Von Büschow nach Neuseeland : Heiligabend am anderen Ende der Welt

Matthes Maercker arbeitet derzeit auf einer Farm auf Neeseelands Südinsel
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Matthes Maercker arbeitet derzeit auf einer Farm auf Neeseelands Südinsel

Matthes Maercker aus Büschow arbeitet auf einer Farm in Neuseeland. Geschenke gibt es hier erst am 25. Dezember

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24. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Caipi statt Glühwein, Strand anstelle der Sauna, Schopfmyrte versus Weihnachtsstern – Weihnachten 2017 ist für Matthes Maercker aus Büschow ganz anders. Seit Oktober befindet sich der 21-Jährige am anderen Ende der Welt zu einem Berufspraktikum auf der Südinsel Neuseelands. „Weiter weg geht’s wirklich nicht, im Juli ist er wieder da“, erzählt Vater Martin Maercker. Matthes verdankt seinen Aufenthalt dort unten der Schorlemer-Stiftung des Deutschen Bauernverbandes e.V. mit Sitz in Berlin.

Maerckers Kinder, insgesamt sind es vier, hätten die Tendenz, zwischendurch ganz weit weg zu gehen, „aber irgendwann kommen sie alle zurück“, so Martin Maercker. Matthes’ Bruder Lukas (24) war als Austauschschüler vor einiger Zeit für ein Jahr im US-Bundesstaat Minnesota und studiert jetzt Forstwirtschaft in Freiburg. Schwester Marie (29) wohnt in bei Nürnberg und Johannes (31) bei Bad Segeberg. „Der Vorteil ist, dass man Deutschland kennen lernt“, meint Martin Maercker.

Und demnächst eventuell das Kiwi-Land, die Büschower wollen sich über den Jahreswechsel entscheiden, ob sie zu ihrem Jüngsten fliegen. Doch erst einmal ist Weihnachtszeit. Da pflegen die Maerckers einige Rituale: Eines davon ist, „jedes Kind bekommt traditionell zum ersten Advent eine Kiste Nürnberger Lebkuchen“, sagt Mutter Renate Maercker. Bis Neuseeland war’s fürs Päckchen freilich eine Weltreise. Eigentlich rechtzeitig abgeschickt, kamen die süßen vorweihnachtlichen Grüße erst am zweiten Advent auf der Farm in Ashburton an, circa 90 Kilometer entfernt von Christchurch. Hier arbeitet Matthes auf der 250 Hektar großen Mixed-Farm der Familie Copland. Auf der Farm gibt es etwa 500 Kälber und 1000 Mutterschafe mit Lämmeraufzucht. Alles draußen, denn bei dem Klima in Neuseeland sind dafür auch im Winterhalbjahr keine Ställe notwendig.

Doch jetzt geht es im Kiwi-Land auf Hochsommer zu. Aktuell herrschen um die 25 Grad, es waren auch schon einmal über 30 Grad. Dies und alles andere tauschen die Büschower und ihr Sohn per Whatsapp aus. Renate Maercker lässt so ihren Filius am heimischen selbst geflochtenen Adventskranz teilhaben, Matthes sendet Bilder von der neuseeländischen Ostküste – vom Holzhaus samt Auto, das ihm der Farmchef zur Verfügung stellte und wo sich der junge Mecklenburger selbst versorgen muss, oder Schnappschüsse vom Arbeitsalltag sowie Ausflugsbilder vom Lake Brunner an der Westküste. Dort hat die Familie Copland ein Wochenendhaus, welches sie Matthes und seinen inzwischen gefundenen Kumpels für ein Wochenende überließ.

Mit dem Internet hingegen klappt es nicht. Das ist in Ashburton ganz schlecht, hat Matthes übermittelt. Doch einen Skype-Versuch wollen die Nordwestmecklenburger noch einmal unternehmen.

Matthes muss auf der Farm in Ashburton alles machen, was so anfällt: Felder bestellen, Kälbermast, Schafe treiben. Auf der Farm wird nicht nur das Viehfutter selbst angebaut, sondern man ist auch „Saatguthersteller für Europa: Salat, Radieschen, Weizen, Gras“, kann Renate Maercker berichten. Wer hätte das gedacht: Auch das Saatgut für die kleinen scharfen Dinger reist um die Welt…

Am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtstag, ist Matthes zu einer Feier bei seiner Gastfamilie eingeladen. „Vermutlich gibt es Barbecue, in Neuseeland wird viel gegrillt“, so Renate Maercker. Sie selbst und ihr Mann werden ihren Jüngsten am 24. Dezember wegen der zwölf Stunden Zeitunterschied wahrscheinlich vormittags anrufen, dann kommen die besten Wünsche Heiligabend in Ashburton an. Dann kann der 21-Jährige auch sein Weihnachtspaket öffnen. Bereits seit seiner Ankunft in Neuseeland erhält er übrigens wöchentlich die Mecklenburgische Kirchenzeitung als eine ständige Verbindung nach Mecklenburg.

Renate und Martin Maercker, beide Mitarbeiter im Kirchenkreis Mecklenburg, gehen am morgigen 24. 12. nachmittags getrennte Wege. Renate Maercker berufsbedingt zum Gottesdient in Neukloster, die anderen der Familie, soweit sie an Heiligabend in Büschow sind, in die Jesendorfer Kirche.

Und Matthes Maercker verbringt den Tag nach dem Barbecue vielleicht irgendwo am Strand. Oder er stürzt sich aus Neugier in die Christmas Parade, wo sich die „Kiwis“ verkleiden und ein Umzug mit Wagen und Tieren durch fast jeden Ort zieht. Martin Maercker: „Das hat was von Rosenmontagsumzug.“ Geschenke gibt es in Ashburton hingegen erst traditionell am 25. 12. – das einstige Mutterland Großbritannien lässt grüßen.
 

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