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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 06:48 Uhr

Hebamme erteilt gutes Zeugnis

vom

svz.de von
erstellt am 19.Mär.2012 | 06:35 Uhr

Sternberg | Auf dem Fußboden sind blaue Schaumstoffmatten verteilt. In einer Ecke des Raumes stapeln sich bunter Kissen, in einer anderen Ecke liegt zerknäult eine Wolldecke. Und überall große rosa Gymnastikbälle. Etwas wüst sieht es aus in der Hebammenpraxis von Kathleen Trautmann in Sternberg. Vor wenigen Stunden war das noch anders: Frauen, die erst vor kurzem Mütter g eworden sind, waren hier versammelt, um die ungeliebten Folgen der Schwangerschaft abzutrainieren. Da herrschte noch Ordnung. Jetzt haben Trautmanns Kinder die Praxis mit den lila Wänden in Beschlag genommen. Sie toben und raufen miteinander. Und mittendrin die 36-Jährige, die es sich in Jeans und T-Shirt auf einer der Matten bequem g emacht hat.

Natur bietet Möglichkeiten zum Spielen und Toben

Trautmann hat drei Kinder: Jessica (11), Jule (8) und Joe (3). Als Hebamme hat sie geholfen, unzählige Kinder auf die Welt zu bringen. Sie kann beurteilen, wie familienfreundlich Sternberg ist und stellt in unserer SVZ-Umfrage der Stadt ein gutes Zeugnis aus. "Es gibt überdurchschnittlich viele und gute Angebote für Kinder, insbesondere in Sportvereinen. Und sie sind für jeden erschwinglich, teilweise sogar kostenlos", berichtet Trautmann. Auch ihre Kinder nutzen die Möglichkeiten vor Ort. Die elfjährige Jessica, deren dunkle lange Haare zu einem Zopf geflochten sind, spielt im Fußballverein. Ihre drei Jahre jüngere Schwester Jule mit dem blonden Wuschelkopf tanzt und segelt.

Kostenlos genutzt werden können in Sternberg das Strandbad und die vielen Spielplätze. "Ansonsten bietet die Natur unzählige Möglichkeiten zum Spielen und Toben", so die Hebamme. "Man muss nur selbst die Initiative ergreifen und mit offenen Augen durch die Region gehen, dann findet man auch genügend Angebote für Kinder", fügt sie hinzu.

Was fehlt, seien Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche. Bis auf Sportvereine und einem Jugendklub am Sternberger Bahnhof gebe es kaum Angebote für ältere Kinder, erzählt Trautmann.

Sie wünscht sich, dass die Alte Mühle (ehemaliges Partyhaus) wieder ein Treffpunkt für die Jugend wird, an dem sie ihre Freizeit selbst gestalten könnten.

Des Weiteren vermisst die Mutter Familien- und Kinderfeste. Davon gebe es in Sternberg zu wenig, sagt sie. "Das Rapsblütenfest ist ganz schön und es gibt Veranstaltungen auf dem Campingplatz. Von denen wissen aber meist nur die Camper. Einheimische bekommen davon nichts mit", erläutert die Mutter. Sie schlägt vor, Schaukästen zu errichten, in denen solche Veranstaltungen vermerkt sind.

Gute Betreuung in der Kindertagesstätte

Plötzlich kommt Unruhe auf. Die beiden Schwestern zanken miteinander. "Die will mir nichts abgeben", ruft Jule und zeigt mit dem Finger fordernd auf die Packung mit Chips in den Händen ihrer Schwester. Deren ernste Mine zeigt deutlich, dass sie die Knabberei nicht teilen will. Trautmann schüttelt voller Unverständnis mit dem Kopf. "Gib ihr etwas! Sie ist schließlich deine Schwester", fordert sie.

Die beiden Mädchen sind im schulpflichtigen Alter, wogegen der dreijährige Joe in den Kindergarten geht. "Ich bin sehr zufrieden mit der Kita. Die Anbindung, die Öffnungszeiten und die Betreuung sind sehr gut", berichtet Trautmann. Einen Platz in einer Kindertagesstätte zu finden, sei einfach. "Mit dem Schulsystem habe ich aber meine Probleme", sagt sie. "Das ist eine Katastrophe." Ansonsten seien die Schulen mit dem Bus sehr gut erreichbar. Nur in den Ferien nicht. Zu dieser Zeit fahren nämlich keine Schulbusse. Dadurch könnten viele Kinder den Hort nicht besuchen, wenn sie nicht von ihren Eltern dorthin gebracht werden, erzählt Trautmann. Ein Problem mit der Mobilität gibt es auch bei einigen Einrichtungen in der Stadt. Sie sind nicht barrierefrei. Einzelne Cafés, Banken und Einzelhändler haben Treppen, selbst das Sternberger Rathaus. "Mit dem Kinderwagen kommt man dort nicht rein", berichtet die Hebamme.

