Wenn große Politik mitspielt : Historisches aus „Trumphausen“

Stromerzeugeranlage von 1924, mit dem MWM Benz Dieselmotor RH 24Z als Herzstück. Er war bis Anfang der 50er in Betrieb auf dem Weingut Eduard Schuster in Kallstadt; seit 2006 ist die Anlage im Museum Dorf Mecklenburg zu besichtigen. MWM steht für Motoren-Werke Mannheim.
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Stromerzeugeranlage von 1924, mit dem MWM Benz Dieselmotor RH 24Z als Herzstück. Er war bis Anfang der 50er in Betrieb auf dem Weingut Eduard Schuster in Kallstadt; seit 2006 ist die Anlage im Museum Dorf Mecklenburg zu besichtigen. MWM steht für Motoren-Werke Mannheim.

Museum in Dorf Mecklenburg besitzt seit 2004 einen Dieselmotor aus Kallstadt – jenem Ort der deutschen Vorfahren des US-Präsidenten

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12. April 2017, 12:00 Uhr

Jähe Wendungen in der Geschichte gibt es immer wieder. Und es muss nicht immer gleich etwas Epochales sein. Da reicht auch schon mal die US-Wahl…

Zumindest für Falko Hohensee, dem Direktor des Kreisagrarmuseums Dorf Mecklenburg. Seit Ende 2004 ist die Einrichtung im Besitz einer Stromerzeugeranlage, Baujahr 1924. Sie leistete bis in die 50er-Jahre gute Dienste auf dem Weingut Eduard Schuster in Kallstadt bei Mannheim.

„Dass es mal eine solche Verbindung mit der US-Wahl geben würde, konnte keiner ahnen“, betont der 65-jährige Museumsdirektor. 2004 hätte in der Tat keiner drauf gewettet, dass Immobilienmogul Donald Trump mal ins Weiße Haus einziehen würde.

Der übrigens seine deutschen Wurzeln, warum auch immer, jahrelang verleugnete und stattdessen in Sachen Vorfahren Schweden ins Spiel brachte. Tatsächlich wurde sein Großvater Friedrich Trump 1895 jedoch in Kallstadt an der Weinstraße geboren. Mit 16 zog es ihn in die Vereinigten Staaten, die Arbeit auf dem elterlichen Weingut soll ihm zu hart gewesen sein. Wie viele andere Deutsche zu jener Zeit suchte auch der 1963 Verstorbene sein Glück in Übersee, wohin seine acht Jahre ältere Schwester Katharina bereits ausgewandert war.

Kreisagrarmuseum Dorf Mecklenburg, Rambower Weg 8a, 23972 Dorf Mecklenburg, Tel. 3841/790020 oder 796510,  email: kreisagrarmuseum@web.de; bis Oktober täglich geöffnet 10 - 16 Uhr (letzter Einlass 15.30);  Eintritt: drei Euro, ermäßigt 2,50 Euro (Kinder  im Vorschulalter freier Eintritt)

Friedrich Trump, der sich in den Staaten nur „Fred“ nannte, machte sich auf, um am Yukon-Fluss in Alaska Gold zu schürfen. Doch das war eine noch viel härtere Angelegenheit als der Weinbau. So kamen Fred und Katharina auf die Idee, in der Zeit des legendären, später u.a. auch verfilmten Klondike-Goldrausches am Yukon ein Hotel zu eröffnen, um für die Schürfer die Stullen zu schmieren. Bezahlen ließ man sich das, so ist’s überliefert, mit Goldnuggets. Diese tauschte die gewiefte Schwester in der Fifth Avenue von New York in Grundstücke um, die zu der Zeit noch spottbillig waren. Das Trump-Imperium nahm seinen Lauf…

