Bundesverdienstkreuz Kloster Tempzin : Hohe Ehrung für ihr Lebenswerk

Das Ehepaar Magdalene (1. Reihe l.) und Pastor Joachim Anders (3. Reihe r.) in mitten von Teilnehmern einer Ora-et-labora-Woche in Tempzin. Doris Mertke (2. Reihe l.) leitet jetzt das Kloster.
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Das Ehepaar Magdalene (1. Reihe l.) und Pastor Joachim Anders (3. Reihe r.) in mitten von Teilnehmern einer Ora-et-labora-Woche in Tempzin. Doris Mertke (2. Reihe l.) leitet jetzt das Kloster.

Magdalene und Pastor Joachim Anders erhalten morgen das Bundesverdienstkreuz am Bande

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15. Februar 2017, 20:45 Uhr

Magdalene und Pastor Joachim Anders werden morgen in der Schweriner Staatskanzlei mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr ehrenamtliches Wirken beim Aufbau und der Weiterführung von Kloster Tempzin geehrt. Pilger, die sich über viele Jahre gemeinsam mit dem Ehepaar Anders engagiert haben, reichten den Vorschlag ein.

Mit Pilgern hat auch für sie in Tempzin alles begonnen, sagen Magdalene und Pastor Joachim Anders. „1993/94 sagten Pilger uns, dass es ja immer schön sei, aufzubrechen. Aber sie fragten uns auch, ob wir nicht einen Ort suchen können, wo wir uns treffen und den wir gemeinsam aufbauen könnten, quasi eine geistliche Heimat für Pilger“, erinnert sich Magdalene Anders.

Der Verein „Pilgerherberge Kloster Tempzin“ wurde 1994 gegründet. Zuerst kaufte der Verein das Gutspächterhaus von ca. 1880, dann das gotische Warmhaus von 1496, das für die Mutterkornvergifteten des Mittelalters gebaut wurde. „Es steht seit mehr als 500 Jahren an dieser Stelle. Es wäre schön, wenn es in Zukunft den Menschen in den Leiden unserer Zeit dienen könnte“, schrieb in den 1990er-Jahren eine Pilgerin.

Nach und nach wurden die Gebäude restauriert und so das 800 Jahre alte Antoniter-Kloster, gegründet 1222, wieder aufgebaut. Joachim Anders: „Die Antoniter waren der bekannteste und der erfolgreichste Heilungsorden des Mittelalters. Als uns das bewusst wurde, haben wir uns gefragt, welche Aufgabe für uns daraus erwächst. Diese Frage führte uns 2000 zu den Gottesdiensten ,Segnen & Heilwerden‘. An diesem Ort in Tempzin ist noch vieles in Ruhe und Stille möglich.“

Ausblick vom Glockenturm der Klosterkirche, links das Warmhaus.
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Das Pilger-Kloster Tempzin
 

Unermüdlich, auch in der Gewissheit, dass sie es mit dem Verein und vielen Freunden schaffen, beendeten Anders die eine Bauphase und begannen bald eine nächste zur Sanierung des Warmhauses. Denn das Vorhaben war gewaltig: Engagierte entkernten in Eigenleistung das Gebäude, rissen Decken und Fußböden heraus, legten das Fundament frei. Fachleute bauten die tragenden Balken und die Holzfußböden in vier Etagen wieder ein. Als 2004 der Innenraum im Erdgeschoss mit Fenstern, Türen, Heizung und Fußboden fertig war, konnten auch Veranstaltungen stattfinden. 2010 bis 2013 wurden Dachstuhl und Dach erneuert, die gesamte Spitze des Westgiebels neu aufgemauert, Fassade und Stützpfeilern saniert.

Mehr als 1,4 Millionen Euro sind innerhalb von zwei Jahrzehnten und acht Bauphasen in den Baukörper geflossen. In den Anfangsjahren unterstützte besonders die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Projekt, auch das Landesamt für Denkmalpflege, das Land und die EU gehörten zu den Gebern. Joachim Anders weiß, dass viele tausend ehrenamtliche Arbeitsstunden noch dazu kamen. Und die Eigenmittel, ca. ein Viertel der Kosten, die der Verein in jeder Bauphase aufbringen musste, stammen ausschließlich aus Spenden.

Dann endlich, Ende 2013, begann der Innenausbau. Im ersten und zweiten Obergeschoss entstanden zehn kleine Gästezimmer und ein Sanitärtrakt. Damit sei man dem eigentlichen Ziel, das Gebäude für Menschen, die einkehren möchten, zu nutzen, ein gutes Stück näher gekommen, so Pastor Anders. Er habe das Warmhaus immer auch als „Haus der Gastfreundschaft gesehen und erlebt, das Pilgern und Einkehrern für kürzere oder längere Zeit als Heimstatt dient“.

Denn eingeladen wurde (und wird) in Tempzin natürlich zu den Pilgerwegen, aber auch zu Kloster- und Pilgerfest, „ora-et-labora-Zeiten“, Tagen der inneren Einkehr, zum Singen-Tanzen-Musizieren, zu Konzerten in der Klosterkirche, zu Klosterabenden mit Bibel teilen, u. v. m. „Wir haben gesungen und gebetet und gemeinsam nach Gottes Antwort auf unsere Lebensfragen gesucht“, sagt Magdalene Anders, die die Seelsorge und Betreuung der Gäste und Pilger, die hier einkehrten, übernommen hatte.

Zu Pfingsten 2015 war es dann soweit: Das Warmhaus wurde offiziell eingeweiht – und zugleich Magdalene und Pastor Joachim Anders verabschiedet. Die beiden hatten schon längere Zeit einen Nachfolger gesucht und jetzt in Doris Mertke gefunden.

Magdalene (75) und Pastor Joachim Anders, der morgen seinen 73. Geburtstag begeht, haben in Waren/Müritz ihr Zuhause gefunden, wohnen im Elternhaus der Frau. „Wir kommen weiterhin gern nach Tempzin, zum Beispiel regelmäßig zu den Gottesdiensten ,Segnen & Heilwerden‘“, sagt Joachim Anders. Nach Schwerin fahren morgen beide in Begleitung einiger Pilger, abends werden sie dann im Kloster sein.  
 

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