Mittlerweile ist es 16 Uhr. Das Jüngste der Geschwister hat sich in eine Ecke des Zimmers verzogen. Dick eingemummelt in eine Wolldecke und müden Augen kuschelt sich Joe in ein großes blaues Kissen. Seine Schwestern streiten noch immer um die Packung Chips. "Ab nach Hause", ruft Trautmann. In Windeseile ziehen die Kinder ihre Jacken und Schuhe über und rennen aus der Tür. Zurück bleiben nur blaue Schaumstoffmatten und rosa Gymnastikbälle.

Umfrage-Ergebnisse:
Mehr als ein Drittel der Teilnehmer unserer Lebenswert-Studie stuft die Familienfreundlichkeit in seinem Wohnort als „gut“ ein, rund jeder Zehnte sogar als „sehr gut“. Die Note „befriedigend“ verteilt jeder Dritte im Bereich Sternberg-Brüel-Warin. Ein „ausreichend“ attestiert jeder Sechste. Jeder Vierte benotete die Situation in seinem Ort mit einer 5. Die Note 6 wurde von jedem Sechsten Befragten vergeben.

Das Kinderbetreuungsangebote im Bereich Sternberg-Brüel-Warin stufen 15 Prozent der Umfrageteilnehmer als „sehr gut“ ein, 38 Prozent als „gut“ und 19 Prozent als „befriedigend“. Die Note 4 wurden von 9 Prozent der Befragten verteilt. Jeweils 4 Prozent entschieden sich für die Noten 5 und 6.

Nachholebedarf sehen SVZ-Leser beim schulischen Angebot in der Region. Nur jeder neunte Teilnehmer unserer Lebenswert-Studie stuft das Angebot als „sehr gut“ ein, mehr als ein Drittel als „gut“. 23 Prozent der Befragten verteilten die Note „befriedigend“, 9 Prozent ein „ausreichend“. Von acht Prozent der Umfrageteilnehmer hagelte es die Note 5, in neun Prozent der Fälle die Note 6.

Bürger kritisieren lange Fahrwege für Schulkinder: Beim Thema Familie gibt es trotz der guten Ergebnisse auch Kritik. So bemängelt Barbara Reimer (66) aus Neuhof die Anbindungen an den Betreuungsmöglichkeiten. Es fehle an öffentlichen Verkehrsanbindungen, um die Angebote der Kinderbetreuung wie in Kindertagesstätten auch ohne eigenes Fahrzeug wahrnehmen zu können, so die Rentnerin. Die langen Fahrtwege kritisiert unter anderem Fred Müller (50) aus Neu Woserin. Der Schlosser gab an, dass Kindertagesstätte und Schule zwischen acht und 15 Kilometer entfernt seien.
Ein Bürger (59) aus Schlowe beklagt das fehlende Freizeitangebot für Familien. Hunde an öffentlichen Badestellen sowie keine Spielplätze bemängelte ein 62-jähriger Groß-Labenzer.

Region punktet mit guter Kinderbetreuung: Gut abgeschnitten in unserer Umfrage Lebenswert haben die Angebote der Kinderbetreuung. Renate Bründel (71) aus Brüel zollte diesbezüglich der Kindertagesstätte in ihrem Ort Anerkennung sowie der ihrer Meinung nach sehr gute Grundschule. Jan Lippke (46) aus Ventschow lobte seine Gemeinde dafür, dass sie die Spielplätze im Ort und am See gut in Ordnung halte.
Und obwohl die Kinder und Jugendlichen weite Wege zu ihren Schulen in Kauf nehmen müssen, würdigte ein Bürger aus Zaschendorf die sehr guten Schulbusverbindungen. Marieluise Sodemann (72) aus Zahrensdorf spendete Lob für die schöne und ruhige Umgebung sowie die freundlichen Einwohner ihres Ortes.

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