zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 09:06 Uhr

Tag der offenen Töpferei : Herzstücke aus erster Hand

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Tag der offenen Töpferei: Carola Damrow aus Bolz-Ausbau hat frühzeitig erste Stammkunden und freut sich genauso über neue Gesichter.

von
erstellt am 12.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Wer durch Ruchow fährt, sieht an der Straße ein Schild, das den Weg zur Keramikwerkstatt von Carola Damrow weist. Der Asphalt geht kurz nach dem Abbiegen in Sand über, doch der schmale Weg lässt sich gut befahren. Bei einigen Löchern heißt es eben aufzupassen.

Die Werkstatt in Bolz-Ausbau gehörte zu den 94 in MV, die sich vergangenes Wochenende am 12. Tag der offenen Töpferei beteiligten. Und wer von der genannten Straße in Ruchow nicht abbiegt, sondern weiter geradeaus fährt, gelangt nach Lenzen, wo mit der Brauntöpferei von Jens-Peter Planke und Werk 2, in dem Birgit Hasse und Hanno Leischke arbeiten, zwei weitere Ziele warten. Viele verbinden an diesem Tag gern beide Orte in der Gemeinde Mustin.

Verlaufene Farben und ungerade Formen

Ute Levin, Tochter Charlotte und Oma Irmgard Drüsedau, drei Generationen aus einer Familie in Zickhusen, sind schnell fündig geworden. „Wir kommen jedes Jahr zweimal, zum Tag der offenen Tür und bei Kunst offen“, erzählt Levin. „Was sie macht, ist einfach toll. Uns gefallen die Farben, besonders, wenn die verlaufen, und auch die nicht immer geraden Formen“, so Levin. Einmal habe sie sich von einer Tasse mehrere eine Nummer kleiner bestellt. Damrow fügt schmunzelnd an, solche wolle jetzt auch ihr Mann, Kunsttischler Joachim Behrens, der seine Werkstatt in Rothen hat.

Irgendwas finde sich immer, wissen die Stammkundinnen aus Zickhusen. Manches in der Küche gehe auch mal kaputt. Tochter Charlotte sei gerade ein Malheur passiert. „Mir ist eine Tasse aus der Hand gefallen; ich wollte sie mit der anderen Hand auffangen, in der ich eine Schale hielt, und dann war beides entzwei. Schade, das war schönes Geschirr“, so die Jüngste aus der Runde.

Dass die aufwändig von Hand hergestellten Stücke teurer sind als die aus industrieller Produktion, sei verständlich. Dafür seien es einzigartige „Herzstücke“, wie Charlotte begeistert meint.

Birgit Ahrend und Anne Bauer aus Güstrow seien 2016 mehr aus Zufall das erste Mal hier gewesen und hätten was gekauft, Ahrend einen Teller, Bauer eine Zuckerdose, die sie für verschiedene kleine Dinge nutze, nur für Zucker nicht. Diesmal seien sie vorbereitet gewesen und zielgerichtet hergefahren. Die Güstrowerinnen freuen sich nun über kleine Vasen, z. B. für Schneeglöckchen, und eine Reibe für Knoblauch und Ingwer, ein Geburtstagsgeschenk für Ahrends Mutter tags darauf.

Carola Damrow betreibt seit 2007 ihre Töpferei in Bolz-Ausbau. In Berlin habe sie mal in einer Werkstatt mitgearbeitet. Kommenden Sonnabend, 18. März, auf den Tag genau vor 25 Jahren sei sie nach Mecklenburg gezogen, zuerst nach Woserin, wo sie seit 1985 schon regelmäßig gewesen sei und dann Behrens kennen lernte. „So bin ich nach Bolz gekommen.“ Das Paar hat zwei Kinder (22 und 20), die inzwischen studieren.

Als die Kinder „aus dem Gröbsten heraus waren“, habe sie von 2003 bis 2005 bei Ute Dreist in Techentin eine Umschulung zur Töpferin absolviert. „Ich bin dem Arbeitsamt noch heute dankbar, dass das so unkompliziert geklappt hat. Und es war toll, ich habe nicht nur das Drehen gelernt, sondern auch das ganze Drumherum der Selbstständigkeit“, sagt Damrow anerkennend.

Den Brennofen zu öffnen, sei immer „wie Heiligabend, wenn der Sack mit den Geschenken aufgemacht wird“. Besonders Rot sei sensibel. Die Glasur werde mit Kupferoxid gefärbt; das sei grün und werde bei Sauerstoffmangel rot. Doch mitunter verschwinde die Farbe bei zu hoher Brenntemperatur. Geschehen bei Tassen, für die ein Kunde extra einen Rotton ausgesucht habe.

Besucher sollten sich ohne Scheu umsehen

Nach Berlin ziehe sie gar nichts zurück. „Ich bin ein stiller, ruhiger Mensch, deshalb kommt mir das hier sehr entgegen.“ Die Abgeschiedenheit sei zum Leben ideal, zum Verkaufen weniger. Doch den ganzen Tag Kundenverkehr wie etwa an der Ostsee wolle sie auch nicht. „Ich gehe lieber am Wochenende auf Märkte und habe sonst Zeit zu arbeiten.“ 12 bis 14 Märkte seien es pro Jahr. Der Tag der offenen Töpferei liege davor, sei der Einstieg in die Saison und daher sehr willkommen. Viele Besucher fühlten sich unter Druck, was kaufen zu müssen, so Damrows Eindruck. Doch sie ermuntert, „sich ohne Scheu umzuschauen“. Wer das erste Mal komme, wisse doch gar nicht, was ihn erwarte. Sei an dem Tag nichts Passendes dabei, dann vielleicht bei der nächsten Station oder im Jahr darauf...

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen