Sternberg : Hochsaison: Teile für Markisen

An den im Block stehenden  Ständerbohrmaschinen Volker Schmidt (l.) und Mario-Peter Koschnick.
An den im Block stehenden Ständerbohrmaschinen Volker Schmidt (l.) und Mario-Peter Koschnick.

Beschäftigte in den Sternberger Werkstätten stanzen, sägen und bohren Aluminium für ein Unternehmen im Landkreis.

svz.de von
26. März 2014, 16:51 Uhr

Arbeit gibt es das ganze Jahr, jetzt aber hat die Metallgruppe der Sternberger Werkstätten Hochsaison – denn sie fertigt diverse Aluminiumteile für Markisen. Auftraggeber ist ein Unternehmen aus dem Landkreis. Mittwochs bringt der Fahrdienst die Fertigware aus dem Rachower Moor dorthin und neues Rohmaterial gleich wieder mit.

Am meisten wird gesägt und gestanzt, aber sehr viel auch gebohrt, außerdem Gewinde geschnitten, entgratet sowie gesenkt. Letzteres, damit bei den Markisen keine Schraubenköpfe überstehen. Etwa
35 unterschiedliche Teile aus Aluminium entstehen auf diese Weise. Die beiden Stanzen hat der Auftraggeber gestellt. Zudem gehören zwei halbautomatische Sägen und insgesamt zehn Ständerbohrmaschinen, davon die Hälfte in einem Block platziert, zum Inventar. „Das ist im Verlaufe der Zeit ständig gewachsen. Als ich 2003 hier anfing, hatten wir eine Säge und zwei Bohrmaschinen“, sagt Karl-Heinz Knapp, Gruppenleiter in der Metallbearbeitung.


Metallgruppe besteht seit 2002


Die Werkstätten, die 1993 mit einem Gebäude in dem Gewerbegebiet am südlichen Stadtrand von Sternberg ihren Betrieb aufnahmen, betreibt das Diakoniewerk Kloster Dobbertin für Menschen mit Behinderung, von stark geistigen bis hin zu körperlichen Beeinträchtigungen, bei denen die Beschäftigten leistungsfähiger sind, aber dennoch keine Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Die Metallgruppe kam 2002 hinzu. Vor allem aus zwei Gründen, die zeitlich zusammenfielen: Der Bedarf sei größer geworden, auch hätten die Arten von Behinderungen zugenommen, erklärt Sozialarbeiterin Kerstin Schneppmüller. „Und wir wollten unser Angebotsspektrum erweitern, weitere anspruchsvolle Tätigkeiten hinein nehmen.“ So wurde ein ehemaliges Autohaus gleich gegenüber erworben. Einst für 60 Plätze konzipiert, sind nun 95 behinderte Menschen im Rachower Moor beschäftigt.

„Es sind Menschen, die arbeiten wollen. Und sie entwickeln bei den Routinetätigkeiten Ausdauer“, so Knapp. Manche würden schon unruhig, sobald nur etwas weniger zu tun sei. Das habe sich besonders gezeigt, als die jüngste Wirtschaftskrise auch an den Sternberger Werkstätten nicht spurlos vorbei gegangen sei.

Neigungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten würden weitgehend berücksichtigt. „Einer bohrt gern, ein anderer stanzt lieber. Es wird auch untereinander getauscht. Kurze Absprache mit mir, dann ist das kein Problem. Die Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen“, so der Gruppenleiter. „Zwei Mann sind aus der Tischlerei zu uns gekommen, weil ihnen Metall mehr liegt. Umgekehrt gab es Wechsel in den Holzbereich.“ Einige hätten eine gute Übersicht und sämtliche Maße im Kopf, sie würden selbstständig arbeiten, freut sich Knapp.

„Wir besetzen Nischen, bei denen es um hohe Stückzahlen und fast durchweg Handarbeit geht. In der Qualität müssen wir uns jedoch am ersten Arbeitsmarkt messen lassen“, sagt Kerstin Schneppmüller.

Das gelte für alle Bereiche. Die Tischlerei, in der es jedes Jahr vor Weihnachten so richtig brummt, hat im Vorjahr 44 000 Präsentkisten hergestellt, davon 31 500 in Sternberg, den Rest in Lübz. 3700 erhielten als Sonderwunsch der Kunden einen Aufdruck oder Einbrand, zählt Gruppenleiter Robert Raasch auf. Hinzu kamen 400 Aalkisten für einen Fischereibetrieb im Land und ca. 4000 Absteckpflöcke zur Vermessung. Die Mitarbeiter der Landschaftspflege, die im Winter in die Holzbearbeitung gehen, fertigten ca. 15 000 Bienenrähmchen und 1000 Piccolo-Holzkisten.

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