Dabeler Schmiedemeister Hecht : „Ich fühle mich im Stich gelassen“

An der Bandsägemaschine:  Hassan Mousa aus Afghanistan mit dem Dabeler Metallbaumeister Joachim Hecht.
An der Bandsägemaschine: Hassan Mousa aus Afghanistan mit dem Dabeler Metallbaumeister Joachim Hecht.

Metallbaumeister Joachim Hecht gibt Afghanen Hassan Mousa als „gelebte Integration“ eine Chance und ärgert sich über die Politik

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05. April 2018, 05:00 Uhr

„Metallbau ist schwarz, schwer und dreckig – auch heute noch.“ Metallbau- und Schmiedemeister Joachim Hecht aus Dabel redet nicht groß herum. So ist es nun mal. Andererseits ist Stahl alles in der Wirtschaft.

Sein letzter Auszubildender, Alexander Lüth lernte 2014 aus, ist jetzt als Geselle tätig. Seitdem sucht Joachim Hecht, seit fünf Jahren Obermeister der Metallbauinnung Westmecklenburg-Süd, nach einem Lehrling. 2015 brach ein deutscher Auszubildender nach elf Wochen die Lehre ab. „Keiner will mehr ein Handwerk erlernen, ob Metallbau, Tischler oder sonst etwas“, weiß Meister Hecht.

Beim lockeren Plausch mit dem Dabeler Künstler Eckhardt Erbguth meinte dieser, er wüsste einen, erzählt der Metallbaumeister. Hassan Mousa. Heute 23, war er mit Zwölf aus der zentralafghanischen Provinz Ghor zusammen mit seinem Geschwistern und Cousins vor den Taliban geflohen. Über den Iran ging es in die Türkei, wo Hassan acht Jahre lang war, illegal in einer Schuhfabrik arbeitet. „Legale Arbeit für Flüchtlinge gibt es in der Türkei nicht“, betont der Afghane, schon gut Deutsch sprechend. „Wobei Deutsch viel schwerer als Türkisch ist, das lernte ich in einem Jahr.“ Mit der Flüchtlingswelle kamen er und seine Schwester mit Familie nach Deutschland. Sie wohnt in Schwerin, Hassan kam für acht Monate im Landschulheim Dabel unter und ist jetzt in Parchim gemeldet.

Doch die Woche über wohnt Hassan Mousa seit Jahresbeginn bei den Hechts in Dabel, da zum Arbeitsbeginn 7 Uhr ihn kein Bus aus der Kreisstadt bringen könnte. Mit seiner Frau Marlies war Meister Hecht schnell einig: „Wir haben Platz, ob einer mehr am Tisch sitzt…“. Für Joachim Hecht ist das „gelebte Integration“. Der Dabeler, ein Mann klarer Worte, hat mit Hassan Mousa gleich geklärt: Hier gelten deutsche Normen, die deutsche Ordnung. Gegessen wird gemeinsam und was auf den Tisch kommt. Ausnahme Schweinefleisch, das Moslems nicht essen. Dann bekommt Hassan Lamm oder Rind.

Zuerst testete er ihn in einem einmonatigem Praktikum. Seit Jahresbeginn und noch bis 31. August besteht der so genannte IQ-Vertrag zur Einstiegsqualifikation. Die Berufsschule ist dafür in Hagenow, das Praktische bei Meister Hecht. „Der beste Freund des Lehrlings ist die Säge“, verkündet Meister Hecht und bescheinigt Hassan „wirkliches Interesse an der Arbeit. Er macht sich top“.

Der 23-jährige hat bis Ende August einen Duldungsstatus. Die Ausländerbehörde verlangt bis dahin eine Geburtsurkunde oder einen afghanischen Pass. Beides hat Hassan nicht. Meister Hecht fuhr mit ihm zur afghanischen Botschaft in Berlin, „es war ein Flop, umsonst“. Hassans Schwester versucht es nun über Kontakte in der Heimat…

Meister Hecht versteht die Politik nicht. „Ich fühle mich im Stich gelassen.“ Kein Einzelfall… Er berichtet von seinem Landesobermeister Metall, Uwe Stieblich aus Güstrow. „Der hatte fünf Ukrainer, Top-Leute, die arbeiteten fast zwei Jahre lang mit einer Arbeitserlaubnis bei Stieblich. Und wurden dann Hals über Kopf abgeschoben“, versteht Meister Hecht die Welt nicht mehr. Er erwartet von den Behörden, „dass sie für uns da sind, die bereit sind, was zu machen in Sachen Integration.“

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