Ruchow : Hochzeit von Mühle und Kappe

Es ist (fast) vollbracht, die restaurierte Kappe wieder an ihrem Platz. Jetzt kommen noch die Feinheiten.  Fotos: Rüdiger Rump
1 von 4
Es ist (fast) vollbracht, die restaurierte Kappe wieder an ihrem Platz. Jetzt kommen noch die Feinheiten. Fotos: Rüdiger Rump

Ein großer Schritt bei der Sanierung der Ruchower Erdholländermühle ist geschafft. Noch im Herbst wird das Flügelrad angebracht, 2018 geht es innen weiter.

von
15. September 2017, 21:00 Uhr

Ein großer, spannender Moment gestern Vormittag am Rande von Ruchow: Die auf einer kleinen Anhöhe stehende Erdholländermühle erhält ihre Kappe zurück. Die war für eine Restaurierung von Grund auf im Frühjahr 2016 abgenommen worden. Für das gesamte Bauwerk, dem der Verfall drohte, kam buchstäblich Rettung in letzter Not. Stephanie Pásztor und Björn Dauterstedt, gebürtige Dresdner, die jetzt am Niederrhein leben, kauften es im Juli 2015 mit der festen Absicht, die 1888 von Mühlenbaumeister Specht aus Teterow errichtete Windmühle nach historischem Vorbild wieder herzurichten.

Für sie sei es „sehr ergreifend, Wahnsinn“, sagt Pásztor, als der Kran mit seinem langen Ausleger die Haube aufsetzt. „Wie viel Arbeit darin steckt, die ganze Mühlentechnik.“


Außenwände stehen jetzt auf Fundament


Auch Michael Kunst, dessen Baugeschäft aus Mustin die Gründung gemacht und dann das Erdgeschoss „etwa bis drei Meter hoch“ neu gemauert hat, ist total angetan. Seine Firma habe früher viel in Altbausanierung und Denkmalpflege gearbeitet, mache inzwischen nur noch Neubau, doch dieser Auftrag habe ihn gereizt. Jetzt steht er unten und hilft mit einem Seil, die Kappe in die richtige Position zu bugsieren.

Es sei der bisherige Höhepunkt bei der Sanierung, meint Bauherr Dauterstedt. Mühlenexperten würden Hochzeit von Mühle und Kappe dazu sagen. Eine solche finde „nicht mehr so häufig“ statt, es werde „mehr abgerissen als wieder aufgebaut“, wisse er vom Mühlenverein MV, der sich freue, dass diese Windmühle erhalten bleibe, so Dauterstedt.

Er habe jedoch schon „die Zwischenetappen, als die Schindeln und das Mauerwerk fertig waren, als Höhepunkte empfunden“. Weil die Außenwände zuvor auf Balken standen und kein Fundament hatten, musste das zuerst in die Erde und darauf alles neu gemauert werden, „für die Ewigkeit, hoffe ich, zumindest länger als 100 Jahre“. Alle alten Steine seien soweit wie möglich wieder verwertet worden. „Das waren jedoch weniger als erwartet, an die Hälfte etwa.“ Die anderen stammten von einem Abrisshaus in Sachsen-Anhalt in selbem Format und Farbe, deshalb nicht zu unterscheiden. Die Firma Kunst habe die auch „gut durchgemischt“. Die Ecksteine für die 135-Grad-Winkel der Außenwände mussten dagegen komplett neu angefertigt werden. „Die alten sind einfach aus geraden Steinen geschnitten worden, so dass die Außenseiten porös bis brüchig waren“, erklärt der Bauherr. Nach
einer Zeichnung des Architekten habe eine Manufaktur in Brandenburg das Sonderformat neu gebrannt. „Eine kostspielige Angelegenheit, etwa der zehnfache Preis, aber so passt es eben.“

Auch die Schindeln mussten neu angefertigt werden, die vorher waren „ein Mix aus unterschiedlichen Zeiten und Materialien“. Die neuen Fenster seien nach historischem Vorbild entstanden, ebenso die Eisenbänder an den Holzläden, wobei eines an der Rückseite erhalten geblieben sei. In der Kappe wurden alte Balken und Verbindungshölzer wieder verarbeitet, zum Teil auch alte Zahnräder. Das sei mit der Denkmalbehörde so abgesprochen. „Wir haben das auch gern gemacht, weil wir uns in der Verantwortung sehen, Altes, was geht, mit einzubauen.“

Dank der ebenfalls erneuerten Windrose werde sich die Kappe nun wieder selbstständig in Windrichtung drehen. Noch im Herbst soll auch das wuchtige Flügelrad angebracht werden. Und 2018 gehe es im Innern der Mühle weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen