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Große Stallanlage an der B104 bei Keez geplant : Holländer investieren im Seenland

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Die holländische Familie Pon, Besitzer eines international tätigen Konzerns mit 11 000 Mitarbeitern, investiert in die Landwirtschaft im Sternberger Seenland. An der B 104 bei Keez soll eine große Stallanlage entstehen.

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erstellt am 16.Okt.2012 | 12:33 Uhr

Brüel | Die holländische Familie Pon, Besitzer eines international tätigen Konzerns mit 11 000 Mitarbeitern, investiert in die Landwirtschaft im Sternberger Seenland. An der Bundesstraße 104 bei Keez soll eine große Stallanlage und mit ihr bis zu 25 neue Arbeitsplätze entstehen. Das Projekt beinhaltet einen 362 Meter langen Stall, in dem rund 2200 Milchkühe Platz finden. Das Melkhaus wird auf 60 Plätze ausgelegt. Gedacht ist das Areal zusätzlich für ca. 170 hochtragende Färsen. Und für 500 bis 600 Kälber, für die zwei Ställe vorgesehen sind. Integriert sein soll in das Projekt auch eine Biogasanlage, die ausschließlich mit Gülle und Restfutter betrieben wird.

Entstehen soll die geplante, allerdings noch nicht genehmigte Anlage auf Flächen vom Agrarhof Brüel. Diesen Betrieb hatte Familie Pon im Frühjahr diesen Jahres übernommen.

"Es standen große Investitionen an", sagt Agrarhofchef Dietmar Schulz. So der Landkauf von der BVVG. 20 000 Euro für einen Hektar wurden gefordert. Um das zu stemmen, brauchten die Brüeler einen Partner. Die rund zwei Dutzend Genossenschaftsmitglieder entschieden sich einstimmig, ihre Anteile an die holländische Familie zu verkaufen. Die ist durch den Landwirtschaftsbetrieb Kuhpon in Kaarz seit langem ein Nachbar vom Agrarhof.

Fanja Pon betreibt seit 1992 das Landwirtschaftsunternehmen in Kaarz, das sich zwischenzeitlich ausgedehnt hat. Erst vor wenigen Jahren hatte die Familie auch einen Landwirtschaftsbetrieb in Groß Raden erworben.

Mit den Brüelern sei sie in ihren Erinnerungen bereits seit 17 Jahren in Verhandlungen, blickt Fanja Pon zurück. Ihr Eindruck von der Anfangszeit: "Ich glaube, die Brüeler haben uns immer ausgelacht." Als die Holländer vor zwei Jahrzehnten nach Kaarz kamen, brachten sie Technik aus der Heimat mit. Die war allerdings für extrem gerade Gelände entwickelt und eben nicht für eine hügelige Region. "Unser frei hängender Düngerstreuer war nach einem Jahr Schrott." Ganz schnell kam Fanja Pon dann nach eigenen Worten zu der Erkenntnis, dass es schlauer ist, beim Nachbarn Agrarhof Brüel zu schauen, welche Technik er einsetzt. "Wir haben uns immer gut verstanden", sagt Fanja Pon. Relativ früh habe man auch damit begonnen, die Erntefeste der Beschäftigten gemeinsam zu feiern.

Die extrem hohen Grundstückspreise, die letztlich die Brüeler Landwirte zum Verkauf an den holländischen Nachbarn bewogen, seien ein "Problem von 80 Prozent der Landwirte", so Fanja Pon. Dass die landwirtschaftlichen Flächen europaweit zum Verkauf ausgeschrieben werden, sei ein "risikovolles Spiel". Denn die Gefahr bestehe, dass die Bauern an die falschen Partner geraten und möglicherweise gezwungen sind, ihren Betrieb umzustrukturieren. Dass Pon im Zusammenhang mit dem Erwerb vom Agrarhof Land gekauft hat, passierte in der Absicht, dass der Betrieb in der Zukunft tragfähig ist. Was derzeit für Acker verlangt wird, könne ein Landwirt nicht zurückgewinnen, erklärt Fanja Pon. "Das sind Quatschpreise." Wenn Familie Pon zu diesen Preisen kaufe, dann eher mit Blick auf die Enkel und Urenkel. "Wir bauen Betriebe", sagt die Investorin, "wir bauen Arbeitsplätze... Wir sind ernsthaft interessiert, dass es besser wird und nicht schlechter."

Auch wenn die Pon-Holding heute weltweit in über 250 Branchen tätig ist, erklärt Fanja Pon: "Wir sind in erster Linie Landwirte." Ihr Vater habe eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, als Ackerbauer auf einem Bauernhof in Holland angefangen und zunächst Kartoffeln angebaut. Da die Ernte sehr wetterabhängig war, schuf er sich eine konstantere Einnahmequelle mit der Milchviehhaltung. "Da kommt jeden Monat etwas raus", so Fanja Pon. Sie selbst, die auf dem Hof aufwuchs, hatte früh den Kontakt zu Kühen und Kälbchen. Und sie ist überzeugt von der Branche - trotz der schwankenden Milchpreise, die derzeit vielen Landwirten das Leben schwer macht.

"Die Leute bleiben immer Milchtrinker", erklärt Fanja Pon zur geplanten Investition der Familie in die große Stallanlage in Keez. "Die Weltbevölkerung wächst." Und es werden auch neue Techniken entwickelt, um das Produkt zum Verbraucher zu bringen. Auch meint sie, Pon liege bei den Kosten bei der Milchproduktion unter dem Durchschnitt.

Der Neubau in Keez steht zugleich für eine Umorientierung in der Mecklenburger Milchproduktion von Pon, die diese effizienter machen soll. Die Holstein-Frisian-Kühe werden durch eine andere Rasse, die Jerseys, abgelöst. Die kleineren braunen Kühe geben zwar weniger Milch als die größeren schwarz-weißen. Dafür hat diese Milch aber einen höheren Fett- und Eiweißgehalt und lässt sich für die Käseproduktion vermarkten. Auch in anderen Ställen der Firma stehen künftig nur noch die Braunen. In Kaarz und Langen Brütz sollen Jungrinder der Rasse aufgezogen werden. Die geplante neue Stallanlage in Keez werde viel "Kuhkomfort" haben, so Dietmar Schulz. Jede Kuh bekomme ihren eigenen Liege- und ihren eigenen Futterplatz. Schulz: "Nur Kühe, die sich wohl fühlen, geben viel Milch."

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