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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

16. Dezember 2017 | 23:42 Uhr

In 39 Metern Höhe : Heimstatt für die Jäger der Lüfte

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Wanderfalken-Nistkasten auf dem Dach des Brüeler Getreidesilos angebracht.

von
erstellt am 21.Jan.2017 | 05:04 Uhr

Mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 389 Kilometern pro Stunde ist der Wanderfalke „das Nonplusultra, der schnellste Vogel“, verkündet Volker Barfuß aus Wotenitz bei Grevesmühlen. Der Reetdachdecker hat sich in seiner Freizeit dem Jäger der Lüfte verschrieben, ist seit Jahren als Ornithologe tätig – spezialisiert „auf Greifvögel und Eulen“. Und er hat ein großes Ziel: den Nachweis eines ersten Bruterfolgs dieser majestätischen Greifvögel in Nordwestmecklenburg. „Bisher gibt es noch keinen“, sagt der 57-Jährige gestern in 30 Metern Höhe auf der letzten Plattform zum Dach des Getreidehochsilos der Ceravis AG in Brüel.

Die Kleinstadt liegt zwar nicht mehr in NWM, doch der Dachdeckermeister weicht für seine Leidenschaft auch schon mal über die Kreisgrenze hinaus. So hat der Wotenitzer bereits in Neubukow und gleich zwei Wanderfalken-Nisthilfen bei den Silos der Ceravis AG in Schwerin-Wüstmark aufgebaut. Und er könnte sich solch eine Sache auch „an der Sternberger Kirche vorstellen. Vorgesprochen habe ich aber noch nicht.“

Volker Barfuß brachte nach Brüel den selbst gefertigten Kasten aus Siebdruckplatten, „alles Hartholz“ mit, in den Maßen 80 mal 70 mal 55 Zentimeter. Daran fügte er zusammen mit seinem Sohn Patrick, der gestern übrigens seinen 29. Geburtstag in luftiger Brüeler Höhe beging, später hochoben noch den „Balkon“ an. Dabei handelt es sich um eine hölzerne Vorrichtung mit einem Metallgitter, die für die Jungvögel zum Üben dient. „Ansonsten fallen diese häufig runter und kommen dann nicht wieder vom Boden hoch“, so Volker Barfuß.

Die Brüeler Greifvogelvorrichtung in 39 Metern Höhe auf dem Ceravis-Dach ist bereits Kasten Nr 13. „Damit bin ich jetzt fast durch, in Wüstmark kommt noch ein dritter Kasten hinzu.“

Jede dieser Nisthilfen kostet vom Material her „um die 150 Euro. Aber das Geld gebe ich gerne aus“, verkündet der Reetdachdeckermeister.

Auch wenn der Bestand der Riesenvögel aktuell als erholt

gilt nach dem großen Artensterben wegen der immensen Pestizideinsätze in den 1960ern und 70ern, so gehen Experten von maximal 1000 Paaren republikweit aus.

„In Mecklenburg sind es höchstens zehn. Auf ein Wanderfalken-Pärchen kommen 100 der kleineren Turmfalken“, weiß Volker Barfuß. Die Brutplätze der Riesenfalken werden allgemein streng geheim gehalten – u.a. wegen der Nesträuberei. Auf Kirchtürme bzw. das Brüeler Hochsilo kommt aber keiner rauf – und so darf die Öffentlichkeit wissen, wo der Wotenitzer seine Hilfen angebracht hat.

„Volker Barfuß hatte angefragt, ob er es auch hier machen könne. Warum nicht. Das ist besser, als sich für Tiere einzusetzen, die nicht hier hergehören“, so Thomas Ansorge, seit zwei Jahren Bereichsleiter bei Ceravis in Brüel. Damit meint er u.a. den Nandu.

Eine Hoffnung freilich, dass der Wanderfalke demnächst hier Mäuse fängt, nimmt ihm Barfuß zugleich: „Mäuse fängt der Turmfalke , ein Wanderfalke hingegen nur Vögel.“ Auch in Ordnung für Ansorge: „Hier gibt es genug Krähen und wilde Tauben.“  

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