den November 2012 verlegt worden. An die Rettung seines Ferienhauses glaubt Gerhardt nicht mehr.

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