Und Falko Hohensee hat jetzt eine Geschichte mehr, die er über seine Exponate weiß und bei Bedarf die Besucher gern daran teilhaben lässt. Dabei gehört die Kallstadter Anlage genau genommen gar nicht ins Kreisagrarmuseum. Laut Satzung besteht dessen Aufgabe nämlich darin, „Zeugnisse natürlicher und menschlicher Art der Region Nordwestmecklenburg“ zu bewahren. Doch Hohensee mit seinem schier grenzenlosen Faible für alte Technik antwortet auf die Frage nach Kallstadt kurz und knapp: „Das ist auch Landwirtschaft!“

Der Besitzer des Weingutes hatte beim Besuch in Dorf Mecklenburg die Anlage dem Museum angeboten. Hohensee sowie drei weitere Männer der IG Oldtimer fuhren runter, um dieses durchaus besondere Teil der Dieselmotor-Geschichte zu bergen und hoch zu holen. 2005 wurde in Dorf Mecklenburg für das gute Stück aus Kallstadt extra eine Ausstellungsvitrine gebaut.

„Der Dieselmotor läuft wieder. Gestartet wird er mit Luft, mit 20 atü“, bemerkt Museums-Hausmeister Rüdiger Soth. Noch nicht angeschlossen sind die beiden Generatoren plus Schalttafel. „Gut Ding braucht Weile!“, steht auf dem Merkblatt an der Vitrine für die Besucher… 

Auf Initiative des Direktors des Volkseigenen Gutes Groß Stieten, Erich Tack, wurde im Oktober 1978 die neu gebaute  Museumsanlage in Dorf Mecklenburg der Öffentlichkeit übergeben. Zusammen mit einer noch heute erhaltenen Denkmalanlage zur Bodenreform dokumentierte die Einrichtung unter der Bezeichnung „Traditionsstätte der Sozialistischen Landwirtschaft“  die Agrarpolitik der DDR aus der damals vorherrschenden Sicht.

Viel wichtiger war jedoch der Beginn einer Sammlung zu vielen Erlebnisbereichen als Grundstock des heutigen Fundus, der teils einmalige Objekte umfasst. Viele Projekte und Ideen des im Besitz des Nordwestkreises befindlichen Museums warten indes  bis heute auf ihre Umsetzung.

Im Gebäudekomplex befindet sich neben dem Servicebereich und einem Raum für Wechselausstellungen die eigentliche Dauerausstellung. Die 2011 komplett neu gestaltete Exposition stellt sich wie ein auf 120 laufende Meter begehbares „Geschichtsbuch“ dar. Sie vermittelt einen Einblick in die Entwicklung der Landwirtschaft und des dörflichen Lebens im Nordosten Deutschlands  von vor 1945 bis in die Gegenwart, wobei die Themen dem aktuellen Forschungsstand entsprechen.

Vier Jahrzehnte Agrarmuseum

Auf Initiative des Direktors des Volkseigenen Gutes Groß Stieten, Erich Tack, wurde im Oktober 1978 die neu gebaute  Museumsanlage in Dorf Mecklenburg der Öffentlichkeit übergeben. Zusammen mit einer noch heute erhaltenen Denkmalanlage zur Bodenreform dokumentierte die Einrichtung unter der Bezeichnung „Traditionsstätte der Sozialistischen Landwirtschaft“  die Agrarpolitik der DDR aus der damals vorherrschenden Sicht.

Viel wichtiger war jedoch der Beginn einer Sammlung zu vielen Erlebnisbereichen als Grundstock des heutigen Fundus, der teils einmalige Objekte umfasst. Viele Projekte und Ideen des im Besitz des Nordwestkreises befindlichen Museums warten indes  bis heute auf ihre Umsetzung.

Im Gebäudekomplex befindet sich neben dem Servicebereich und einem Raum für Wechselausstellungen die eigentliche Dauerausstellung. Die 2011 komplett neu gestaltete Exposition stellt sich wie ein auf 120 laufende Meter begehbares „Geschichtsbuch“ dar. Sie vermittelt einen Einblick in die Entwicklung der Landwirtschaft und des dörflichen Lebens im Nordosten Deutschlands  von vor 1945 bis in die Gegenwart, wobei die Themen dem aktuellen Forschungsstand entsprechen.

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