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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. September 2017 | 04:32 Uhr

Warin : Heiteres aus dem Alltag auf Platt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Wariner Plattsnacker laden in dieser Jahreszeit einmal im Monat zum unterhaltsamen Nachmittag ein. Das Thema wechselt jedes Mal.

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Als die Wariner Plattsnacker sich ihr Thema für die nächste Veranstaltung überlegten, wussten sie nicht, dass die Landschaft dann in Weiß gehüllt sein würde. Umso besser passte es: „Wat de Winter uns bringt“. In der Regel einmal im Monat laden Helga Otto, Monika Schümann, Peter Anders und Peter Wendt zu vergnüglichen anderthalb Stunden ins Café Lubitz ein, erzählen auf Plattdeutsch heitere wie besinnliche Geschichten aus dem Alltag, die so oder ähnlich beinahe jeder in der Runde erlebt haben könnte, sie geben Sketche zum Besten und tragen Gedichte vor. Einzig im Sommer wird pausiert.

Ihr Programm stellen die Vier gemeinsam zusammen. Die Beiträge werden dann aufgeteilt, und ein-, zweimal vor dem Auftritt wird geprobt, zu Hause bei Anders, mit 80 Jahren der Älteste; Schümann ist mit 60 die Jüngste. „Wir ergänzen uns gut, das ist vor allem bei verteilten Rollen wichtig“, sagt Helga Otto, seit 13 Jahren und somit am längsten dabei.

Otto, Schümann und Anders gehören dem Wariner Heimatverein an, Wendt kommt aus Schwerin. Er sei aber gebürtiger Wariner. Seinem Vater habe die Mühle gehört. Schon lange in plattdeutscher Unterhaltung zu Hause, sei er bei einem Treffen vor gut zwei Jahren in Grevesmühlen den Plattsnackern begegnet und habe sich ihnen angeschlossen. Diese freuen sich über die Verstärkung mit Gitarre.

Das Café ist jedes Mal gut besetzt. Wobei diesmal der Schnee noch manchen aus den umliegenden Dörfern abgehalten hat zu kommen. Unter den gut 20 Besuchern sind auch jüngere Gesichter, nicht viele, aber sie zeigen, dass sich für Plattdeutsch nicht nur die ältere Generation interessiert.

Das Programm beginnt mit einem Gedicht von Rudolf Tarnow, 1867 als ältester Schuhmacher-Sohn in Parchim geboren und 1933 in Sachsenberg bei Schwerin gestorben. Von der Vergangenheit geht es in den Januar von diesem Jahr, zum Schnee, der anscheinend viele überrascht hat, nicht nur den Winterdienst, oder zu Stefan Kreibohm aus dem Wetterstudio auf Hiddensee. Dessen Vorhersagen würden auch nicht immer zutreffen.

Dass eine innere Stimme gesagt hat, es sei wichtig, sich gegen Winterdepression zu stemmen, klingt fast schon wie ein guter Rat. Hackepeter kaufen, das zu Hause auf Brötchen in aller Ruhe verspeisen und das Grau um sich herum vergessen, wäre eine Möglichkeit.

Zum Mecklenburger Essen gehöre derzeit auch Grünkohl. Mancher müsse sich aber beeilen, sonst sei im Garten einer schneller und mümmele alles weg, bevor Bello um die Ecke saust. Ob er zum Grünkohlessen komme, wird einmal der Pastor gefragt. Der nimmt die Einladung gern an, hat aber irgendwann die Speckschwarte im Mund und schiebt sie hin und her. Als die Oma das bemerkt, sagt sie mitfühlend, er könne die Schwarte ruhig hinlegen, sie hätte die auch schon vergebens zwischen den Zähnen gehabt.

Kindheitserinnerungen mit Schlitten am Pferdewagen oder dem Duft von Bratäpfeln machen auch die Runde. Und dann sind die guten Vorsätze im neuen Jahr, wie Rauchen abgewöhnen, gesünder essen, weniger Alkohol trinken oder Sport treiben, an der Reihe. So mancher denkt, das könnte ich sein. Leider sei vieles nach paar Wochen vergessen.

Vor dem Programm hatte Helga Otto berührend von der Übergabe einer Spende an das Hospiz „Am Aubach“ in Schwerin berichtet. Bei der Veranstaltung im Dezember war gesammelt und von den Plattsnackern die Summe auf 150 Euro aufgestockt worden. Die Freude dort sei groß gewesen. Es zähle nicht die Höhe des Betrags, sondern dass an diese Menschen gedacht worden sei. Das Geld werde etwa für Ausflüge mit den Schwerstkranken verwendet. Ein Mann habe sich noch mal eine Fahrt an die Ostsee gewünscht und sei so glücklich darüber gewesen. Helga Otto gab den Beleg für die Spende herum. Alle seien überzeugt, dass das Geld an der richtigen Stelle angekommen sei.

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