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Schlachtefest vs. Tierschützer : Hier wart „die Sau geschlacht…“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

600 Besucher beim 10. Schlachtefest im Kreisagrarmuseum Dorf Mecklenburg erlebten hautnah die einstige Tradition. Tierchützer sprechen sich für vegetarische Wurst aus.

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erstellt am 13.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Schlachten wie zu Omas und Opas Zeiten  war noch in den 60er- und 70er-Jahren typisch – diese heutzutage fast vergessene Tradition der Hausschlachtung hält das Kreisagrarmuseum Dorf Mecklenburg am Leben. An vergangenen Sonnabend hieß es zum nunmehr  zehnten Mal: „Da wird die Sau geschlacht…“. Organisiert  wieder einmal vom Förderverein des Museums…

„Um die 600 Leute kamen“,  freute sich Museumsdirektor Falko Hohensee. Es waren nicht nur viele Ältere, die das einstige Winter-Highlight auf den Dörfern noch aus eigenen Erleben her kennen. Diverse Familien mit ihren  Kindern standen vorn in der ersten Reihe, damit ihre Sprösslinge alles gut verfolgen konnten.

Neu war dafür der Standort „auf der Freifläche hinterm Museum.  Der bisherige Platz reichte nicht aus für die vielen Gäste, da gab es Kritik“, so  Fleischer Jörg Dargel von der gleichnamigen Fleischerei  in Dorf Mecklenburg  im Vorfeld gegenüber SVZ. Zusammen mit seinen Helfern Christian Großschopf aus Dorf Mecklenburg  und dem Alt Schlagsdorfer Danilo Broschk brachte Dargel mittels Headset  am Samstag den vielen Schaulustigen  mit Charme und Witz alles Wissenswertes rund ums Schlachten nah.

58 bis 61 Grad muss das Wasser haben

Nachdem das 138-Kilo-Schwein aus Levetzow, wo es von Dargel fachgerecht getötet worden war, auf dem Hänger angefahren kam und die bereits Wartenden eine Gasse freimachen mussten, wurde heißes Wasser in den bereit stehenden Trog gefüllt. „58 bis 61 Grad muss das Wasser haben, um das Schwein abzubrühen. Wikipedia weiß das. Ich aber weiß es auch!“, versicherte Dargel. Und bei uns Menschen klappt das auch mit dem Abziehen, flachste der Fleischer, „da braucht’s keinen Philishave zur Rasur der Beinhaare“.

Das Borstenvieh kam in den dampfenden Wassertrog, damit  dann vor allem die Helfer  per Schaberglocke die Borsten entfernten, denn der Chef war  ja für Erklärungen und gute Laune der teils staunenden Menschentraube rund ums Spektakel zuständig, welches in der Region seines Gleichen sucht. In den großen Schlachthöfen werden die Schweine nicht mehr „geglockt“, da habe man andere Techniken, sagte Dargel, ohne ins Detail zu gehen. Man wolle beim Schlachtefest bewusst zeigen, „wie es früher so gemacht wurde“.

„Wie viele Hälften hat so ein Schwein?“, fragte der Fleischer in die Runde an die Kinder gerichtet. Ein Junge rief: „Vier!“. „Zwei“,  korrigierte der Fachmann und hielt zwei Finger demonstrativ in die Höhe. Später wiederholte er rhetorisch die Frage nochmals, gab aber  jetzt  gleich selbst die Antwort.

Als die Sau sich in zwei Hälften  aufgeklappt vor den Schlachtefest-Neugierigen präsentierte, musste die Tierärztin  erst einmal die Fleischbeschau vornehmen und die Unbedenklichkeit (frei von Trichinen) per amtlichen Stempel auf der Speckschwarte dokumentieren. Und dann konnte es losgehen mit der weiteren Zerlegung oder um es mit Dargels Worten zu sagen – „wie Kotelett gebaut wird“.

Die Sau habe ein glückliches Leben gehabt „und reiche Eltern, was den Bauern betrifft“, fabulierte der Mann am Headset. Vom frisch zerlegten Borstentier gab es übrigens nichts auf dem Schlachtefest zu kaufen. „Das war schon vorher alles verkauft worden – aus rechtlichen Gründen “,  so Musumschef Hohensee.

Post von Peta-Tierschützern

Dennoch konnte sich jeder eindecken am Dargelschen Wagen mit Wurstwaren nach über 70 Jahren alten Rezepturen. Zudem waren Bratwürste, Eintopf und Getränke sowie Honig aus Beidendorf, Fisch von Fischer Piehl aus Alt Schlagsdorf und Käse von einem Stand aus Schwerin auf der kleinen, erstmalig gestalteten Ladenzeile im Angebot.

Am Montag flatterte Museumsdirektor Falko Hohensee auch noch Post ins Haus. „Von Tierschützern, von Peta. Denen ging es ums Tierwohl.“ Für die elfte Auflage 2018 bot Peta an, „den Veggie-Test zu machen. Sie wollen 500 vegane Bratwürste liefern“. Da mache er aber nicht mit. „Das ist keine Wurst“, so Hohensee. Und Schweine seien außerdem nun mal da, um sie auch zu schlachten. Sonst gebe es keine Koteletts…

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