Woserin : Hochspannung am Holzbrandofen

Katrin Otolski entfernt die Putzeln, kleine Kügelchen, die vor dem Brennen unter die Gefäße geklebt werden, damit sich diese leicht von der Unterlage, speziellen Einsetzplatten, lösen.  Fotos: Rüdiger Rump
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Katrin Otolski entfernt die Putzeln, kleine Kügelchen, die vor dem Brennen unter die Gefäße geklebt werden, damit sich diese leicht von der Unterlage, speziellen Einsetzplatten, lösen. Fotos: Rüdiger Rump

Töpferin Katrin Otolski aus Woserin nimmt den ersten Brand des Jahres in Augenschein. Am Wochenende findet bundesweit der Tag der offenen Töpferei statt.

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10. März 2016, 21:00 Uhr

Über vier Tage brauchte der Holzbrandofen zum Abkühlen. Am Sonnabend in aller Frühe hatte Katrin Otolski begonnen, Töpferarbeit von drei Monaten zu brennen. Das ging bis in die Nacht. 17 Stunden dauert es normalerweise, diesmal eine weniger. Wegen des Regens sei die Luft mit mehr Sauerstoff angereichert gewesen, so dass der Prozess sich beschleunigt habe. „Holzbrennerei ist sehr wetterabhängig“, sagt Otolski.

Gestern kurz vor Mittag dann der große Augenblick: Die Töpferin öffnet den Ofen nach dem ersten Brand des Jahres; drei kommen noch, der nächste zu Pfingsten. Jedes Mal herrsche Hochspannung, denn anders als bei einem Elektroofen sei hier vieles nicht kalkulierbar. „Doch gerade das macht den Reiz aus“, sagt Otolski. Jedes Stück komme als Unikat heraus.


Durch Asche entstehen besondere Effekte


Was sie auf ihrer Scheibe gedreht hat, wird im Elektroofen vorgebrannt und dann glasiert, bevor der Holzbrand folgt. Den Ofen dafür hat die Keramikerin selbst gebaut, zeitweilig unterstützt von zwei Studenten, den Schornstein bis einen Meter hoch. Dann habe sie lieber einen
Profi herangelassen, ebenso bei der Einfassung mit Metall.

Die aufwändige Vorbereitung des Brandes dauert etwa eine Woche. So werden als Unterlage für Vasen, Krüge, Kelche, Becher, Schalen, Teller oder Auflaufformen Einsetzplatten vorgetrocknet. Sie benötigen eine spezielle Beschichtung. Unter die Gefäße kommen Putzeln, die aus Quarzsand und hochfeuerfestem Ton bestehen. Sie lassen sich im Anschluss leicht entfernen. Ohne diese Kügelchen würde die Keramik möglicherweise fest an der Unterlage kleben. Am Ende wird die Öffnung mit zwei Schichten aus Hochisoliersteinen und schwerer Schamotte trocken zugesetzt und von außen verschmiert. Dazwischen kommen im oberen Bereich hochfeuerfeste Matten, die sonst in Industrie und Raumfahrttechnik verwendet werden.

Der Ofen wird mit heimischen Harthölzern beheizt, meist Buche, aber auch Esche. Wenn deren Asche auf die Gefäße fliegt und schmilzt, entstünden besondere Effekte auf der Glasur, „schöne Ascheanflüge“, wie es in der Fachsprache heißt. „Ich könnte zum Beheizen auch Kiefer nehmen, doch damit würde ich nicht diese Anflüge erreichen. Und die sind mir wichtig“, sagt Otolski.

Für das Brennen werden 1300 bis 1320 Grad benötigt. Das bedeute, ständig Holz nachzulegen. „Früher habe ich das allein gemacht, doch jetzt hilft mir jemand.“ Meersalz, Backpulver und Soda in Kristallform kommen als „Zutaten“ hinein. Das darin enthaltene Natrium verbinde sich mit dem Quarz im Scherben, so die fachliche Bezeichnung für die geformte Mischung aus Mineralien und Beimengungen. „Keramik ist das erst, wenn alles fertig ist“, erklärt Otolski.

Ein Thermoelement neben dem Ofen zeigt die Lufttemperatur beim Brennen an. Die sei beim Aufheizen wichtig, die des Materials allerdings noch mehr. Dazu stehen an vier Stellen im Ofen so genannte Segerkegel, benannt nach dem Keramiker Hermann Seger (1839-1893), der sie entwickelte, um die Feuerfestigkeit verschiedener Materialien zu untersuchen. „Die Kegel müssen fallen, dann hat das Material die richtige Temperatur.“ Durch kleine Löcher an der Seite lasse sich das Brennen beobachten.

Gestern zeigt das Thermoelement 75 Grad an, „gefühlt ist es aber heißer“, findet die Töpferin. Doch jetzt könne nichts mehr passieren. Werde der Ofen zu früh geöffnet, könne die Keramik springen. Auch Zugluft sei „nicht so toll“.

Als sie erste Steine heraus genommen hat, wirft Otolski neugierig einen Blick in den Ofen. „Noch ist nicht viel zu sehen.“ Die Steine stapelt sie so, dass die für den nächsten Brand in gleicher Reihenfolge bereit liegen. Endlich kommt die Keramik ins Licht. Nach kurzem prüfendem Blick ist Otolski zufrieden, „ein super Brand“. Im Feuer und das im wahrsten Sinne des Wortes werden die Gefäße schöner, ist die Woserinerin überzeugt.


Weggedrehte Stütze sorgt für Katastrophe


Beim Töpfern montags im Güstrower Kinder- und Jugendkunsthaus werde mit einem Elektroofen gebrannt. „Das macht mir viel Spaß , vor allem kontinuierlich mit Kindern zu arbeiten und nicht nur einmal bei einem Workshop, doch Holzbrand ist eine ganz andere Geschichte.“

Dann aber das: Beim Brennen hatte sich eine Stütze buchstäblich weggedreht, so dass mehrere Einsetzplatten in Schieflage sind. „Ach, du Schande, das ist eine mittlere Katastrophe. So hatte ich das noch nie.“ Wie viel von dem ersten Brand des Jahres unverkäuflich ist, wird sich erst am Abend zeigen, wenn der Ofen komplett ausgeräumt ist. „Dann ist das eben so.“ Für das Wochenende sei aber gesorgt.


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